Werder Bremen nach dem Pokal-Aus Allofs: "Das war naiv"

Bremen. Nach dem peinlichen Pokal-Aus bei Preußen Münster begibt sich Werder Bremen auf Fehlersuche. Kapitän Clemens Fritz weiß gar nicht, wo er anfangen soll, Klaus Allofs ärgert sich über die Naivität seiner Spieler.
20.08.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Allofs:
Von Marc Hagedorn

Münster. Die Vorbereitung? Soll nach übereinstimmender Expertenmeinung eine der besten in der jüngeren Vergangenheit gewesen sein. Die Personalsituation? Könnte besser nicht sein, alle Profis sind gesund. Und der Pflichtspielauftakt? War trotzdem eine glatte Enttäuschung.

Zweimal hatte Werder geführt, einmal durch einen herrlichen Schlenzer von Eljero Elia Sekunden vor der Pause zum 1:0. Zum zweiten Mal nach 67 Minuten, als der eben eingewechselte Niclas Füllkrug per Kopf das 2:1 besorgte. Nach beiden Treffern wirkte der engagierte und unbequem zu spielende Drittligist wie kurz vor dem K.o. – jedes Mal kamen die Münsteraner, angetrieben von der Mehrzahl der 18000 Zuschauer im ausverkauften Preußen-Stadion, in beeindruckender Manier zurück.

Für Werder-Boss Klaus Allofs war das Aus gegen den zwei Klassen tiefer beheimateten Gegner eine bodenlose Enttäuschung, die nun möglicherweise sogar auch Auswirkungen auf Werders Personalplanungen hat. "Was man nach zweimaliger Führung machen muss: Dem Gegner die Hoffnung nehmen", sagte Allofs, "doch stattdessen haben wir das Feuer entfacht. Das war eine Einladung für Preußen Münster." Vor allem ausgesprochen von der Bremer Defensivabteilung – und hier besonders von Abwehrchef Sokratis. Vor dem Ausgleich durch den US-Amerikaner Matthew Taylor ließ sich der griechische Nationalspieler gemeinsam mit Torwart Sebastian Mielitz austanzen wie ein Anfänger (54.). Auch am zweiten Preußen-Ausgleich war Sokratis beteiligt, als er Taylor nicht entscheidend genug im Fünfmeterraum störte (82.).

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Zu diesem Zeitpunkt war dieses Pokalspiel längst ein Pokalspiel wie aus dem Bilderbuch, wenn der Außenseiter plötzlich anfängt, über sich hinauszuwachsen. Der Stadionsprecher musste seine Ansagen nur noch geringfügig variieren. Nach dem Ausgleich rief er: "Der Wahnsinn geht weiter", nach dem Abpfiff nach 90 Minuten: "Der Wahnsinn geht in die Verlängerung". In den folgenden zweimal 15 Minuten ging bei Werder dann kaum noch was, während die Münsteraner Spieler bei brütender Hitze so wirkten, als merkten sie gar nichts von 100, von 110, von letztlich 120 gespielten Minuten. "Ein geiler Tag für uns", befand der dreifache Torschütze Taylor nachher abgekämpft.

Für Werder war dieser Tag da längst zum Vergessen. Beim Stande von 2:3 hatte Sokratis zu allem Überfluss auch noch Gelb-Rot gesehen. Es war eine harte Entscheidung des Schiedsrichters, denn eigentlich hatte sich Sokratis nur von seinem Gegner losreißen wollen; allerdings tat er dies in sehr aggressiver Manier (109.). Einen Sturmlauf konnte Werder da schon nicht mehr entfachen: Obwohl mit Marko Arnautovic, Niclas Füllkrug und Nils Petersen drei gelernte Stürmer vorne drin standen, und obwohl auch Innenverteidiger Sebastian Prödl längst Mittelstürmer spielte, kam nur noch eine gute Möglichkeit hinzu, die Münsters Torwart Daniel Masuch aber klasse parierte.

Münster trifft Pfosten und Latte

Schon während der regulären Spielzeit war es Masuch gewesen, der zweimal glänzend gegen Petersen geklärt hatte (12., 26.). Aber auch Münster hatte in dieser Phase Chancen gehabt, um das Spiel zu entscheiden: Binnen 60 Sekunden trafen etwa der starke Ex-Werderaner Amaury Bischoff den Pfosten und kurz danach Kevin Schöneberg die Latte (34.).

Den Werder-Profis stand hinterher die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben. "Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll", sagte Kapitän Clemens Fritz, als er gebeten wurde, die Fehler im Bremer Spiel aufzuzählen. Was er dann sagte, klang gar nicht gut. "Ich weiß nicht, ob wir uns zu sicher waren", sagte der älteste Profi im jungen Kader. "Man fährt nicht mal schnell zu einem Drittligisten, schlägt den und fährt nach Hause." Klaus Allofs stellte eine ganz ähnliche Diagnose, als er den Auftritt seiner Spieler beurteilen sollte: "Wenn ich Profi bin, dann will ich in die zweite Runde, und zwar mit allen Mitteln." So gesehen waren die Münsteraner am Sonntag die Pokalprofis und die Bremer heillos überfordert. "Das war nicht Pokal, das war naiv", fasste Allofs zusammen.

Was das jetzt für Werder und den geplanten Aufbruch in wieder bessere Zeiten bedeutet? Ob die neue Begeisterung schon verflogen, die gute Stimmung schon im Eimer ist? Sebastian Prödl verneint dies: "Ich habe gesagt, dass Rückschläge kommen werden." So früh in der Saison hatte er aber eher nicht gemeint.

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