Werder Bremen Allofs glaubt an Ersatzspieler

Bremen. Die individuelle Qualität der Stammspieler lässt sich bei Werder nicht ersetzen. Dennoch glaubt Klaus Allofs, dass die Ersatzspieler gut genug sind.
25.10.2012, 05:00
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Allofs glaubt an Ersatzspieler
Von Thorsten Waterkamp

Bremen. Die individuelle Qualität der Stammspieler lässt sich bei Werder nicht ersetzen. Dennoch glaubt Klaus Allofs, dass die Ersatzspieler gut genug sind.

Mittelerde, das ist die sagenhafte Welt aus dem "Herrn der Ringe". Mittelerde ist bevölkert mit Fabelwesen, und es ist die Welt der Hobbits, der Halblinge, die in den Bücher von J.R.R. Tolkien so eigentümliche Namen tragen wie Frodo Beutlin, Samweis Gamdschie oder Meriadoc Brandybock. Im Hier und Jetzt des Internets ist ein fantasiereicher Kopf auf den Gedanken gekommen, dass auch Namen wie Füllkrug, Hartherz oder Trybull wunderbar der Ringe-Saga entsprungen sein könnten – was mittlerweile dazu geführt hat, dass ebenjene Werder-Profis gerne mal zusammengefasst werden unter dem Sammelbegriff "Mittelerde". Am Mittwoch stellte ein Zuschauer des Trainings deshalb in aller Kürze fest: "Mittelerde ist nicht da."

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Mittelerde war am Montag anderweitig beschäftigt. Niclas Füllkrug und die übrigen grün-weißen Halblinge trainierten nicht mit den Profis, sondern mit der U23, mit der sie heute Nachmittag bei Hannover 96 II antreten. Mittelerde wandelt zurzeit zwischen den fußballerischen Welten, mal Bundesliga, mal Regionalliga. Junge Spieler wie der 18-jährige Füllkrug gehören bei Werder in dieser Saison zur zweiten Garde, ebenso wie die erfahrenen Profis Philipp Bargfrede, Lukas Schmitz, Assani Lukimya, Aleksandar Ignjovski oder Mehmet Ekici.

Bislang musste Werders zweite Reihe in größerer Mannstärke kaum in Erscheinung treten. Hier mal ein Kurzeinsatz, dort mal eine Vertretung – angesichts der äußerst geringen Ausfallquote bei den Stammspielern war’s das. Bis zum vergangenen Wochenende: Die verletzungsbedingten Ausfälle von Clemens Fritz und Sebastian Prödl spülten Lukimya und Schmitz wieder in die Startelf, und Füllkrug, Bargfrede und Ekici kamen über den Umweg der Ersatzbank gegen Mönchengladbach zum Einsatz. "In der zweiten Reihe", bilanziert Klaus Allofs seither überzeugter als ohnehin, "sind wir sehr gut aufgestellt. So gut waren wir lange nicht besetzt."

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Stimmt das? Das ist die Frage, die sich bereits seit der Vorbereitung stellt. Denn anders als Spitzenklubs wie Bayern, wie Dortmund, wie Schalke kann es sich Werder – und kann es sich beinahe der ganze Rest der Liga – kaum leisten, den Kader rotieren zu lassen. Die individuelle Qualität der Stammspieler lässt sich ohne Weiteres nicht ersetzen, auch in Bremen nicht.

Deutlich wird das beim Blick aufs Bremer Mittelfeld. Aaron Hunt, der eine starke Saison spielt, und das belgische Ausnahmetalent Kevin De Bruyne gelten in der Zentrale als ebenso unverzichtbar wie vor der Abwehr der technisch beschlagene Dauerläufer Zlatko Junuzovic. Kurz gesagt: geballte Spielintelligenz. Sollte aus dem zentralen Tandem einer ausfallen, würde intern ersetzt: Junuzovic müsste eine Position vorrücken.

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Allofs ist dennoch zufrieden mit dem Personalangebot: "Wenn wir im Mittelfeld einen Philipp Bargfrede einwechseln können, wenn wir noch einen Ignjovski und einen Ekici haben – dann ist das gut." Dass sie die Etablierten ersetzen könnten, steht für Allofs außer Frage. Andererseits: Auch schwache Leistungen der Etablierten haben – wenn überhaupt – nur punktuell dafür gesorgt, dass ihre potenziellen Vertreter in die Startelf aufrückten. Schmitz durfte sich bis zum Gladbach-Spiel zweimal versuchen, im Angriff vertrat Joseph Akpala zweimal Nils Petersen und enttäuschte jeweils. Ignjovski gar hat die Ersatzbank nach seinem kapitalen Bock im ersten Saisonspiel in Dortmund, als er das 0:1 verschuldete und ausgewechselt wurde, nie wieder verlassen dürfen. "Sieben Spiele, null Minuten", hat der Serbe seither addiert, wo es eigentlich nichts zu addieren gibt.

Eine Begründung, warum den Spielern aus der zweiten Reihe der Sprung in die Startelf bislang nicht gelungen ist, umgeht Allofs. Ekici, der gegen Gladbach nur dank des Ausfalls von Fritz und Prödl in den Kader rutschte, müsse sich aufdrängen und "zeigen, dass er besser ist als die, die im Kader stehen. Und die spielen das bisher gut". Ignjovski und Bargfrede sind Allofs zufolge vor allem im Hintertreffen, weil die Stammkräfte so gut spielten. So sei das Problem "eigentlich nur, dass wir nur zu elft spielen können".

Niclas Füllkrug indes ist der Mann aus Reihe zwei, der noch am dichtesten an der Stammelf ist. Über kurz oder lang wird er dort zu finden sein – spätestens, wenn einer der drei Stürmer ausfällt, dürfte seine Stunde schlagen. Seine Ansprüche formuliert der 18-Jährige mit Bedacht. Er wolle sich, sagte Füllkrug jüngst, nicht ewig mit der Jokerrolle zufriedengeben. Allofs begrüßt das: "Dass er diesen Anspruch haben muss, erwarte ich von ihm."

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