Eilts’ Erlebnisse

Als ich Uli Borowka die Haare schneiden durfte

Dieter Eilts war Europameister, Deutscher Meister, Europapokalsieger. Für Mein Werder blickt die Werder-Legende auf besondere Erlebnisse seiner Karriere zurück. Heute: der Europapokalsieg 1992.
13.02.2019, 17:24
Lesedauer: 3 Min
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Von Dieter Eilts

Denke ich an unseren Sieg im Europapokal der Pokalsieger 1992, kommt mir nicht zuerst das Endspiel, sonders das Viertelfinal-Rückspiel gegen Galatasaray in den Sinn. Nach einem 2:1-Sieg im Hinspiel durch ein Tor von Marinus Bester in der 85. Minute verlief diese Partie in Istanbul dramatisch. Die Stimmung im Stadion war gigantisch, und die türkischen Fans unterstützten ihre Mannschaft bedingungslos. Für uns war es von Beginn an ein einziger Kampf.

Der Platz war in einem sehr schlechten Zustand, was uns aber letztendlich sogar zugutekam. In der Nachspielzeit hatte Galatasaray eine hundertprozentige Torchance, der Ball rollte jedoch auf dem miserablen Rasen nicht richtig und unser Torwart Oliver Reck konnte ihn sich schnappen. Der Schiedsrichter war auch nicht unbedingt das, was man sich unter einem Schiedsrichter vorstellt. Er traf einige fragwürdige Entscheidungen. Gleich in den Anfangsminuten ahndete er ein rotwürdiges Foul an Günter Hermann nicht. Den Höhepunkt erreichte das Ganze, als der Schiedsrichter mir kurz vor Schluss die Rote Karte zeigte. Bis heute weiß ich wirklich nicht, warum er mich des Feldes verwiesen hat.

Dieser Feldverweis hat mich das Halbfinale gekostet. Aber was macht das schon, wenn die Mannschaft trotzdem das Endspiel erreicht? Durch den Pokalsieg 1991 im Finale gegen Köln hatten wir uns für den Europapokal der Pokalsieger qualifiziert. Einige erinnern sich bestimmt noch daran, dass es zu der Zeit einen Europapokalwettbewerb gab, an dem nur die Pokalsieger der einzelnen Länder teilnahmen. In der Champions League spielten nur die Landesmeister und nicht auch noch der Viertplatzierte oder was weiß ich wer.

Monacos Weltstars

Nun standen wir also tatsächlich im Europapokal-Finale. Nach Siegen gegen den FC Bacău, Ferencváros Budapest, Galatasaray und im Halbfinale gegen den FC Brügge hieß der Gegner im Endspiel AS Monaco. Die Franzosen hatten zu dem Zeitpunkt eine fantastische Mannschaft mit herausragenden Spielern wie Weah, Barros, Ettori und Petit. Auch ihr Trainer Arsene Wenger hatte schon einen ausgezeichneten Ruf. Diesen bestätigte er dann später als Teammanager des FC Arsenal, wo er von 1996 bis 2018 eine Ära prägte, die im Weltfußball ihresgleichen sucht.

Monaco war somit am 6. Mai 1992 im Estádio da Luz in Lissabon der klare Favorit. Bei uns ersetzte Jürgen Rollmann den etatmäßigen Torhüter Oliver Reck, der sich im Halbfinale die zweite Gelbe Karte eingehandelt hatte und somit gesperrt war. Unser Trainer Otto Rehhagel kam dann auch noch mit einer Aufstellung um die Ecke, die keiner so richtig erwartet hatte. Klaus Allofs spielte, für viele überraschend, von Beginn an und wurde sogar zum entscheidenden Spieler auf dem Platz. Erst erzielte er fünf Minuten vor der Halbzeitpause mit seinem deutlich schwächeren rechten Fuß das 1:0 für uns. Das 2:0 durch Wynton Rufer bereitete er in der 55. Minute mustergültig vor.

Borowka löst Versprechen ein

Von diesem Rückschlag erholte sich Monaco nicht mehr. Die Franzosen erhöhten zwar noch einmal den Druck, aber unsere Defensive stand sehr gut. Wir sehnten den Schlusspfiff herbei und als er dann endlich kam, war der Jubel grenzenlos. Die anschließende Feier war die größte, die ich in all den Jahren in Bremen mitgemacht habe. Es wurde die ganze Nacht hindurch gefeiert. Zudem löste Uli Borowka sein Versprechen ein und ließ sich die Haare abschneiden. Ich übernahm die Aufgabe des „Friseurs“. Wenn ich ehrlich bin, sah seine neue Frisur nicht gut aus, aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten.

Am folgenden Morgen ging es dann zurück nach Bremen. Dort wurde natürlich weitergefeiert. Das musste einfach sein, auch wenn wir wussten, dass zwei Tage später unser Bundesliga-Auswärtsspiel beim Tabellenführer in Frankfurt auf dem Programm stand. Trotz einiger koordinativer Defizite gaben wir uns bei der Eintracht keine Blöße und holten ein beachtliches 2:2-Unentschieden, aber wichtiger war natürlich, dass uns mit dem Europapokalsieg der bis dato größte Erfolg der Vereinsgeschichte gelungen war. Das war es allerdings noch längst nicht mit den Titeln, auch die folgende Saison sollte aufregend werden und uns eine weitere Trophäe bescheren.

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