Letzter Sieg vor vier Wochen Werder-Coach Anfang: Der Wiederaufbau braucht Erfolgserlebnisse

Vor gut vier Wochen fuhr der SV Werder Bremen seinen letzten Sieg in der 2. Bundesliga ein. Nun richten sich die Hoffnungen auf ein Erfolgserlebnis auf das Spiel gegen Nürnberg am Freitag.
03.11.2021, 16:51
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Von Daniel Cottäus

Markus Anfang hatte bereits viel gesprochen dort oben auf dem Podium, hatte auf Nachfrage etwa die Bremer Personallage vor dem Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg geschildert oder die Stärken des Gegners eingeordnet. Kurz vor dem Ende der Pressekonferenz sagte der Trainer des SV Werder Bremen dann noch einen Satz, der bei seinem Nebenmann Clemens Fritz umgehend auf stille Zustimmung stieß, ausgedrückt durch ein dezentes Kopfnicken. Anfangs Satz lautete: „Es ist ein Wiederaufbau, der am Ende des Tages natürlich auch Erfolgserlebnisse braucht.“ Und er führte mitten hinein in die Problematik, der sich Werder im Herbst 2021 nach wie vor ausgesetzt sieht. Denn genau an diesen Erfolgserlebnissen mangelt es.

Werders letzter Sieg in der 2. Bundesliga liegt inzwischen gut vier Wochen zurück, weshalb sie in Bremen gerade darum bemüht sind, sich das gute Gefühl an anderer Stelle zu holen, damit am Freitagabend in Nürnberg, während des letzten Spiels vor der Länderspielpause, möglichst der richtungsweisende Umschwung glückt.

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Bereits im unmittelbaren Nachgang an das jüngste 1:1 gegen Spitzenreiter St. Pauli hatte Anfang für eine positive Einordnung des Spiels geworben, hatte es als „nächsten Schritt in diesem Wiederaufbau“ bezeichnet, was angesichts des ordentlichen Bremer Auftritts durchaus legitim war. Tabellarisch richtig geholfen, gar ein Zeichen gesetzt hat das Spiel jedoch nicht. Werder bildet als Zehnter, neun Teams vor und acht Teams hinter sich, weiterhin das Zentrum des grauen Mittelmaßes – und mit jedem nicht gewonnenen Spiel schwindet die Hoffnung des Umfelds weiter, in der ersten Saison nach dem Abstieg vielleicht doch noch ein Wörtchen im Kampf um den Aufstieg mitreden zu können. Anfang hat dieses Ziel zwar nie öffentlich formuliert, sondern den Wiederaufbau rhetorisch stets behutsam vor den Wiederaufstieg gesetzt und bei jeder Gelegenheit betont, nicht auf die Tabelle zu schauen – dennoch sagt der Trainer nun auch: „Wir wünschen uns natürlich, dass wir mehr Punkte haben.“ Da es die seit dem 1. Oktober, seit dem 3:0-Heimsieg gegen Heidenheim, aber nicht mehr in dreifacher Ausführung gab, sind es derzeit eben (notgedrungen) Tendenzen und Teilerfolge, die besagten Wiederaufbau stützen.

„Wir sind dabei, uns ein bisschen zu stabilisieren“, sagt Anfang, dessen Team nach dem indiskutablen 0:3 in Darmstadt zwei Mal in Folge nicht verloren hat. Wobei das späte 2:2 in Sandhausen (trotz Füllkrugs gefeierter Torpremiere) in seiner Gesamtheit deutlich weniger als Mutmacher taugt als das Remis gegen St. Pauli. Das weiß natürlich auch Anfang, dem in Sandhausen die Moral seiner Mannschaft in der Schlussphase gefallen hatte. Wieder so eine Tendenz, so ein Teilerfolg. Vor dem Gastspiel in Nürnberg fordert er nun: „Natürlich wollen wir jetzt nachlegen.“

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Um zu erahnen, dass das alles andere als einfach werden dürfte, reicht schon ein Blick auf die aktuellen Nürnberger Zahlen. Die Mannschaft von Trainer Robert Klauß ist Fünfter, hat 21 Punkte auf dem Konto und erst eine Niederlage in der Liga kassiert. Mit erst neun Gegentoren stellt der Club zudem die beste Defensive im Unterhaus. „Es ist sehr schwer, gegen sie Tore zu schießen, weil sie diszipliniert und geordnet verteidigen und nach Ballverlusten sofort ins Gegenpressing gehen“, sagt Anfang und garniert das Ganze mit dem Hinweis, dass es allerdings seine Mannschaft sei, die in der Liga am wenigsten Torschüsse zulasse und die meisten abgebe. Was zweifellos wieder als gute Tendenz, als Teilerfolg taugt. Allerdings nichts daran ändert, „dass es sich leider nicht in den Punkten widerspiegelt“. Noch nicht. Denn Anfang ist überzeugt davon, mit seiner Mannschaft auf dem richtigen Weg zu sein.

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Allmählich, ganz allmählich kehren nach Leonardo Bittencourt auch Christian Groß und Ömer Toprak aus langen Verletzungspausen zurück, was dem Trainer die Hoffnung erlaubt, „dass wir vielleicht bald eine Achse mit einer gewissen Erfahrung auf dem Platz haben und junge Spieler drumherum aufstellen können“. Denn natürlich gehört auch das zur Wahrheit dieser komplizierten Bremer Saison: An bisher keinem einzigen Spieltag konnte Anfang die Säulen seines Teams, die Mitglieder des Mannschaftsrats, gemeinsam in den Kader berufen. Dass dieses Szenario jetzt endlich näher rückt ist – richtig! – eine gute Tendenz, ein Teilerfolg, der die Mannschaft festigen und für Punkte sorgen kann.

Sollte Werder am Freitagabend im Max-Morlock-Stadion also tatsächlich der fünfte Saisonsieg gelingen (der gleichzeitig Nürnbergs dritte Pflichtspielniederlage in Folge bedeuten würde), dann wäre das für Markus Anfang und sein Team ein wichtiger, ein richtig wichtiger Schritt. Er würde dafür sorgen, dass Werder die Verbindung zur Spitzengruppe nicht frühzeitig abreißen lässt. Und natürlich dafür, dass aus vielen Tendenzen und Teilerfolgen mal wieder ein echter Triumph wird. 


 

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