Werder-Stürmer Johannsson im Interview

Aron Johannsson über das schwierigste Jahr seiner Karriere

Werder-Stürmer Aron Johannsson spricht im Interview mit dem WESER-KURIER, über das schwierigste Jahr in seiner Karriere und seine Zukunft bei Werder Bremen.
18.01.2017, 00:00
Lesedauer: 6 Min
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Aron Johannsson über das schwierigste Jahr seiner Karriere
Von Marc Hagedorn
Aron Johannsson über das schwierigste Jahr seiner Karriere

Will sich bei Werder durchsetzen: Stürmer Aron Johannsson.

dpa

Werder-Stürmer Aron Johannsson spricht im Interview mit dem WESER-KURIER, über das schwierigste Jahr in seiner Karriere und seine Zukunft bei Werder Bremen.

Herr Johannsson, wie geht es Ihnen?

Aron Johannsson: Mir geht’s gut. Und Ihnen?

Danke, auch gut. Neues Jahr, neues Glück.

Ja, das gilt auch für mich (lacht).

Meine Frage war nicht als Floskel gemeint. Hinter Ihnen liegt ein schwieriges Jahr 2016.

Ja, die Frage ,Wie geht es dir?‘ habe ich im vergangenen Jahr tatsächlich oft gehört, mehrmals am Tag. Aber mir geht es eigentlich schon seit dem Sommer gesundheitlich wieder sehr gut.

Wie hart war das Jahr?

Es war das schwierigste Jahr meiner Karriere bisher, sehr hart mit vielen unangenehmen Erfahrungen.

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Sie haben monatelang nicht Fußball spielen können wegen einer Nervenentzündung.

Das war eine emotionale Achterbahnfahrt, es ging rauf und runter. Es gab mehrere Momente, in denen ich sehr down war und enttäuscht, wenn man aufgrund einer Verletzung nichts machen kann außer Warten. Aber ich habe ein stabiles Umfeld, eine Familie und gute Freunde um mich herum. Die haben immer versucht, mir Mut zu machen und die positiven Dinge zu sehen. Sie haben mir gesagt: Vergiss nicht, was du alles schon erreicht hast, was du dir erarbeitet hast, seitdem du als kleiner Junge in Island mit dem Fußball angefangen hast. Ich weiß jetzt erst recht, wie wichtig es ist, gute Menschen und eine Familie um sich herum zu haben.

Sie haben im vergangenen Jahr eine längere Zeit, in der Sie nicht Fußball spielen konnten, in Island verbracht. Wie wichtig war das?

Sehr wichtig. Ich war mehrere Monate dort, und es war gut für meine Genesung, auch mental. Ich war glücklich mit meiner Freundin und meiner Familie, und wer mich kennt, der weiß, dass ich ein anderer Typ bin, wenn es mir gut geht.

Was genau haben Ihre Freunde denn gemacht, damit es Ihnen besser geht?

In Bremen, da gab es in erster Linie nur mich und meine Freundin. Ich bin jeden Tag morgens aufgewacht, hatte immer die gleichen Abläufe: Arzt, Behandlung, Training. Und als dann Rückschläge kamen und ich nicht einmal mehr trainieren konnte, da war ich richtig am Boden.

Und in Island?

Da konnte ich einfach mehr unternehmen. Es waren so viele Leute da, die ich kenne. Wir haben Billard gespielt oder an der Playstation, wir sind ins Kino gegangen oder haben uns einfach nur getroffen, um zu reden. So musste ich nicht immer an die Verletzung denken. Das hat mir sehr geholfen.

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Zu der Zeit lief auch die Europameisterschaft, bei der die isländische Nationalmannschaft so grandiose Erfolge gefeiert hat. Was war da los in Island?

Sie haben die Bilder ja bestimmt selbst noch vor Augen: Es war unglaublich. Wenn die Spiele im Fernsehen liefen, war kein Auto auf den Straßen unterwegs. Das ganze Land hat die Spiele verfolgt – mit dem England-Spiel als Höhepunkt. Es war fantastisch, zu erleben, was in unserem Land abgegangen ist. Das war für uns Isländer so wie für die Deutschen, wenn sie Weltmeister werden.

Gab es einen Moment, in dem Sie gedacht haben: Das könnte auch meine Nationalmannschaft sein?

Nein, ungefähr zu der Zeit lief auch die Copa America, an der die USA…

…Ihre tatsächliche Nationalmannschaft…

…teilgenommen hat. Das Team ist bis ins Halbfinale gekommen. Das war auch ein großartiger Moment. Ich bin mehrere Nächte wach geblieben, um mir diese Spiele anzuschauen. Ich habe eher gedacht: Wenn ich gesund gewesen wäre und bei Werder zuvor hätte spielen können, dann wäre ich jetzt mit den USA bei der Copa America dabei gewesen.

Was bedeutet es für Sie, in der Nationalmannschaft zu spielen?

Es bedeutet mir sehr viel. Deshalb ist meine Situation auch so schwierig. Ich spiele bei Werder nicht so viel, wie ich eigentlich gern spielen würde. Das US-Team hat jetzt einen neuen Nationaltrainer (Bruce Arena, Anmerkung der Redaktion), und ich müsste eigentlich Fußball spielen, um ihn zu beeindrucken, um ihm zu zeigen, was ich kann.

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Wie wichtig Ihnen die Nationalmannschaft ist, haben Sie auch dadurch gezeigt, dass Sie im November eine Einladung zur Nationalmannschaft angenommen haben. Zu der Zeit haben sie wenig bis gar nicht gespielt bei Werder. Wäre es besser gewesen, in Bremen zu bleiben und weiter zu trainieren?

Es war ja schon die zweite Einladung, die ich damals bekommen habe. Ich hätte schon im September zur Nationalmannschaft fliegen können. Das war genau zu der Zeit, als Alexander Nouri hier als neuer Cheftrainer angefangen hat. Ich habe damals mit US-Trainer Jürgen Klinsmann gesprochen und ihm gesagt, dass ich gern in Bremen bleiben würde. Der Trainer war neu, und im Spiel gegen Darmstadt hatte die Mannschaft nicht so gut gespielt. Da habe ich mir gedacht, dass es besser wäre, in Bremen zu bleiben und mich dem neuen Trainer zu zeigen.

Was nicht so richtig geklappt hat. Sie haben wochenlang keine Einsatzzeiten bekommen.

Und genau in dieser Zeit kam die zweite Einladung zur Nationalmannschaft. Wir hatten zwei wichtige WM-Qualifikationsspiele, und deshalb habe ich mir gedacht, dass es Zeit ist, zur Nationalmannschaft zu fliegen. Ich habe mich gefreut, nach mehr als einjähriger Pause mal wieder beim US-Team zu sein.

Zum Einsatz sind Sie auch dort nicht gekommen. War die Entscheidung trotzdem richtig?

Ja, denn es ist einfach das Größte für einen Fußballer, wenn er für seine Nationalmannschaft spielen darf. Ich möchte Teil der Mannschaft sein, die hoffentlich die Reise nach Russland zur WM 2018 macht.

Sie haben in dieser Saison schon fast alles erlebt: Sie haben in der Startelf gestanden, auf der Bank gesessen und auf der Tribüne zugeschaut. Das reicht eigentlich für eine ganze Saison.

Ja, und es war enttäuschend, es an manchen Spieltagen nicht einmal in den Kader geschafft zu haben. Das ist nicht das, was man sich als Fußballer wünscht. Ich habe unter Viktor Skripnik in den ersten drei Bundesligaspielen der Saison auf dem Platz gestanden, ein Tor geschossen und eines vorbereitet – das ist nach so einer langen Verletzungspause keine so schlechte Bilanz gewesen, finde ich. Meine Fitness wurde besser und besser, aber dann kam die Rote Karte im Gladbach-Spiel und die Zwei-Spiele-Sperre. Danach war der neue Trainer da, und ich habe nicht mehr gespielt. Zum Glück hat sich das gegen Ende des Jahres verbessert.

Sie sind zweimal eingewechselt worden.

Ja, die Richtung stimmt schon mal wieder. Aber insgesamt kann ich nicht zufrieden sein. Wenn man mal auf die Zahlen schaut, dann habe ich in den letzten zwölf Spielen zusammengerechnet vielleicht 30 Minuten gespielt. Das reicht mir nicht. Damit bin ich nicht glücklich. Aber ich arbeite so hart ich kann. Es liegt an mir, dem Trainer zu zeigen, dass er mich aufstellen soll. Wenn das am Ende nicht reicht, müssen wir uns zusammensetzen und darüber reden.

An diesem Punkt waren Sie in dieser Saison schon mal. Ihr Berater ist im Dezember gefragt worden, ob nicht auch ein Wechsel für Sie infrage käme. Wäre das eine Option?

Natürlich denkt man darüber nach. Wenn man nicht spielt, wenn man nicht im Team ist, dann ist man sehr enttäuscht. Ich habe meine Situation zu der Zeit sehr genau überdacht und mich entschieden zu kämpfen. Ich habe mich reingehängt, alles gegeben, was ich konnte, und ich glaube, dass die Trainer das gesehen haben, ich habe zuletzt ja wieder ein paar Minuten gespielt. Aber ich bin 26 Jahre alt, ich muss jetzt Fußball spielen.

Das beste Fußballeralter, sagt man.

Ja, vielleicht. Ein paar Jahre stecken auf jeden Fall noch in mir drin, und es werden hoffentlich meine besten Jahre sein. Am liebsten bei Werder: Ich mag die Stadt, ich mag den Klub, ich mag die Fans. Mein Ziel ist es, mich hier durchzusetzen. Ich gebe nicht auf. Aber am Ende des Tages will ich spielen.

Sie haben jetzt das Trainingslager komplett mitmachen können, im Test gegen Karlsruhe ein Tor geschossen. Glauben Sie, dass Sie jetzt in einer besseren Situation sind als noch vor acht oder zehn Wochen?

Ich denke, dass ich jetzt weiter bin, ja. Ich weiß es zu schätzen, dass die Trainer meinen Einsatz anerkennen.

Wie funktioniert der Austausch mit Trainer Alexander Nouri?

Wir sprechen immer wieder, auch über meine Situation. Ich weiß, dass Claudio Pizarro vor mir steht, aber ich weiß auch, dass ich kämpfen werde.

Welche Rolle spielt das taktische System für Sie? Ein Stürmer? Zwei Stürmer? Was passt besser zu Ihnen?

Wenn ich es mir aussuchen dürfte, würde ich ein System mit zwei Stürmern wählen. Aber im Grunde ist es egal, ob wir 4-1-4-1 oder 4-4-2 oder 3-5-2 spielen. Ich kann neben Max, ich kann neben Piza oder mit Serge spielen, das ist nicht das Problem. Hauptsache ich spiele überhaupt (lacht).

Das Gespräch führte Marc Hagedorn.

Zur Person:

Zur Person

Aron Johannsson (26) kam im Sommer 2015 vom niederländischen Erstligisten AZ Alkmaar zu Werder Bremen. Johannsson, der auch die isländische Staatsangehörigkeit besitzt, debütierte 2013 unter Jürgen Klinsmann für die US-Nationalmannschaft. Für Werder absolvierte der Stürmer zwölf Spiele und erzielte drei Tore.
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