Eichin übt Kritik an Unparteiischen

Attacke gegen Bayern-Bonus

Klare Worte: Vor dem Gastspiel des FC Bayern am Sonnabend im Weserstadion verlangt Thomas Eichin mehr Gerechtigkeit für die Münchner Gegner – er sieht sie oft zu Unrecht bevorteilt.
11.03.2015, 00:00
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Attacke gegen Bayern-Bonus
Von Thorsten Waterkamp
Attacke gegen Bayern-Bonus

Es darf auch gern mal Rot sein: Franck Ribéry wird nach einem heftigen Rempler gegen Hannovers Leonardo Bittencourt von Schiedsrichter Tobias Welz verwarnt – manchem in der Liga wie Werders Sportchef Thomas Eichin ist das manchmal zu wenig.

CARMEN JASPERSEN, dpa

Klare Worte: Vor dem Gastspiel des FC Bayern am Sonnabend im Weserstadion verlangt Thomas Eichin mehr Gerechtigkeit für die Münchner Gegner – er sieht sie oft zu Unrecht bevorteilt.

Es hat Zeiten gegeben, da war es guter Ton zwischen Weser und Isar, verbale Giftpfeile zu verschießen. Da schimpften, zeterten und zoteten hüben Willi Lemke und drüben Uli Hoeneß, dass es nur so krachte. Lang, lang ist’s her. Vor dem Besuch der Bayern am Sonnabend in Bremen allerdings kehren die alten Zeiten zurück: Thomas Eichin beweist sich als Bremer Brauchtumspfleger – und greift selbst mal in den Köcher. Sein Ziel: das Binnenverhältnis zwischen Schiedsrichtern und dem großen FCB. Denn das passt Eichin – und nicht nur ihm – überhaupt nicht: Die Unparteiischen, fordert Werders Sportchef, sollten doch gefälligst „endlich mal ihren Respekt vor den Bayern ablegen. Den können sie vor und nach dem Spiel haben, aber nicht während des Spiels“.

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Eichin stellt sich damit in eine Reihe mit seinem Hannoveraner Kollegen Dirk Dufner. Der Sportdirektor der 96er hatte sich nach deren 1:3 gegen die Münchner am vergangenen Sonnabend mächtig aufgeregt und dem Unparteiischen Tobias Welz die Unparteilichkeit abgesprochen. „Wenn man schon in der Situation ist, dass man die Bayern ärgern kann“, schimpfte Dufner, „dann sollte idealerweise der Schiedsrichter nicht noch zugunsten der Bayern eingreifen.“

Tatsächlich hatte Welz genau das getan, dazu in entscheidenden Situationen: So entsprang der Münchner Freistoß zum 1:1 einem harmlosen Zweikampf, in dem David Alaba zu Boden sank. Und Robert Lewandowski bekam einen Strafstoß zugesprochen, als er bei einem Kopfballversuch nahe der Grasnarbe völlig unerwartet auf gegnerische Fußballschuhe traf. Eine echte Regelkapriole, denn diese Art des Tiefflugs ist laut Reglement verboten und wird als gefährliches Spiel gewertet – zugunsten der Fußballschuhe. In Welz’ Auslegung war Lewandowskis Kopf schützenswerter, den Elfmeter verwandelte Thomas Müller zum 2:1. „Das“, tobte Dufner, „hat uns um die Früchte unserer Arbeit gebracht.“

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Eichins Attacke ist eine wohl überlegte Provokation. Denn der Sportchef, einst selbst zweikampferprobter Verteidiger („Früher konnte ich mehr Fouls machen – heute fliegst du dafür fünfmal runter“), rechnet sich durchaus etwas aus gegen die scheinbar übermächtigen Münchner. „Die Fans werden voll da sein, die Mannschaft ist heiß.“ Muss nur – anders als in Hannover – der Rest noch stimmen: „Sonst brauchst du gegen Bayern München gar nicht anzutreten.“

Vor allem Arjen Robben und Franck Ribéry werden für seinen Geschmack zu oft und oft unzulässig in Schutz genommen. „Es ist eine wahre Pracht, den beiden zuzugucken. Aber es muss erlaubt sein, sie zu bearbeiten – dabei geht’s mir nicht um mutwillige Treterei“, sagt Eichin. Werders Spieler dagegen würden nicht derart geschützt, Profis wie Franco Di Santo befänden sich mitunter in der Rolle des Freiwildes, beobachtet Eichin: „Franco zum Beispiel, der wird pausenlos von hinten attackiert, aber er bleibt stehen.“ Dass diese Fouls nicht gepfiffen würden, sei „eine Unart“.

Ein bisschen mehr Respekt hier, ein bisschen weniger Bayern-Bonus dort – so will Eichin sein Plädoyer verstanden wissen. Und der eigene Respekt? Bayern, die sich daneben benehmen, verdienen ihn nicht, schon gar nicht Ribéry. Den Franzosen hat Eichin gefressen: „Der hätte schon fünfmal runtergemusst in dieser Saison.“ Wobei – das sei der Fairness halber gesagt – Eichin hier Liga (Check gegen Hannovers Bittencourt; na ja), Pokal (Nachtreten gegen Braunschweigs Keller; ja) und Champions League (Ohrfeige gegen ManCitys Vincent Kompany; oh ja) zusammenzählt.

Bleibt der Trainer, aber keine Sorge: Auch Pep Guardiola bekommt sein Fett weg. Eichin: „Wenn Viktor Skripnik zweimal dem vierten Offiziellen was sagt, wird ihm mit der Tribüne gedroht. Und Guardiola? Der kann machen, was er will.“ Im Zweifel sogar den vierten Offiziellen liebevoll in den Arm nehmen, wenn es sich um Bibiana Steinhaus handelt. Die einzige Frau im Erstliga-Einsatz wehrte den Angriff ab – ohne aber einen Tribünen-Bann gegen den Kuschel-Katalanen zu verhängen.

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