Johannes Eggestein überzeugt in Südafrika

Auf dem Sprung in die Stammelf

Johannes Eggestein hat sich am Ende der Hinrunde einen Stammplatz erkämpft und seine Ambitionen im Trainingslager untermauert. Die Perspektive stimmt also, und eine Vertragsverlängerung wird wahrscheinlicher.
13.01.2019, 19:57
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Auf dem Sprung in die Stammelf
Von Christoph Bähr
Auf dem Sprung in die Stammelf
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Hans-Joachim Watzke hat gerade Alarm geschlagen. Das gesamte Jugendkonzept in Deutschland müsse auf den Prüfstand, sagte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund der „Bild“ und fügte hinzu, dass gerade beim Blick auf die Talente im Alter von 16 bis 20 Jahren das Problem zu erkennen sei. Die Supertalente, die die europäischen Topklubs jagen, sind in der Tat keine Deutschen. Es sind Franzosen wie Kylian Mbappé oder Engländer wie Jadon Sancho.

Johannes Eggestein gehört alterstechnisch genau zu der problematischen Gruppe, die Watzke angesprochen hat. Werders Offensivspieler ist 20 Jahre alt, ihn dürfte der BVB-Boss allerdings eher nicht gemeint haben, denn Eggestein gehört zu den wenigen deutschen Spielern unter 21 Jahren, die schon ihre Bundesliga-Tauglichkeit unter Beweis gestellt haben. In der Schlussphase der Hinrunde hat er den Sprung in die Stammelf geschafft. Und nach den Eindrücken des Trainingslagers in Südafrika lässt sich festhalten: Es deutet wenig darauf hin, dass Eggestein seinen Stammplatz zum Rückrundenauftakt verliert.

Tor im WM-Stadion

Beim ersten Testspiel des Winters gegen die Kaizer Chiefs, das nach 50 Minuten wegen eines Gewitters abgebrochen wurde, stand er in der Startelf und überzeugte. Johannes Eggestein erzielte nach Vorarbeit von Josh Sargent sogar den einzigen Treffer der Partie im fast leeren „FNB Stadium“, dem Austragungsort des WM-Endspiels 2010. „Wir waren alle erfreut darüber, in dem Stadion mal spielen zu dürfen. Dass ich dort ein Tor gemacht habe, freut mich umso mehr“, sagte Eggestein nach dem Abpfiff.

Eine Kampfansage im Ringen um die Stammplätze kam ihm dagegen auch nach dieser guten Leistung nicht über die Lippen. „Ich habe im Training immer versucht, Gas zu geben“, betonte er lediglich. Ähnlich wie sein älterer Bruder Maximilian tritt Johannes Eggestein stets bodenständig und höflich auf. Große Töne zu spucken braucht er aktuell auch gar nicht, jeder sieht, dass er gute Karten hat. Er wäre definitiv auch im zweiten Testspiel gegen die Bidvest Wits (2:2) zum Einsatz gekommen, versicherte Trainer Florian Kohfeldt. Eggestein war jedoch bei einer Einheit umgeknickt, soll aber am Dienstag wieder ins Training einsteigen und hat somit gute Chancen, gegen Hannover am Sonnabend zu spielen.

Eggestein kommt inzwischen seine Vielseitigkeit zugute. Galt er in der Jugend noch als reiner Mittelstürmer, kann er nun auf den Außenbahnen und auf der Achter-Position im Mittelfeld eingesetzt werden, wie etwa im Testspiel gegen die Kaizer Chiefs. Ob Werder nun also in einem 4-4-2 mit Mittelfeldraute oder in einem 4-3-3 agiert, für Eggestein gibt es in beiden Grundordnungen einen Platz.

Starker Vorbereiter

Bei einer Aufstellung mit drei Stürmern dürften aktuell Johannes Eggestein und Milot Rashica neben Max Kruse erste Wahl sein. Eine bemerkenswerte Entwicklung, galt Johannes Eggestein zu Saisonbeginn in der stark besetzten Offensive doch eher als Außenseiter. Der Jugend-Nationalspieler kam anfangs auch nur zu Kurzeinsätzen, doch nach einer dieser Einwechslungen gelang ihm gegen Wolfsburg sein erstes Bundesliga-Tor. Danach wurden die Einsätze länger, und Eggestein bewies, dass er von der Außenposition ebenfalls als Torvorbereiter zu gebrauchen ist. Zwei Treffer und mehrere Großchancen legte er den Teamkollegen auf.

Zu den bislang elf Einsätzen dürften für Johannes Eggestein in der Rückrunde also noch einige dazukommen. Seine Perspektive bei Werder ist gut, und genau das hat Eggestein bisher immer als wichtigsten Aspekt angeführt, wenn es um eine mögliche Verlängerung seines auslaufenden Vertrags ging. Kohfeldt hat sich schon direkt vor der Winterpause überzeugt gezeigt, dass Johannes Eggestein „zeitnah verlängern wird“. Frank Baumann sagte nun zu Mein Werder: „Ich teile den Optimismus des Trainers durchaus.“ Der Sportchef hob zudem das gute Verhältnis zwischen Eggestein und Kohfeldt sowie die starke Entwicklung des Offensivspielers hervor. Wann eine Entscheidung fällt, wollte Baumann nicht sagen. Klar ist aber: Werder hat mit Johannes Eggestein eines der wenigen großen deutschen Talente unter 21 Jahren im Team und dürfte es kaum verlieren wollen.

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