Der blockierte Wandel Auf der Sechs tut sich bei Werder noch nicht viel 

Noch ist Maximilian Eggestein Spieler von Werder Bremen. Dort wird er auch noch gebraucht. Denn auf der Position des defensiven Mittelfeldspielers entwickeln sich die Dinge nicht so wie gewünscht.
12.07.2021, 18:55
Lesedauer: 3 Min
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Von Carsten Sander

Möglicherweise wäre er gerne schon woanders. Aber noch ist Maximilian Eggestein Spieler von Werder Bremen. Und noch wird er bei dem Bundesliga-Absteiger auch definitiv gebraucht. Denn auf der Position des defensiven Mittelfeldspielers entwickeln sich die Dinge mal wieder nicht so wie gewünscht. Was nicht an Eggestein liegt, sondern an der zwar nur leichten, aber doch störenden Verletzung von Neuzugang Nicolai Rapp.

Muskuläre Probleme sind es, die bislang verhindert haben, dass sich der 24-Jährige als Sechser in Position bringen kann. Die Testspiele im Trainingslager verpasste er und auch bei der Partie gegen den FC Oberneuland (Dienstag, 18.30 Uhr) wird er nicht dabei sein. Weshalb ihm selbst die Fitness fehlt und Trainer Markus Anfang die Eindrücke, ob er schon ab Saisonstart mit Rapp in Richtung Zukunft gehen kann. Oder ob er doch auf einen Spieler zurückgreifen muss, der bald wohl Vergangenheit sein wird bei Werder Bremen: Maxi Eggestein.

Grundsätzlich macht die Rapp-Situation Anfang keine Sorgen - zum einen weil muskuläre Probleme eines Spielers einen Trainer nicht um den Schlaf bringen („Bisher hatten wir keine schweren Verletzungen und ich klopfe auf Holz, dass es so bleibt“), zum anderen weil „wir Spieler auf den Positionen gesehen haben, die sie auch ausfüllen können“, sagt er. Oder besser: die das schon vor Rapp gemacht haben und deshalb auch bis auf weiteres weiter machen können. Christian Groß ist der eine, Eggestein der andere.

Die Problematik liegt jedoch darin, dass sich in der Person Eggestein deutlich abbildet, womit Anfang insgesamt bei Werder zu kämpfen hat: Einerseits ist es schön, Spieler mit Qualität, die vielleicht über der des Zweitliga-Durchschnitts liegt, zur Verfügung zu haben. Und sei es für nur noch wenige Spiele zu Saisonbeginn. Andererseits kommt Anfang auf dem Weg des Neuaufbaus keinen Schritt voran, wenn Spieler spielen, die quasi auf Abruf stehen. Maximilian Eggestein ist einer davon, er will Werder verlassen, hat dafür sogar seinen Berater gewechselt. Allerdings noch ohne Ergebnis.

Doch das Ergebnis wird kommen, der Abgang ist wohl nur eine Frage der Zeit. Anfang tut aber so, als gäbe es dieses Szenario nicht – notgedrungen, denn im konkreten Fall fehlt ihm, siehe Rapps Verletzung, für den Saisonstart die Handlungsalternative. Eggestein links liegen zu lassen, käme sowieso nicht in Frage. Aus Prinzip, so Anfang: „Es wäre fatal, wenn ich die, die mittrainiert und alle Testspiele absolviert haben, die also wissen, was wir umsetzen wollen, nicht einsetzen würde, wenn der Spieltag da ist. Bloß weil sie uns vielleicht verlassen werden. Damit würde ich uns eine Kraft, eine Stärke nehmen.“ Seine Haltung dazu ist klar und eindeutig: „Das will ich nicht, und das mache ich nicht.“

Im konkreten Fall ist das Anfang-Thema vielmehr das, Eggestein lieber auf der offensiveren Mittelfeldposition statt auf der defensiven Sechs platzieren zu wollen. „Maxi kann beides spielen“, sagt der Coach, „aber wenn du viel Ballbesitz hast und Räume, die du bespielen kannst, dann macht es Sinn, einen Spieler wie ihn, auf die Halbposition zu stellen.“ Begründung: „Maxi geht gerne mit nach vorne, er ist ein Box-to-Box-Spieler. Als Sechser wäre er mehr für die Sicherung zuständig. Aber je nach Gegner, ist er auch dort sehr wertvoll.“ Gegen Zenit St. Petersburg (2:2) machte Eggestein einen guten Job auf der Position. „Da hat er die Räume gut ausgefüllt, war immer anspielbar“, so Anfang. Gegen Hannover ist aber zumindest zu erwarten, dass Werder die aktivere Mannschaft sein muss, die mit dem Plus an Ballbesitz.  

In der vergangenen Saison musste Eggestein bei Werder die Planstelle im defensiven Mittelfeld übernehmen, weil nach dem Abgang von Kevin Vogt bessere Optionen fehlten. Dass das nicht ideal war, lässt sich im Nachhinein behaupten, ohne Proteste zu ernten. Der Beinahe-Nationalspieler aus dem Frühjahr 2019 spielte eine schlechte Saison, sein Marktwert stürzte von einst geschätzten 30 Millionen Euro auf 7,5 Millionen ab – ein Rückgang von 75 Prozent. Und noch schlimmer: Werder stieg ab. Nicht allein wegen Eggestein, aber eben mit ihm.

Sich für die 2. Liga im defensiven Mittelfeld anders aufzustellen, ist einer der wesentlichsten Punkte des Projekts Neuaufbau. Die Verpflichtung von Nicolai Rapp war dafür der Startschuss, dem aber kein Sprint folgte. Sollte der Neue sich auch bei der Generalprobe bei Feyenoord Rotterdam nicht vorstellen können, wäre gegen Hannover 96 wohl noch alles wie gehabt. Mit Maximilian Eggestein auf einer Position, die er eigentlich gar nicht spielen soll. 

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