Kaderplanung bei Werder Auf Eichin wartet viel Arbeit

Der Werder-Manager muss aus über 40 Profis den Kader für die kommende Saison zusammenstellen. Gerade bei den Leihspielern stellt sich die Lage kompliziert dar.
17.05.2016, 00:00
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Auf Eichin wartet viel Arbeit
Von Marc Hagedorn

Auf Thomas Eichin wartet in der nächsten Zeit viel Arbeit. Der Werder-Manager muss aus über 40 Profis den Kader für die kommende Saison zusammenstellen.

Allein 30 Profis hat Trainer Viktor Skripnik in dieser Saison in Bundesliga-Spielen von Werder Bremen eingesetzt. Dazu kommen noch eine Hand voll weiterer Spieler, die einen Profivertrag besitzen, aber ohne Einsatz geblieben sind, wie die Ersatztorhüter Michael Zetterer, Gerhard Tremmel, Raphael Wolf und Eric Oelschlägel sowie Jungprofis, die lediglich in der U23 eine Rolle gespielt haben wie Marnon Busch oder Julian von Haacke.

Rechnet man die drei Zugänge Justin Eilers, Lennart Thy und Thanos Petsos sowie die vier ausgeliehenen Profis Luca Caldirola, Izet Hajrovic, Levent Aycicek und Felix Kroos dazu, dann muss Geschäftsführer Thomas Eichin aus einem Pool von über 40 Spielern den Kader für die neue Saison zusammenstellen.

Einige Entscheidungen sind dabei schon gefallen. Marcel Hilßner etwa wechselt in die zweite Liga zu Dynamo Dresden. Der Vertrag mit Mateo Pavlovic läuft aus, der Kroate hat keine Zukunft bei Werder. Und Stand heute müssen Tremmel (Swansea City), Papy Djilobodji (FC Chelsea) und Levin Öztunali (Bayer Leverkusen) zu ihren alten Klubs zurück. Sie besitzen dort noch gültige Verträge – wobei Eichin mindestens mit den Entscheidern beim FC Chelsea das Gespräch suchen wird, um die Möglichkeiten und Bedingungen einer Weiterbeschäftigung Djilobodjis, zur Not auch auf Leihbasis, abzuklopfen. Ebenfalls nicht unkompliziert stellt sich die Lage bei jedem der vier Leihspieler dar.

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Luca Caldirola: Mit seinem Wechsel zu Darmstadt 98 haben Werder und der Abwehrspieler alles richtig gemacht. Caldirola hat keine einzige Sekunde dieser Bundesliga-Saison verpasst, stand 34 Mal von Anpfiff bis Abpfiff auf dem Platz. Kein Wunder, dass die Darmstädter ihn gern halten wollen. Caldirola selbst hat oft betont, wie wohl er sich in Darmstadt fühlt, aber das muss nichts heißen. Fakt ist: Am 1. Juli beginnt sein letztes Vertragsjahr bei Werder.

2,5 Millionen Euro hat Eichin damals für Caldirola ausgegeben. Will Darmstadt tatsächlich eine Chance auf den 25-Jährigen haben, muss es deutlich tiefer in die Tasche greifen als im vergangenen Sommer, als nur 100 000 Euro an Leihgebühr fällig geworden sein sollen. Nicht ganz unerheblich aus Bremer Sicht ist außerdem, was aus der aktuellen Stammbesetzung in der eigenen Innenverteidigung, also mit Jannik Vestergaard und Djilobodji, wird. Als Vorgriff auf Veränderungen im Abwehrzentrum hat Werder im Winter schon den serbischen U20-Weltmeister Milos Veljkovic von Tottenham geholt, der auch im defensiven Mittelfeld spielen kann.

Izet Hajrovic: Seine Entwicklung hat exakt den gegenteiligen Verlauf zu Caldirola genommen. An den spanischen Erstligisten SD Eibar hatte Werder ihn im Sommer verliehen. Beim Tabellen-14. der Primera Division kam Hajrovic, der einen Vertrag bis 2018, in Bremen hat, nur zu sieben Einsätzen, davon ging keiner über die vollen 90 Minuten. Immerhin stand er am Saisonende zweimal in der Startelf.

Ob der 24-jährige Nationalspieler von Bosnien-Herzegowina in Bremen eine Zukunft hat, liegt auch daran, welche Pläne der Trainer mit ihm hat. Viktor Skripnik hat in seiner ersten Bundesliga-Saison ein gutes dreiviertel Jahr mit Hajrovic zusammengearbeitet und danach einem Leihgeschäft zugestimmt.

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Felix Kroos: Zwölf Spiele, zwei Tore, fünf Assists – das ist für einen Mittelfeldspieler in der zweiten Liga eine sehr gute Bilanz. In nur gut fünf Monaten hat Kroos diese Zahlen beim 1. FC Union Berlin aufgelegt. In Bremen läuft sein Vertrag noch ein Jahr, aber eine Zukunft bei Werder scheint äußerst fraglich. Zum einen ist Werder im defensiven Mittelfeld mit Florian Grillitsch, Clemens Fritz, Philipp Bargfrede, Petsos und Veljkovic nominell gut aufgestellt. Zum anderen hat Kroos schon ganz deutlich gesagt, dass er sich nicht vorstellen kann, noch ein weiteres Jahr unter Skripnik zu spielen. Kroos’ Problem: Skripnik ist immer noch der Trainer, mit dem Werder in die nächste Saison geht. Gut für Union und für Werder: Der Verkauf von Torjäger Bobby Wood an den HSV bringt den Berlinern 3,5 Millionen Euro ein. Geld, das womöglich in eine Verpflichtung von Kroos investiert werden könnte.

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Levent Aycicek: 14 Spiele, ein Tor, eine Vorlage – die persönliche Statistik von Aycicek fällt nicht ganz so beeindruckend aus wie beim Kollegen Kroos. Das Urteil ist aber ähnlich: Aycicek hat nachgewiesen, dass er mindestens ein solider Zweitligaspieler sein kann. 1860 München möchte ihn deshalb auch gern behalten, Eichin hat zumindest Gesprächsbereitschaft signalisiert. Eine Rückkehr Ayciceks würde ein personell ohnehin schon stark besetztes Mittelfeld weiter aufblähen. Als Vorgriff auf die neue Saison hatte Werder ja im Winter schon Laszlo Kleinheisler und Sembou Yatabaré geholt, und der auslaufende Vertrag von Özkan Yildirim soll auch noch verlängert werden.

Sonderfall Niclas Füllkrug

Er spielt schon fast drei Jahre nicht mehr für Werder. Aber als Thomas Eichin Niclas Füllkrug im Sommer 2014 nach einem Jahr in Fürth gleich weiter an den 1. FC Nürnberg abgab, baute der Werder-Geschäftsführer eine clevere Option in den Vertrag ein. Demnach kann Werder Füllkrug in diesem Sommer, wie Eichin gegenüber dem WESER-KURIER noch einmal klarstellte, unabhängig von der Nürnberger Ligazugehörigkeit für einen festen Preis zurückkaufen. Die Rede ist von 1,8 Millionen Euro. Zunächst jedoch müssen die Nürnberger am Donnerstag und Montag noch zwei Relegationsspiele gegen Eintracht Frankfurt bestreiten.

Zu bedenken ist auch, dass Werder Lennart Thy und Justin Eilers für die Offensive schon geholt hat. Anthony Ujah und der immer noch verletzte Aron Johannsson haben langfristige Verträge, auch Claudio Pizarro soll bleiben. Außerdem steht Eichins Versprechen an Nachwuchs-Ass Johannes Eggestein im Raum, ihm nicht unnötig viele erfahrene Profis vor die Nase setzen zu wollen.

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