Fanklub „Grün-Weiße Hutzler“

Auf eine Runde Golf mit Reck und Kutzop

Im Norden, im Süden, im Osten und Westen: Überall in Deutschland gibt es Werder-Fanklubs, die Mein-Werder-Redaktion stellt einige von ihnen vor. Diesmal: der Fanklub „Grün-Weiße Hutzler“.
02.01.2019, 14:26
Lesedauer: 3 Min
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Von Jannik Sorgatz
Auf eine Runde Golf mit Reck und Kutzop
„Grün-Weiße Hutzler“

Sven Langenhan und seine Mitstreiter haben sich den Erklärungsbedarf freiwillig aufgehalst. „Wir wollten keinen Standardnamen“, sagt der 37-Jährige. Den hat der Werder-Fanklub „Grün-Weiße Hutzler“ nun wirklich nicht, nur müssen die Mitglieder jetzt eben immer wieder erklären, was genau ein Hutzler ist. „Das kommt vom Begriff Hutzel. Hier gibt es den Hutzelgrund, das ist sozusagen der Vor-Spessart. Mein Bruder wohnt dort. Hutzel ist ein umgangssprachliches Wort für Dörrobst“, erklärt Langenhan und empfiehlt einen Besuch bei Wikipedia. Dort springt einem dann auch sofort ein Bild verdorrter Birnen in einem Korb entgegen.

Wenn die Namensfrage geklärt ist, stellt sich bei Werder-Fanklubs, deren Herz zwar leidenschaftlich für, aber nicht primär in Bremen schlägt, schnell die Frage: Warum Werder, wenn im Gründungsterritorium des Fanklubs doch andere Vereine in der Gunst vorne liegen? Langenhan, der Vorsitzende der „Grün-Weißen Hutzler“, ist im Grenzgebiet zwischen Hessen und Bayern aufgewachsen. „Da waren alle entweder Eintracht- oder Bayern-Fans. Das fanden wir blöd“, erklärt er. Langenhans Mutter stammt aus Bremen, der Vater ist zur See gefahren. Deshalb kann er den Moment, an dem er Werder-Fan wurde, auf den Tag genau benennen: Es ist sein Geburtstag. „Ich kann mich an nichts anderes erinnern. Meine ersten Erfahrungen sind so von 1987. An den Kutzop-Elfmeter kann ich mich dunkel erinnern“, erzählt Langenhan.

Den Tag, als Michael Kutzop am vorletzten Spieltag gegen den FC Bayern den Pfosten traf, haben viele Werder-Fans in eine der hintersten Ecken ihres Fußball-Gedächtnisses verfrachtet. Doch Langenhan weiß zu berichten, dass Kutzop selbst das Ereignis vor 31 Jahren gut verkraftet hat, wenngleich es ihn bis heute verfolgt: Die beiden spielen gemeinsam Golf. Langenhan wohnt inzwischen nämlich nicht mehr im Hutzelgrund, sondern in Offenbach. Was einer der Gründe ist, weshalb noch ein Golf-Partner eine ziemlich grün-weiße Vergangenheit hat: Oliver Reck, Werders langjähriger Torwart.

„Das Thema Inklusion liegt uns sehr am Herzen“

Überhaupt ist die Geschichte der „Grün-Weißen Hutzler“ eine, die weit über Langenhans Heimatregion im Vor-Spessart hinausgeht. 2010 wurde der Fanklub gegründet, inzwischen hat er 66 Mitglieder: Youngster und Senioren, Münchner und Ostfriesen (zumindest vom Wohnort her) sind darunter. Das verbindende Element ist Werder, und warum das so ist, erklärt Langenhan so: „Werders Fußball war immer geprägt von Spektakel. Abseits vom Fußball macht das Authentische und Familiäre den Verein aus, der Werder-Weg halt. In den letzten Jahren haben wir in unserer Whatsapp-Gruppe natürlich viel diskutiert, was man besser machen kann. Unterm Strich sind aber alle immer wieder stolz, dass wir es anders machen.“

An den „Werder-Weg“, was das soziale Engagement angeht, wollen auch die „Grün-Weißen Hutzler“ anknüpfen. Sie pflegen eine Fanklub-Freundschaft mit den „Werder Rollis“. „Das Thema Inklusion liegt uns sehr am Herzen“, sagt Langenhan. Einst organisierte der Fanklub einem jungen Werder-Fan, der im Rollstuhl sitzt, einen Besuch im Weserstadion. Frank Baumann überreichte ein signiertes Trikot.

Plausch mit Ailton

Früher hat es Langenhan zu fast jedem Spiel geschafft, angesichts der Entfernung zu Bremen sagt er auch heute noch: „Für uns sind die Auswärtsspiele Heimspiele.“ Und das heimischste Auswärtsspiel ist traditionell das gegen die Eintracht im Frankfurter Waldstadion, am zweiten Spieltag war es ein besonders nervenaufreibendes, als Jiri Pavlenka verletzt runter musste, Luca Plogmann sein Bundesligadebüt feierte und Milot Rashica in der Nachspielzeit einen Freistoß versenkte.

„Mit den Eintracht-Fans haben wir kein Problem, die Stimmung da ist immer gut“, sagt Langenhan. Trotzdem zieht es die „Grün-Weißen Hutzler“ natürlich am allerliebsten nach Bremen. Die Weihnachtsfeiern fanden lange in einem Haus am Sankt-Pauli-Deich statt, und wenn man in der Osteria speist, kann es gut sein, dass es zu einem Plausch mit Ailton kommt. „Es ist ein Stück weit Fußball-Romantik“, sagt Langenhan über das, was Werder für ihn ausmacht. Und dazu gehört eben auch, dass ein Fußballverein im hohen Norden für einen „Grün-Weißen Hutzler“ aus Hessen zur fußballerischen Heimat wird.

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