Großes Interview im WESER-KURIER

Bode: Werder ist keine „One-Man-Show“

Aufsichtsrats-Chef Marco Bode fordert die Kritiker aus der Werder-Familie in der Krise zur Sachlichkeit auf und kündigt eine kurzfristige Entscheidung über die Zukunft von Sportchef Frank Baumann an.
13.11.2020, 18:26
Lesedauer: 2 Min
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Bode: Werder ist keine „One-Man-Show“
Von Jean-Julien Beer
Bode: Werder ist keine „One-Man-Show“

Gerettet! Marco Bode gratuliert Werders Sportchef Frank Baumann nach der Relegation zum Klassenerhalt in der Bundesliga.

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Angesichts der Coronakrise darf sich der finanziell angeschlagene SV Werder Bremen keiner Lösung verschließen. „Es gibt keine Denkverbote“, sagte Aufsichtsrats-Chef Marco Bode im Interview mit dem WESER-KURIER (Samstags-Ausgabe). Der Verein sei „aus der Balance geraten“ und nun intensiv dabei, seine Strategie neu zu denken und anzupassen: „Die Krise ist anstrengend. Es war immer unsere Strategie, bei allen sportlichen Ambitionen wirtschaftlich vernünftig zu bleiben. Durch Corona, aber auch durch die sportliche Krise der vergangenen Saison, sind wir da aus der Balance geraten und müssen jetzt sehen, dass wir zusammenhalten und unsere Strategie für die nächsten Monate und Jahre dem anpassen.“

Die Beteiligung eines Investors schloss Bode dabei zumindest nicht aus: „Wir versuchen, für alle Überlegungen offen zu sein, die uns wirtschaftlich stärker und robuster machen und uns sportlich nach vorne bringen.“

„Jeder soll und darf mich anrufen“

Kritiker aus der Werder-Familie, die sich im Hintergrund formieren und möglicherweise auch mit Blick auf anstehende Aufsichtsratswahlen bei Werder Veränderungen anstreben, forderte er zum „Austausch sachlicher Argumente“ auf. „Die haben mich bisher noch nicht erreicht“, sagte Bode, „wir müssen immer bereit sein, uns mit konstruktiver Kritik auseinander zu setzen. Wenn jemand etwas an meiner Arbeit zu kritisieren hat, dann soll und darf er mich jederzeit anrufen. Und wenn sich jemand als Kandidat für den Aufsichtsrat positioniert, dann ist das auch völlig in Ordnung. Dann werden der Wahlausschuss und die Mitgliederversammlung darüber entscheiden. Es geht immer darum, dass Konzepte, Persönlichkeiten und eine Haltung im Wettbewerb stehen.“ Würden Menschen es „aber immer darauf reduzieren, dass Personen ausgetauscht werden müssen, dann ist mir das zu einfach gedacht“, sagte Bode.

Er selbst habe beim Wahlausschuss hinterlegt, dass er gerne mit seinen jetzigen Aufsichtsratskollegen weitermachen wolle, erklärte Bode, und sagte mit Blick auf seine dominante Rolle bei Werder: „Ich kann jedem versichern, auch jedem Kritiker, dass wir sehr intensiv im Aufsichtsrat diskutieren, auch kontrovers. Das ist keine One-Man-Show.“

„Baumann besetzt eine Schlüsselposition“

Überdies werde sich der jetzige Aufsichtsrat kurzfristig mit dem Vertrag von Sportchef Frank Baumann beschäftigen, der am Saisonende ausläuft. „Frank besetzt eine Schlüsselposition im Klub. Wenn ich aber auf die vergangenen vier gemeinsamen Jahre mit ihm schaue, dann war drei Jahre lang eine gute Entwicklung sichtbar. Er ist da übrigens auch sehr gelobt worden, ich erinnere nur an die Verpflichtungen von Max Kruse und Ludwig Augustinsson oder die Transfers von Thomas Delaney. Das waren für die Außenbetrachtung Feiertage. Wir sind insgesamt mit ihm sehr zufrieden.“

Es sei nun „sehr wichtig, diese Frage zu klären“, sagte Bode, „bis zur sehr kurzen Winterpause in diesem Jahr sollte eine Entscheidung gefallen sein.“

Im großen Interview mit dem WESER-KURIER (Ausgabe am Sonnabend) spricht Bode auch über Werders nicht mehr so attraktiven Fußball, die Folgen jetziger Kredite und die Chancen, die sich in der wirtschaftlichen Krise ergeben.

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