Nouris erste Niederlage als Cheftrainer Aufsteiger Leipzig nach 3:1 gegen Werder nun Zweiter

Das Spiel hat Werder verloren, den positiven Trend der vergangenen Wochen aber trotzdem bestätigt. Eine taktisch disziplinierte Leistung reichte im Spiel bei RB Leipzig trotzdem nicht für einen Punktgewinn.
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Aufsteiger Leipzig nach 3:1 gegen Werder nun Zweiter
Von Olaf Dorow

Das Spiel hat Werder verloren, den positiven Trend der vergangenen Wochen aber trotzdem bestätigt. Eine taktisch disziplinierte Leistung reichte im Spiel bei RB Leipzig trotzdem nicht für einen Punktgewinn.

Hätte dieses Spiel ein Drehbuch für einen Film sein sollen, dann hätte sich der Regisseur wohl nicht zu beklagen brauchen. RB Leipzig hatte Werder Bremen mit 3:1 geschlagen, und wer hatte das vorentscheidende 2:0 für RB vorbereitet und dann noch in der Schlussminute den Ball ins vereinsamte Bremer Tor geschossen?

Ja, es war Davie Selke, der Ex-Bremer, der es nicht so leicht hat in Leipzig. Dort schmort er oft auf der Bank, so war es auch am Sonntag, als er erst 20 Minuten vorm Abpfiff aufs Feld durfte. Um ein gefeierter Mann zu werden, reichte es trotzdem.

Um das Spiel und dieses Niederlage für Werder zu erklären, reicht es aber nicht, das Spiel als Selke-Story zu erzählen. Dieses 1:3 war aus Bremer Sicht eine Niederlage, die sie zwar gegen einen starken Gegner bekommen hatten. Gegen einen Gegner, den die Bundesliga-Tabelle neuerdings als ersten Verfolger von Bayern München ausweist. Aber es war ein Spiel, in dem die Bremer mithielten.

In Rückstand durch "ein Billardtor"

In dem sie gar nicht so schlecht waren. Sie verloren es einerseits verdient: Die Statistik trügt oft, aber es ist wohl mehr als nur ein Zufall, dass die Mannschaft siegte, die 467 Pässe gespielt hatte, die ankamen. Verlierer Werder hatte nur 267 angekommene Pässe geschafft. Vor allem aber hat sich Werder bei allem lobenswerten Engagement Sachen geleistet, die Werder sich nicht hätte leisten dürfen.

Da war dieses 0:1 kurz vor der Halbzeit. „Ein blödes Tor“ nannte es Clemens Fritz. Der eingewechselte Fin Bartels nannte es „ein Billardtor“. Und beide argumentierten, dass man da im Grunde nix machen kann, wenn nach einem Pressschlag der Ball so springt, wie er springt, und dem späteren Torschützen wieder vor die Füße fällt. Aber war es in dieser 42. Minute nur Naby Keitas Glück und Werders Pech? Werders Trainer Alexander Nouri sah es nicht so.

Er schränkte zwar ein, dass er sich die Zeitlupe noch einmal ansehen wollte, aber er sagte erst mal: „Mein Eindruck war, dass man das verhindern muss.“ Und er sagte auch: „Ein Spieler hat unsere Abwehr seziert.“ Genauso sah es jedenfalls aus, als Keita zum großen Solo ansetzte. Pressschlag hin, Pressschlag her. Keita ließ Grillitsch und Junuzovic, schließlich noch Gebre Selassie hinter sich, und am Ende umkurvte er auch noch Werders Keeper Felix Wiedwald.

Zu wenig Enlastung in der Offensive

Es sah ein bisschen aus, wie in einem Bud-Spencer-Film, es siegte einer gegen alle, und das war in diesem Spiel in vielerlei Hinsicht eine Art Wendepunkt. Bis dahin hatte Werder einerseits sehr diszipliniert gespielt.

Die Bremer hatten sich auf die aggressive Spielweise der Leipziger ganz gut eingestellt, sie setzten der Leipziger Balleroberungsmaschinerie gute Verteidigungslinien entgegen, Leipziger Überfälle über die Flügel blieben die Ausnahme. Sportchef Frank Baumann sagte: „Die Niederlage tut vielleicht deswegen ein bisschen mehr als üblich weh, weil wir über weite Strecken ganz gut verteidigt haben.“

Anderseits „kam zu wenig Entlastung“, sagte Florian Grillitsch. Im Spiel nach vorn fehlte die Entschlossenheit. Da sei seine Mannschaft nicht mutig genug gewesen, sagte Nouri hinterher. In der zweiten Halbzeit wurde Werder mutiger und kam auch zu Chancen. Nach einer Ecke landete der Ball, geköpft von einem Leipziger, an der Latte des RB-Tores.

Selke schoss ins leere Tor

Eine feine Kombination über Izet Hajrovic, Theo Gebre Selassie und Serge Gnabry wurde mit Mühe und Glück und im letzten Moment noch abgewehrt. Und: Werder verteidigte auch weiter diszipliniert und engagiert. Aber wieder gab es diese Ausnahme.

Es reichte ein einfacher Ballverlust, um Davie Selke in Position zu bringen. Der flankte mustergültig, und Keita köpfte das 2:0. „Ich hab mich gewundert. Bei uns hat er dasnoch nicht gekonnt“, sagte Fritz. Und auch Zlatko Junuzovic wunderte sich über den Ex-Kollegen: „Ich wusste gar nicht, dass er so viel Gefühl im linken Fuß hat.“

Hat er aber offenbar, und Übersicht hat er auch: Als Werder in der Nachspielzeit noch auf den Ausgleich drängte und Keeper Wiedwald mit nach vorn geeilt war, konnte Selke schließlich ins leere Wiedwald-Tor schießen, nachdem Leipzig den Ball, wieder mal, abgefangen hatte.

Leipzig war verdienter Sieger

Das war allerdings nur noch eine letzte Fußnote. Leipzig war der verdiente Sieger, aber nicht unbedingt diese zwei Tore besser. Nach dem 2:0 für RB hatte Werder durch Serge Gnabry in der 76. Minute umgehend das 1:2 geschafft und das Spiel damit sozusagen wieder scharf gestellt. „Wir haben bis zum Schluss versucht, den Ausgleich zu erzielen“, sagte Fritz und lobte die Bremer Moral.

Die Niederlage sei kein Rückschlag. „Unsere Mentalität war gut“, lobte auch sein Chef Frank Baumann, „wir geben uns nie auf, das macht schon Mut.“ Alexander Nouri wies darauf hin, dass man den Gegner „vor Fragen gestellt“ habe, und das sei etwas, was man als positive Erfahrung aus diesem Spiel mitnehmen könne. Gegen einen „super Gegner“ habe man über weite Strecken kompakt und diszipliniert gestanden.

Aber eben nicht über die gesamten 90 Minuten. Es gab eben auch so etwas wie jene 42. Minute. Sie sah ein bisschen aus wie ein Rückfall in jene düsteren Zeiten mit einer langen defensiven Mängelliste. Und sie zeigte: Es liegt noch viel Arbeit vor Nouris Team, das tabellarisch jetzt noch viel weiter weg von jenen Leipzigern ist, denen sie so couragiert entgegengetreten waren.

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