Werder verliert erstes Saisonspiel Auftakt mit Fehlerteufel

"Die letzte Entschlossenheit hat gefehlt", sagte Junuzovic nach dem Spiel. Werders Fußballer leisten sich beim 0:3 gegen Schalke zu viele Patzer. Ein Trost? Es war ein Spiel der reinen Fußballlehre.
16.08.2015, 00:00
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Auftakt mit Fehlerteufel
Von Olaf Dorow

Werders Fußballer spielen beim 0:3 gegen Schalke zu unentschlossen und sie leisten sich viel zu viele Patzer. Ein Trost? Es war ein Spiel der reinen Fußballlehre.

Wenn am Ende noch etwas Tröstliches übrig war für die Bremer, dann vielleicht dies: Die Erkenntnis, dass es stimmt, was die Altvorderen über den Fußball sagen. Sie sagen, dass in der Fußball-Bundesliga Fehler hart bestraft werden. Dass man sich da eigentlich keine Fehler leisten kann. Außerdem sagen die Altvorderen noch, dass es sich meistens bitter rächt, wenn man seine Chancen nicht nutzt. So gesehen, war es ein Spiel aus der reinen Fußballlehre, das die Bremer am Sonnabend erlebten. Erleben mussten. Werder unterlag dabei im Auftaktspiel der neuen Liga-Saison dem FC Schalke mit 0:3.

Dass Schalke über die höhere Qualität im Kader verfügt, stand schon vor dem Anpfiff fest. Das war auch gleich nach dem Anpfiff immer wieder zu sehen. Verloren hat Werder aber schließlich, weil Werder sich Fehler leistete. Und seine wenigen Möglichkeiten nicht nutzte. Die ersten Fehler blieben sogar noch folgenlos. Mal stoppte Clemens Fritz den Ball nicht richtig, mal legte ihn sich Fin Bartels zu weit vor, mal ließ sich Ulisses Garcia im Zweikampf austricksen. Schalkes Angriffswelle rollte auf die Bremer zu, das Publikum raunte.

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Die Schalker Führung fiel dann durch eine unglückliche Aktion des untröstlichen Werder-Verteidigers Theo Gebre Selassie. Joel Matips langer Ball in den Bremer Strafraum war eigentlich für Klaas-Jan Huntelaar vorgesehen. Gebre Selassie wollte das Gute und erreichte das Schlechte, er wollte klären und erwischte den Ball noch vor Huntelaar so, dass der Ball unhaltbar für Keeper Felix Wiedwald im Tor landete.

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Damit war aus Bremer Sicht der Matchplan dahin, und die Stimmung auch ein bisschen. Die Stimmung hatte daraus bestanden, dass die Fans ordentlich Alarm machten – und den Schalke-Stürmer Franco Di Santo ordentlich ausbuhten. Der Ex-Werderaner, der im Sommer Bremen blitzartig verlassen hatte, brauchte nur in die Nähe des Balls zu kommen, um ein gellendes Pfeifkonzert zu hören. Zum ersten Mal im Leben habe er so etwas erleben müssen, gestand er hinterher. Hatte er gar noch Schlimmeres erwartet, noch mehr Pfiffe? „Noch mehr?“, fragte er, „ich denke, das war genug.“ Ein Zuschauer hatte mit einem 50-Euro-Schein gewedelt, als er nach einer Stunde ausgewechselt wurde. Andere hatten ein Plakat gemalt. Darauf stand. „Di Santo: Ich liebe Geld“.

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Rein fußballerisch gesehen wurde es nicht das Spiel, in dem Di Santo im Blickpunkt stand. Die Bremer Taktik, Schalke mit seiner enormen und durch den Di-Santo-Transfer verstärkten Offensiv-Wucht erst mal kommen zu lassen – sie ließ sich nach Gebre Selassies Fauxpas nicht mehr aufrecht erhalten. Werder versuchte nun, das Kommando zu übernehmen. Öffnete das Spiel. Wurde mutiger. Hatte dabei zunächst das Glück, von Schalker Kontern nicht erwischt zu werden. Zum Beispiel, als Huntelaar frei vor Wiedwald aufgetaucht war und Wiedwald parierte.

Auch in dieser zweiten Hälfte wirkte Werder wie ein Außenseiter und Schalke wie ein Favorit. „Als Schalke dann kompakt stand, haben uns die Mittel gefehlt“, konstatierte Kapitän Clemens Fritz. Und die eine große Chance, die sich dem Bremer David gegen den Schalke-Goliath bot, verpasste der David. Zlatko Junuzovic hatte Fin Bartels klug angespielt, dessen Schuss jedoch kullerte am rechten Pfosten vorbei. „Diese letzte Entschlossenheit hat gefehlt“, sagte Junuzovic hinterher. Sportchef Thomas Eichin fehlte das auch, er nannte es „diese Brutalität und Effektivität nach vorne“.

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Ein weiterer Konter reichte den starken Gästen, um den besonders starken Eric Choupo-Moting, bedient von Matip, erneut frei zum Schuss kommen zu lassen. Diesmal fiel das 0:2 (68.). „Wir müssen diese Pässe aus dem Mittelfeld verhindern“, kommentierte Assani Lukimya. Er und Jannik Vestergaard konnten dann in der Abwehrzentrale nichts mehr verhindern, als Choupo-Moting zwischen ihnen lauerte und präzise bedient worden war.

Das 0:3 war fünf Minuten vor Schluss schließlich zwar kein weiteres Eigentor. Aber ein bisschen schon. Zumindest war es der nächste verhängnisvolle Fehler. Ulisses Garcia verlor im Mittelfeld einen Ball, den er nicht hätte verlieren dürfen in diesem Moment. Das eingewechselte Schalker Supertalent Leroy Sané zog auf und davon, bediente in der Mitte Huntelaar, fertig war die dicke Packung für die Bremer. Sie hatten sich so viel vorgenommen.

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