Kohfeldt muss Spieler umfunktionieren

Bastelarbeit in der Abwehr

Werders Abwehr wird gegen Augsburg erneut ein Hilfskonstrukt sein - wahrscheinlich wieder mit Maximilian Eggestein als Rechtsverteidiger und Theodor Gebre Selassie in der Innenverteidigung.
28.08.2019, 10:40
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Christoph Sonnenberg und Jean-Julien Beer
Bastelarbeit in der Abwehr
nordphoto

Die Situation hatte im doppelten Sinn etwas Tragisches. Christian Groß stand in der 17. Minute fertig umgezogen im Trikot mit der Nummer 36 am Spielfeldrand und war bereit, im Spiel gegen Hoffenheim für den verletzten Ömer Toprak eingewechselt zu werden. Aber dann entschied sich Florian Kohfeldt für die Nummer 6, Kevin Möhwald, der neben Groß ebenfalls startbereit an der Seitenlinie stand.

Für Möhwald war es sein 24. Bundesligaspiel, Groß hätte sein Debüt bestritten. Im Alter von 30 Jahren war Groß also ganz kurz davor, zum ersten Mal in seiner Karriere in der höchsten Liga zum Einsatz zu kommen, bevor der Moment in letzter Sekunde eine tragische Wendung nahm. „Natürlich ist es für einen Spieler nicht schön, wenn er das Trikot anzieht und dann nicht eingewechselt wird“, sagt Florian Kohfeldt, der nach dem Spiel mit Groß über den speziellen Moment gesprochen hat. „Aber Christian versteht das, er ist absoluter Vollprofi.“

Abwehr erneut ein Hilfskonstrukt

Auch für Kohfeldt hatte die Situation etwas Tragisches. Wenn er in Betracht ziehen muss, den Kapitän der U 23, der eigentlich defensiver Mittelfeldspieler ist und ohne jede Bundesligaerfahrung, als Innenverteidiger einzuwechseln, können die personellen Umstände keine guten sein. Die Verletzung von Toprak hat mit einem Schlag das personelle Dilemma offenbart, in dem Kohfeldt steckt. Gegen Augsburg, dem nächsten Gegner am kommenden Sonntag im Weserstadion, wird die Abwehr erneut ein Hilfskonstrukt sein. „Es ist sehr viel Basteln“, beschreibt Frank Baumann die Aufgabe des Trainers. „Aber wir werden das annehmen. Gegen Hoffenheim haben wir das ja schon gut gemacht.“

Da rückte Theodor Gebre Selassie für Toprak in die Innenverteidigung, Maximilian Eggestein übernahm dessen Job des rechten Außenverteidigers, Möhwald wiederum ersetzte Eggestein im rechten Mittelfeld. Es war eine muntere Bastelarbeit, die da in Hoffenheim vonstattenging. Es ist gut möglich, dass dasselbe Hilfskonstrukt gegen Augsburg erneut zum Einsatz kommt. Beziehungsweise kommen muss. „Es kann sein“, sagt Kohfeldt. „Kann auch sein, dass wir ganz anders spielen. Ich muss mir Augsburg angucken und schauen, was Sinn ergibt.“

Viele Optionen bleiben dem Trainer in der Abwehr nicht. Gebre Selassie kommt seine Kopfballstärke zugute, er dürfte mit Niklas Moisander die Innenverteidigung bilden. Eggestein hat seine Aufgabe gut erledigt, wie Kohfeldt sagt: „Es ist keine Idealsituation, dafür ist er im Mittelfeld zu wichtig. Aber Maxi macht es gut auf der Position.“ Da bisher kein Zugang für die rechte Verteidigerposition geholt wurde, wird es wohl auf Eggestein hinauslaufen.

Eggestein in der Rolle des Lückenbüßers

Obwohl mittlerweile Leistungsträger, Führungsspieler und Fast-Nationalspieler, hat Eggestein kein Problem, in die Rolle des Lückenbüßers zu schlüpfen. „Jetzt muss man seine persönlichen Interessen zurückstecken. Wir sind leider Gottes nicht mehr viele Leute. Es geht nicht darum, was die Lieblingsposition ist, sondern darum, wo man am meisten gebraucht wird“, sagt Eggestein selbstlos. „Es war okay, dass ich diese Position gegen Hoffenheim übernommen habe. Sollte es am Wochenende wieder so sein, dann ist das halt so.“

Beschäftigt hat sich Eggestein mit der neuen Rolle schon und auch, wie er sie denn ausfüllen würde: „Wir wollen gegen Augsburg nach vorne spielen. Deshalb werde ich, wenn ich diese Rolle denn wieder spielen sollte, sie etwas offensiver interpretieren, ohne viel zu offensiv zu denken.“ Das richtige Gefühl, die richtige Balance würde er ohnehin erst während des Spiels finden. Nachhilfe hat er sich schon von Gebre Selassie geholt: „Da ging es vor allem um die Abstände, die ich einhalten soll, wenn ich rechts neben ihm spiele.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+