Zwischenbilanz der Leihgabe in Nürnberg

Bauer sucht Glück

Robert Bauer hat Werder im Sommer in der Hoffnung verlassen, beim kommenden Gegner einen Neuanfang zu starten. In Nürnberg ereilte den Rechtsverteidiger aber das gleiche Schicksal wie in Bremen.
31.01.2019, 21:11
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Stefan Rommel

Die Herausforderung war groß, aber Robert Bauer blieb im Grunde gar keine andere Wahl. Im vergangenen Sommer hat sich der Spieler „verändert“, man könnte auch sagen, er habe die Flucht nach vorne ergriffen. Bauer willigte einem Leihgeschäft ein und versucht seitdem sein Glück beim 1. FC Nürnberg. Bisher allerdings mit eher überschaubarem Erfolg. Der Wechsel zum Aufsteiger sollte auch ein Neuanfang für Bauer werden nach einer enttäuschend verlaufenen vergangenen Saison bei Werder, an deren Ende er fast nur noch auf der Bank saß.

In Nürnberg spielt Enrico Valentini auf Bauers Position rechts in der Viererkette. Valentini ist so etwas wie der Ur-Clubberer, ein Kind der Stadt, die Eltern betreiben ein italienisches Restaurant im Stadtteil Zabo im Osten der Stadt. Zum Max-Morlock-Stadion sind es keine 500 Meter. Von den vielen Aufstiegsgeschichten war jene von Valentini eine der spektakulärsten. Valentini war unumstrittener Stammspieler und Michael Köllner zeigte wie fast jeder anderer Trainer eine gewisse Loyalität gegenüber Spielern, die Großes erreicht haben. Also war der Rückstand für den Herausforderer von Anfang an deutlich und die Aufgabe beachtlich. Und doch gab es auch für Bauer Phasen in dieser Saison, die er für sich hätte nutzen können.

Offensiv kaum zu sehen

Ende Oktober riss Valentinis Oberschenkelsehne, das Jahr war für den etatmäßigen Rechtsverteidiger gelaufen. Bauer rückte nach und bekam die gewünschten Bewährungschancen auf „seiner“ Position, nachdem er zuvor schon als Innenverteidiger und als linker Außenverteidiger ausgeholfen hatte. Das Selbstverständnis, mit dem Bauer im Sommer noch nach Nürnberg gekommen war als gestandener Bundesligaspieler inmitten einer Truppe aus eher unbekannten Spielern mit wenig Erfahrung, hatte bis dahin schon etwas gelitten.

Bauer spielte seinen Part dann defensiv solide, ließ aber in der Offensivbewegung fast alles vermissen, was seinen Kontrahenten ausmacht. Der Unterschied zum offensivfreudigen und auch riskant aufrückenden Valentini war kaum zu übersehen. Der war trotz weniger reiner Spielzeit in dieser Saison deutlich besser eingebunden ins Nürnberger Offensivspiel, hatte mehr eigene Torschüsse und fast viermal so viele Torschussvorlagen verbucht und dazu zwei Assists. Valentini flankt mehr und schießt beim Club oft die Standards, was die besseren Zahlen erklärt – aber eben auch den Wert des Spielers für die Mannschaft.

Schlechtes Timing

Bauer fiel dagegen nicht nur in der öffentlichen Wahrnehmung unterm Strich deutlich ab. Dabei spielte die Bremer Leihgabe in der Defensive sogar verlässlicher und leistete sich keine ersichtlichen groben Fehler. Abgesehen vom Spiel auf Schalke, als der Club einem knappen Rückstand hinterherlief, ehe Bauer mit Gelb-Rot vom Platz flog. Die Partie endete mit 2:5 aus Nürnberger Sicht in einem erneuten Debakel nach dem 0:7 in Dortmund und dem 0:6 in Leipzig. Valentinis schon fragwürdige Bilanz von knapp 0,9 Punkten pro Spiel als Startspieler unterbietet Bauer mit im Schnitt 0,2 Zählern noch mal frappierend.

Vielleicht hatte der einfach auch nur Pech. Bauer rutschte schließlich zu einem Zeitpunkt ins Team, als die anfängliche Euphorie beim Aufsteiger abgeebbt war und sich die verheerenden Niederlagen langsam in den Köpfen der Spieler festgesetzt hatten. Nürnberg hat ja nicht zufällig seit Ende September kein Bundesligaspiel mehr gewonnen. Und sicherlich spielt auch der Umstand eine Rolle, dass den Außenverteidigern nicht mehr jene große Bedeutung zukommt wie noch in der zweiten Liga. Da waren Tim Leibold und Valentini gerade in der Offensive noch echte Unterschiedspieler. Diese Rolle hat sich mittlerweile verändert.

Robert Bauer hat sich in Nürnberg bisher weder durchgesetzt, noch Argumente für eine Weiterbeschäftigung gesammelt. Und im Kampf um die erste Liga und damit einen möglichen Verbleib in Nürnberg wird Bauer vorerst nicht mithelfen können. Im Trainingslager zog sich der Spieler im Test gegen PEC Zwolle einen Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel zu. Erst in dieser Woche ist er wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Gegen Werder (Sonnabend, 15.30 Uhr) und auch in den Wochen danach wird Valentini beim Club auf der rechten Seite verteidigen. Bauer wird wohl allenfalls auf der Bank sitzen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+