Werder Bremen Befund zum Erschrecken

Augsburg/Bremen. Werder hinterlässt beim 1:3 von Augsburg einen bedenklichen Eindruck.
03.02.2014, 00:00
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Befund zum Erschrecken
Von Olaf Dorow

Als ob es durch die Verletzung von Aaron Hunt und die Sperre für Santiago Garcia nicht schon genug Probleme geben würde: Werder hinterließ beim 1:3 von Augsburg einen bedenklichen Eindruck. Er fand nicht nur in den Daten der Spielstatistik seine Bestätigung. Die Lage sei ernst, musste Trainer Dutt zugeben. Vielleicht war sie noch nie ernster in dieser Saison.

Am häufigsten den Ball hatte Torwart Raphael Wolf. 48-mal. Die Feldspieler kamen auf schlechtere Werte. Als Mannschaft brachte es Werder in einigen Erhebungen auf gerade mal 28 Prozent Ballbesitz. Die Bremer waren aber gar nicht gegen Guardiolas Ballbesitzautomat namens FC Bayern angetreten. Der Gegner hieß FC Augsburg, und der FC Augsburg konnte es sich leisten, seinen Gästen ab der 55. Minute eine Art Friedensangebot zu unterbreiten. Es stand 3:1, das Spiel war entschieden, Werder einer weniger. Augsburg übernahm komplett die Ballhoheit und verpflichtete sich quasi im Gegenzug, Bremen nicht noch mehr weh zu tun.

Es sei nur noch um Schadensbegrenzung gegangen, sagte Sebastian Prödl, „so blöd das auch klingt“. Wenn der Abwehrchef gesagt hätte, dass man die weiße Fahne gehisst hätte, dann hätte man ihm das auch abgenommen. So wirkte nämlich Werders Auftritt, der eine hilflose Elf und einen beinahe sprachlosen Trainer hinterließ. Ob die Lage ernst sei, fragte man Robin Dutt. Der antwortete, dass ihm keine andere Beschreibung der Lage einfallen würde.

Weniger der Blick auf die Tabelle als der aufs Spielfeld ist dazu geeignet, den Ernst der Lage zu begreifen. Ja, noch immer hält sich ein Puffer zu den Abstiegsplätzen. Und auch ja, mit solcher Spielweise wird der Puffer bald verschwunden sein. Als ob jemand schon vorm Anpfiff die weiße Fahne in die Bremer Kabine geschleust hätte, so trat Dutts Team an. Frei nach dem Motto: Ihr spielt ohne Spielmacher Hunt? Da könnt Ihr gleich einpacken!

Dutt hatte seine Elf auf die Null eingeschworen. Anstatt jedoch mit aller Entschlossenheit wenigstens die eigene Hälfte des Spielfelds sauberzuhalten, wenn schon in der des Gegners kaum etwas gelingen mochte, verhielten sich Dutts Männer auch hier eigenartig passiv. Dass sie durch Augsburgs Eigentor unverhofft eine 1:0-Führung geschenkt bekamen, änderte daran: gar nichts. Es ist dieser fußballerische Befund, der Werder zu einem Patienten der Bundesliga macht. „Nach vorne hin war es ein Schritt nach hinten“, stellte Cedrick Makiadi fest. Nach hinten war es auch kein Schritt nach vorne.

Eine erschreckende Schwäche in der Zweikampfführung paarte sich in Augsburg mit ungenügender Ballsicherheit, gedanklichem Schneckentempo und einer allgemeinen Harmlosigkeit im Spielaufbau. Der einzige, der neben Geburtstagskind Luca Caldirola zumindest partiell Zugriff bekam in den Zweikämpfen, war Santiago Garcia. Der aber übertrieb es wiederum so, dass ihm fehlende Cleverness anzulasten war – und er mit Gelb-Rot vom Platz flog.

Dutt hatte im Sommer den Teamgeist zur ersten grün-weißen Bürgerpflicht erklärt. Von Splittergruppen oder beleidigten Leberwürsten ist in der Tat nicht viel zu sehen seitdem. Dass jedoch eine Mannschaft auf dem Platz steht, in der der eine bedingungslos dem anderen hilft, kann man ihr auch nicht bescheinigen. Nach diesem Albtraum von Augsburg schon mal gar nicht.

Irgendwie hatte jeder mit sich selbst und seiner eigenen Ballkontrolle genug zu tun. Eine Mannschaft, die fußballerische Defizite auf andere Weise versucht zu kompensieren, war Werder nicht in Augsburg. Werder war, je länger das Spiel lief, immer mehr eine Mannschaft, die einem Leid tun konnte. Dass der Torwart (der sich zu allem Überfluss auch nicht eben mit Ruhm bekleckerte) noch die meisten Ballkontakte hatte, wirkte geradezu absurd. Werder war nicht gegen den FC Barcelona in Hochform und vor 100000 Fans im Camp Nou angetreten. Sondern beim FC Augsburg, der zwar einen Lauf, aber auch einige Ausfälle hatte, dem ein blödes Eigentor unterlief und auch so mancher Pass missriet.

Robin Dutt hatte im Dezember die Winterpause als eine Art Anker gepriesen. Man werde im Trainingslager an (kaputten) Bauteilen herumbasteln und könne nachjustieren. Nach zwei Rückrundenspielen, die mit einem moderaten Spielplan einhergingen, steht die Ausbeute von einem Punkt und keinem selbst geschossenen Tor. Als ob die Sorgen um Hunts Knie und Garcias Grobheit nicht schon genügen würden. Das spielerische Niveau ähnelt jenem vom Saisonbeginn, mit dem Unterschied, dass damals wenigstens das Maximum von sechs Punkten herausgekommen war. Die gesamte Hinrunde über zehrte Werder davon. Gefühlt steht Werder mehr denn je am Beginn des Kampfes gegen den Abstieg.

Er sei guter Dinge, gab Prödl in Augsburg zu Protokoll. Weil Aaron Hunt und Ludovic Obraniak bald dazustoßen und das Team stärken könnten. Fakt sei auch, dass Werder es noch immer selbst in der Hand habe, dass es den Puffer zur Abstiegszone ja ganz real noch gebe. Prödl diktierte weiter: „Das ist ein hohes Gut, das wir nicht so wie heute verschwenden sollten.“ Dem war nichts mehr hinzuzufügen.

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