Die Bundesliga-Kolumne von Peter Gagelmann

Beim Respekt sind alle gefordert!

Es ist ein großes Wort und wertvoll, dennoch passt der Umgang damit im Fußball noch nicht: Respekt. Unser Kolumnist Peter Gagelmann macht sich darüber Gedanken - und hofft auf Besserung.
25.01.2020, 14:28
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Peter Gagelmann
Beim Respekt sind alle gefordert!
Grafik WESER-KURIER

Die FIFA, die UEFA und auch der DFB propagieren seit Jahren das Wort „RESPEKT“ mit einem riesigen Marketing-Aufwand. In Videobotschaften, mit Aufnähern auf Trikots und riesigen Werbeplakaten wird für diesen Respekt geworben. Nur fragt man sich: Wo ist der Ertrag? Die Botschaft ist doch klar und für jeden begreifbar.

Außerhalb des Spielfeldes sind Mannschaften wie Funktionäre eifrig dabei, mit Worten die Ziele zu untermauern und zu stützen. Doch kaum hat das Spiel begonnen, gerät dieser heroische Entschluss in Vergessenheit. Spätestens nach Spielende werden alle respektlosen Ereignisse auf dem Spielfeld durch ein Kommentieren verteidigt oder gar gefestigt. Es erinnert mich häufig an Kinder, die lieber vom eigenen Fehlverhalten ablenken, indem sie mit dem Finger auf andere zeigen. Das ist genau das, was ich als Fußballfan nicht sehen will. Mich interessieren tolle Spielszenen, klasse Tore, raffinierte Tricks und die dazugehörige Begeisterung und Emotion. Die ständigen Schuldzuweisungen, das Lamentieren, wildes Gestikulieren und möglichst für jede Situation den VAR zu fordern, das sind alles Dinge, die das Wesentliche im Fußball in Vergessenheit geraten lassen. Nämlich den fairen Wettbewerb zweier Teams und ein intensives Messen miteinander.

Fehler werden anders diskutiert

Dass ein drittes Team am Spiel beteiligt ist, sollte eigentlich nebensächlich sein. Das Team der Spielleiter greift nur dann ein, wenn die Spielregeln durch die Akteure nicht eingehalten werden. Ich sage bewusst Spielleiter, weil er/sie das Spiel leitet und begleitet. Das gelingt häufig sehr gut, aber wie bei allen anderen auf dem Platz eben auch nicht immer, wie auch nicht jeder Schuss in Richtung Tor ein Treffer ist. Dieser „Fehler“ des Spielers wird im Nachgang interessanterweise anders diskutiert als eine Zweikampfbewertung des Unparteiischen.

Kritik und Selbstkritik zu üben, das ist immer wichtig und richtig. Die Frage ist nur, wie und in welchem Rahmen dies geschieht. Womit wir wieder beim hochgeschätzten Wort wären, dem Respekt! Nach dem fünften Spieltag habe ich in dieser Kolumne über die Spielabbrüche im Amateur- und Jugendfußball geschrieben. Und genau darum geht es doch: Der Profisport hat eine Verantwortung, dieser muss er gerecht werden. Ob es die Spieler, die Trainer oder die Schiedsrichter sind: Es wird nachgeahmt und kopiert. Genau deshalb liegt es nicht nur in der Verantwortung der Schiedsrichter. Nur alle gemeinsam können dem Respekt auch wieder Geltung verschaffen, weil es nicht nur darum geht, sich so teuer wie möglich zu verkaufen – sondern auch Werte zu vermitteln.

Millionen Nachahmer im Fußball

Aber vielleicht ist das tatsächlich eine Illusion. Denn die Wirtschaft, die Politik und somit auch das gesellschaftliche Leben zeigen uns jeden Tag, dass unfaires Verhalten anscheinend gesellschaftsfähig ist. Ich hoffe, dass wir mit dem Wort Respekt zukünftig wieder entsprechenden Inhalt, eine wahre Bedeutung und echte Wertschätzung verbinden können, besonders auch im Fußball, weil er Millionen Fans und Nachahmer erreicht. Hoffentlich erleben wir das schon an diesem Spieltag!

Peter Gagelmann (51),

ist gebürtiger Bremer und langjähriger Bundesliga-Schiedsrichter. Im wöchentlichen Wechsel mit Jörg Wontorra, Christian Stoll, Daniel Boschmann und Lou Richter schreibt Gagelmann hier, was ihm im Bundes­liga-Geschehen aufgefallen ist.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+