Die MEIN-WERDER-Spielerbilanz Belfodil, der Undurchschaubare

Die MEIN-WERDER-Redaktion checkt die Leistungen der Werder-Profis in der abgelaufenen Saison. In alphabetischer Reihenfolge werden die Zeugnisse verteilt – diesmal ist Ishak Belfodil an der Reihe.
24.05.2018, 14:44
Lesedauer: 4 Min
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Von Marc Hagedorn und Stefan Rommel

Gekippt ist die Stimmung Ende April. Für Werder stand das Heimspiel gegen Borussia Dortmund an, und Cheftrainer Florian Kohfeldt hatte sich überlegt, Ishak Belfodil nicht von Anfang an bringen zu wollen. Das ist erstens das gute Recht eines Trainers, das kam zweitens nicht überraschend nach einem enttäuschenden Belfodil-Auftritt in Stuttgart in der Woche zuvor, und das war drittens auch gar nichts Besonderes, denn Belfodil war in dieser Saison schon häufiger die Rolle des Jokers zugeteilt worden. Aber nach dem Dortmund-Spiel war im Binnenverhältnis Belfodil-Werder trotzdem alles anders.

Vielleicht lag es daran, dass Kohfeldt den Stürmer beim 1:1 in der Schlussphase gar nicht mehr eingewechselt hatte. Vielleicht sahen Spieler und Berater diese Entscheidung als Fingerzeig für die Zukunft des nur ausgeliehenen Angreifers. Fakt ist, dass Belfodil sich im Training fortan hängen ließ, und dass sein Berater eine öffentliche Kontroverse mit Werders Sportchef Frank Baumann anzettelte. Über die Details ist anschließend ausführlich berichtet worden, genauso bekannt sind die Folgen: Belfodil kam nach dem Dortmund-Spiel weder in den letzten zwei Bundesliga-Begegnungen noch in den beiden Freundschaftsspielen nach Saisonschluss zum Einsatz.

Dafür sorgte der Stürmer mit der Bekanntgabe seines neuen Klubs für Aufsehen: Die TSG Hoffenheim, frisch für die Champions League qualifiziert, nahm Belfodil bis 2022 unter Vertrag. Zurück bleibt in Bremen eine gewisse Ratlosigkeit: Belfodil hatte immer wieder seine Fähigkeiten aufblitzen lassen, ergänzte den Kader um Attribute, die anderen Stürmern fehlten: eine gewisse Wucht, eine große Körperlichkeit. Die Zweifel an seiner tatsächlichen Qualität hatte er aber auch nie restlos ausräumen können.

Belfodils Saison in Zahlen

46

Kein anderer Bremer Spieler war so abschlussfreudig wie der Algerier. Insgesamt 46-mal versuchte es Belfodil mit einem Torschuss, dieser Wert wurde nur übertroffen von Max Kruse und Thomas Delaney (beide 54 Torschüsse), allerdings standen Kruse und Delaney auch deutlich länger auf dem Platz als Belfodil. Bemerkenswert: Lediglich vier seiner Torschüsse gab Belfodil von außerhalb des Strafraums ab, die anderen 42 also aus vergleichsweise kurzer Distanz, zumal das Gros dieser Versuche aus zentraler Position vor dem gegnerischen Tor erfolgte, der Abschlusswinkel also günstig war. Das war Stärke und Schwäche zugleich von Belfodil: Zum einen hätten mehr als nur vier Tore dabei herausspringen müssen und zum anderen hat er gezeigt, dass er ein echter Strafraumstürmer sein kann.

64

Dass das alte Klischee vom raubeinigen Innenverteidiger oder Sechser nicht mehr ganz stimmt, sondern dass auch Angreifer bei ihren Aufgaben im Pressing oder im Kampf um zweite Bälle ordentlich hinlangen müssen, zeigte Belfodil eine Spur zu oft. Neben einigen sehr guten Eigenschaften war das auch ein sehr prägnantes Merkmal seines Spiels: Der Spieler beging bei lediglich 1347 Bundesliga-Spielminuten verteilt auf 26 Einsätze satte 64 Fouls. Nicht selten war die erste Aktion nach seiner Einwechslung ein Foulspiel, am Ende der Saison war er zehnmal der Bremer Spieler, der in einer Partie am meisten Foul spielte. Im Schnitt gingen fast 4,3 Foulspiele pro 90 Minuten auf sein Konto. Belfodil war damit der Spieler der Bundesliga, der gemessen an seiner Einsatzzeit am meisten Fouls beging. An die absolute Zahl von 64 Fouls reichten aber auch beinahe seine Angreifer-Kollegen Niklas Füllkrug (61) und Caiuby (60) heran. Beide standen aber auch deutlich länger auf dem Platz als Belfodil, Caiuby sogar doppelt so viele Minuten…

1

Bei einer Körpergröße von 1,91 Metern war Belfodil zusammen mit Innenverteidiger Sebastian Langkamp der größte Feldspieler im Bremer Kader. Nimmt man die wuchtige Statur dazu, dann hätte man auf den einen oder anderen Kopfballtreffer hoffen können. Letztlich sind Belfodil aber nur zwei Tore per Kopf gelungen, bei der Niederlage in Hannover und beim Remis gegen Mainz. Belfodil ist zwar kantig und fast zwei Meter groß, aber deshalb noch lange kein besonders herausragender Kopfballspieler. Weil er sich ganz vorne eher in der Halbspur wohlfühlt oder sogar auf dem Flügel, kamen seine Stärken eher mit dem Ball am Fuß und am Boden zur Geltung.

9

Belfodils Zeit in Bremen endet nach nur einer Saison Ende Juni auch schon wieder. Mit dem Wechsel zur TSG Hoffenheim bleibt sich der 26-Jährige in gewisser Weise treu: Für Belfodil wird Hoffenheim schon der neunte Klub seiner noch relativ kurzen Profikarriere sein. Nach Stationen in Lyon, Bologna, Parma, bei Inter, Livorno, bei Baniyas in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Lüttich und Bremen folgt nun also ein erneuter Wechsel zu einem neuen Klub.

Ishak Belfodil über…

…seine Jugend in der Pariser Banlieue: „Leute wie ich müssen sich doppelt anstrengen.“

…seinen künftigen Klub 1899 Hoffenheim: „Ich bin sehr glücklich, mich bei diesem aufstrebenden Verein entfalten zu dürfen.“

Frank Baumann...

…am Tag von Werders Belfodil-Verpflichtung: „Er hat schon viel gesehen, jetzt sieht er eine schöne Stadt.“

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