Berater Goldbaek über Werders Zugang

"Mit Jung hat Werder einen guten Griff getan"

Er hat für Lautern, Schalke und Köln gespielt und gilt als Kenner des dänischen Fußballs: Bjarne Goldbaek. Der Ex-Profi und Spielerberater erklärt im Interview, was Werder-Zugang Anthony Jung auszeichnet.
11.06.2021, 17:42
Lesedauer: 2 Min
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Von Hans-Günter Klemm
"Mit Jung hat Werder einen guten Griff getan"

Anthony Jung wechselt von Bröndby IF zu Werder.

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Herr Goldbaek, was ist Anthony Jung für ein Spielertyp?

Bjarne Goldbaek: Er ist ein absoluter Führungsspieler, auf den sich Werder Bremen freuen darf. Er ist wahrlich kein Lautsprecher, doch er überzeugt mit seinem Auftreten auf dem Platz und übt so Einfluss auf seine Mitspieler aus. Er kann eine Mannschaft anleiten und lenken.

Was zeichnet ihn besonders aus?

Seine Ruhe und Abgeklärtheit. Jung gerät nie in Panik, auch wenn er mal unter Druck gerät. Er ist enorm ballsicher und verfügt über ein gutes Aufbauspiel. Werder könnte von diesen Fähigkeiten gerade in der 2. Liga profitieren, weil davon auszugehen ist, dass die Mannschaft dort mehr Spielanteile haben wird als in der vergangenen Saison. Wenn Bremen, wie angekündigt, mit dem neuen Trainer Markus Anfang vermehrt Ballbesitzfußball spielen möchte, ist Jung in der Abwehrzentrale ein geeigneter Neuzugang.

Mit Bröndby IF wurde Jung zum Abschied Meister. Wie sind seine Leistungen in Dänemark einzuschätzen?

Dort hat er sich als Leitfigur und Leistungsträger bewährt. Mit dem aufstrebenden Coach Niels Frederiksen, dem Nachfolger des Deutschen Alexander Zorniger, ist Bröndby vor den großen Favoriten FC Kopenhagen und FC Midtjylland, die beide wesentlich mehr Potenzial besaßen, überraschend Meister geworden. Jung war dabei ohne Frage einer der Eckpfeiler dieser Meistermannschaft.

Was war das Geheimnis des Erfolgs von Trainer Frederiksen und Abwehrchef Jung?

Zorniger hatte Jung als linken Außenverteidiger geholt. Sein Nachfolger hat den Legionär, der sich in dieser Rolle wohlgefühlt und gute Leistungen gebracht hat, überraschenderweise umgeschult. Jung hat zuletzt als linker Innenverteidiger agiert. Auch auf dieser neuen Position hat er überragend gespielt, hat die neue Rolle gut angenommen. Der Vorteil dabei: Als Außenbahnspieler musste Jung oft in Laufduelle und Eins-gegen-eins-Situationen, was mitunter für ihn eine Herausforderung war. In der Abwehrzentrale ist er meiner Ansicht nach besser aufgehoben.

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Sollte er bei Werder auch diese Position bekleiden?

Werder wird im Defensivzentrum neue Leute brauchen. Niklas Moisander hat bereits den Club verlassen, eventuell werden Ömer Toprak und auch Marco Friedl nach der Europameisterschaft, möglicherweise auch Milos Veljkovic folgen. Jung bietet sich definitiv an, um die Lücke in der Innenverteidigung zu schließen.

Stimmt es, dass Jung in Kopenhagen ein Publikumsliebling gewesen ist?

Richtig, die Fans haben ihn gemocht, nicht zuletzt wegen seines vorbildlichen Auftretens. Bei Instagram hat er sich in den letzten Tagen vom Bröndby-Publikum super verabschiedet, die Anhänger geradezu um Entschuldigung gebeten, dass er Dänemark verlässt und nach Deutschland zurückkehrt.

Wollte Bröndby ihn nicht halten?

Der Verein hat alles versucht, ihn weiter zu verpflichten. Doch Bröndby hatte keine Chance. Jung wollte zurück nach Deutschland, wollte nun diesen Schritt machen – auch aus familiären Gründen. Gut für Werder zudem, dass sein Vertrag ausgelaufen und er somit ablösefrei ist. Auch das sprach klar für einen Transfer und macht aus Werder-Sicht erst recht Sinn bei dieser Personalie. 

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