Werder Bremen Bestätigung für Mielitz

Bremen. So viele Schulterklopfer hatte Sebastian Mielitz selten in seiner jungen Karriere als Torhüter des SV Werder Bremen. Zu viele Gegentore ließen Zweifel auch an seiner Erstligatauglichkeit aufkommen.
31.03.2013, 09:46
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Bestätigung für Mielitz
Von Marc Hagedorn

Bremen. Kurz vor der Abfahrt ins Mainzer Stadion liefen sich Sebastian Mielitz und Oliver Reck im Foyer des Mannschaftshotels über den Weg. Es kam zu einem kurzen Plausch zwischen dem aktuellen Werder-Torwart und dem Werder-Torwart aus längst vergangener Zeit. "Er hat mir Glück gewünscht", erzählte Mielitz knapp vier Stunden später vom Bremer Torwarttreffen der Generationen, kurz nachdem er seinem Team mit drei Großtaten das 1:1 im Spiel beim FSV Mainz 05 gerettet hatte.

Mit jedem Satz, den Mielitz nach dem Schlusspfiff in den Katakomben der neuen Mainzer Arena sprach, wurden die Zufriedenheit und das Selbstbewusstsein des Schlussmannes greifbarer. Kein Zweifel: Das Treffen mit dem von einem Herzinfarkt wiedergenesenen Reck und dessen Zuspruch hatten Mielitz gefreut. Die Glanzparaden im Spiel waren indes noch viel wichtiger gewesen. "Endlich konnte ich mal zeigen, was ich kann", sagte Mielitz irgendwann. Und: "Heute konnte mal jeder selbst sehen, dass ich die Nummer eins zu Recht auf dem Rücken trage."

Das waren starke Worte für einen 23-Jährigen in seiner ersten Bundesliga-Saison als Stammtorwart. Und das waren ungewohnt deutliche Worte für einen Torwart, der im persönlichen Gespräch und abseits des Platzes immer sehr zurückhaltend und äußerst höflich daherkommt. Man ist extremere Torwarttypen in Deutschland gewohnt, vor allem wenn man über Extraklasse spricht.

Oliver Kahn und Jens Lehmann ließen sich von nichts und niemandem an den Karren fahren. Tim Wiese, Mielitz‘ Vorgänger in Bremen, stellte selbst nach den größten Fehlgriffen ein unerschütterliches Selbstvertrauen zur Schau. Die übrigen Torhüter der neuen Generation, allen voran der Gladbacher Marc-Andre ter Stegen, Leverkusens Bernd Leno oder der Frankfurter Kevin Trapp werden Woche für Woche für spektakuläre Rettungstaten gepriesen und von Woche zu Woche größer. Dass jemand wie Manuel Neuer nach einem Länderspiel, wie am Dienstag geschehen, einen Patzer freimütig eingesteht, ist die Ausnahme. Der junge Düsseldorfer Fabian Giefer, wie Mielitz ein großes Talent und genau wie Mielitz mitten in seiner ersten Bundesliga-Saison als Stammtorwart, etwa weigerte sich vor ein paar Wochen bis zuletzt standhaft, eine unglückliche Aktion, die zu einem Gegentor führte (übrigens gegen Mainz), als Fehler zu deklarieren.

Torhüter müssen offenbar so gestrickt sein: Sie sind Einzelkämpfer in einer Mannschaft. Ihre Fehler werden unbarmherzig und umgehend vom Gegner bestraft und anschließend noch unbarmherziger und in Endlosschleifen von Dutzenden Kameras und Experten seziert. Das hält nur aus, wer sich einen Panzer zulegt. Sebastian Mielitz ist gerade dabei. Die Kritik an ihm, am prominentesten geäußert von Ex-Werder-Idol Frank Rost, hat er vernommen. Mielitz gewinne keine Spiele, meinte Rost kürzlich. Er halte zu wenig Unhaltbare. Und an seiner Ausstrahlung müsse der Werder-Torwart außerdem arbeiten.

Auch Jens Lehmann hatte sich vor einigen Wochen zu Mielitz geäußert. Unterm Strich gab sich der ehemalige Nationaltorwart im Fernsehen als Mielitz-Fürsprecher zu erkennen und deutete Kritik nur in Nebensätzen an. Im öffentlichen Bewusstsein verblasste das Lob aber schnell. Was blieb, war der Hinweis auf Verbesserungsmöglichkeiten. "Das waren alles gute Torhüter", sagte Mielitz nun am Sonnabend, "die dürfen mich beurteilen." Das klang abgebrüht. Aber wenig später sagte Mielitz zur Kritik auch: "Das ist nicht einfach, das perlt an einem nicht so ab." Die Zeitungen habe er deshalb in den vergangenen Tagen "zur Seite gelegt: Ich habe mir nur noch die Bilder angeschaut."

Und Zuspruch von den Teamkollegen erhalten. "Oft zu Unrecht" sah Innenverteidiger Assani Lukimya seinen Torwart in der Kritik. "Das war heute so ein Spiel, mit dem er die Kritiker verstummen lassen kann. Er hat eindrucksvoll gezeigt, warum niemand in der Mannschaft an ihm zweifelt." Thomas Schaaf ist die Torwartfrage sowieso keine Diskussion wert. So wenig wie der Werder-Trainer nach unglücklichen Mielitz-Aktionen in der Vergangenheit nervös wurde, so wenig mag der Werder-Trainer jetzt in Euphorie ausbrechen. Beinahe geschäftsmäßig sagte Schaaf: ",Miele‘ hat heute gezeigt, was wir seit Monaten von ihm wissen. Dass er ein junger, sehr guter Torwart ist."

Und vielleicht entwickelt die zufällige Begegnung mit Oliver Reck ja auch noch eine Langzeitwirkung, wenn sich Mielitz einmal intensiver mit der Torwartkarriere seines Vorgängers aus den 80-er und 90-er Jahren in Bremen auseinandersetzt. Zur Geschichte von Oliver Reck bei Werder gehört nämlich, dass er sich immer wieder als "Pannen-Olli" Hohn und Spott gefallen lassen musste. Heute ist Reck als Deutscher Meister, mehrfacher DFB-Pokalsieger und Mitglied der Mannschaft, die in der Saison 1991/92 den Europapokal gewann, der höchstdekorierte Torwart in der grün-weißen Vereinsgeschichte.

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