Werder geht gegen Mainz mit 0:5 unter

Bewerbung für die 2. Liga

Statt der erhofften Befreiung gab es das nächste Debakel. Werder hat nach einer katastrophalen Vorstellung auch das Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 verloren. Die Bremer unterlagen krachend mit 0:5 (0:4).
17.12.2019, 20:21
Lesedauer: 4 Min
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Von Malte Bürger
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Yuya Osako und die restlichen Werder-Profis haben sich auch gegen Mainz blamiert.

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Die nächste Schande. Nur wenige Tage nach dem desaströsen 1:6 in München hat Werder erneut einen peinlichen Auftritt hingelegt. Und was für einer! Es war eine Darbietung, die ratlos macht und zum Schämen einlädt. Gegen den Tabellennachbarn FSV Mainz 05 ging die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt mit 0:5 (0:4) unter. Es war eine Nicht-Leistung, die gut und gerne als Bewerbungsschreiben für die 2. Bundesliga durchging, denn nach dieser neuerlichen Demütigung ist die Frage mehr als berechtigt, wen die Bremer in Deutschlands höchster Spielklasse überhaupt noch schlagen wollen.

Gerade kurz vor Weihnachten geht der Blick ja mitunter sehnsüchtig Richtung Briefkasten. Wird da noch alles Gewünschte rechtzeitig geliefert oder stockt es irgendwo? Werders Schicksal liegt nicht in den Händen der Post, stattdessen ist man selbst für die erhoffte Lieferung verantwortlich. Und so sollte gegen die Mainzer am Dienstagabend im Weserstadion eben auch - genau - geliefert werden. „Wir müssen diesen Schuss des Existenziellen, den es im Abstiegskampf immer gibt, ins Spiel bringen“, hatte Trainer Florian Kohfeldt noch einmal unmittelbar vor dem Spiel gefordert. Ähnlich klare Worte hatten auch einige Fans gewählt, in der Ostkurve war unter anderem ein Banner zu lesen, auf dem kernig stand: „Zerreißt euch für das Trikot mit der Raute“.

Kollektiver Zusammenbruch

Die Realität sah jedoch anders aus. Wieder einmal. Den Bremern war anzumerken, was auf dem Spiel stand. Und der Druck übermannte sie. Reichlich nervös brachten sie noch die ersten Minuten unbeschadet hinter sich. Dann hatte Yuya Osako sogar die erste kleine Chance, als er an Torhüter Robin Zentner scheiterte (8.). Im Anschluss nahm allerdings ein kollektiver Zusammenbruch, ein krachender Absturz von beängstigendem Ausmaß seinen Lauf.

Robin Quaison erzielte mit einem trockenen Schuss zunächst die Mainzer Führung (10.). Es war also genau das passiert, was die angeknackste Werder-Seele so gar nicht gebrauchen konnte. Doch es wurde noch schlimmer. Viel schlimmer. Ein weiter Ball der Gäste segelte recht ungefährlich in den Strafraum der Heimelf, wo Milos Veljkovic einen katastrophalen Klärungsversuch hinlegte, den Ball an den Pfosten bugsierte, von wo er an den Rücken des machtlosen Jiri Pavlenka klatschte (15.). Dieses Eigentor unterstrich in beeindruckender Manier das gesamte Schlamassel, in dem Florian Kohfeldt mit seiner Mannschaft steckt. Und Werder pfuschte weiter in der Abwehr, nach nicht einmal 19 Minuten durfte erneut Quaison fast ohne Gegenwehr den dritten Nackenschlag verteilen.

Laute Pfiffe zur Pause

Auf den Rängen herrschte da längst blankes Entsetzen. Nach dem ersten Gegentreffer hatte das gesamte Stadion noch auf jegliche Unmutsbekundungen verzichtet und stattdessen in beeindruckender Manier Anfeuerungsrufe angestimmt. Wenige Minuten später war das sonst so innige Wir-Gefühl ein weiteres Mal stark beschädigt, lautstarke Pfiffe hallten ebenso durch die Arena wie fassungsloses Raunen, wenn irgendeinem Profi da unten auf dem Rasen wieder mal ein Fehler unterlief. Im Vorfeld der Partie hatte Florian Kohfeldt recht martialisch verlangt, „das Tor mit dem eigenen Leben“ zu verteidigen. Nach dieser Anfangsphase beschlich den geneigten Beobachter eher das Gefühl, dass dieses Team in einigen Teilen bereits tot ist.

Werders Coach reagierte frühzeitig, nahm Nuri Sahin vom Feld und brachte stattdessen Johannes Eggestein als Ergänzung für die Offensive (27.). Der Ertrag hielt sich in Grenzen. Die Gastgeber mühten sich zwar halbwegs, allerdings war ihnen in jeder Aktion die pure Verunsicherung, mitunter sogar Angst anzusehen. Werder enttäuschte maßlos - und das war noch stark untertrieben. Die Mainzer nahmen die Hilflosigkeit ihres Gegners dankend an und sorgten direkt für die nächste Demütigung. Nach einem Eckball verlängerte Szalai problemlos an den langen Pfosten, wo Quaison zum dritten Mal und ohne jegliche Bewachung einschoss (38.). Ach ja, Bremer Chancen gab es auch, so traf Leonardo Bittencourt noch den Pfosten (42.).

Pizarro im Pech

Dann war es überstanden, die erste Hälfte vorbei. Und das war die mit Abstand beste Nachricht. Es war Historisches passiert, so hoch hatte Werder noch nie in der Bundesliga-Geschichte zur Pause zurückgelegen. Das allein sagt schon viel darüber aus, in welch besorgniserregendem Zustand sich das Team befindet.

Ein echtes Aufbäumen gab es auch nach dem Seitenwechsel nicht. Im Stadion herrschte Grabesstille, die Mainzer agierten nun nicht mehr ganz so konsequent. Anstatt ihre Konterchancen locker zu Ende zu spielen, zeigten sie im Gefühl des sicheren Sieges den einen oder anderen Schnörkel zu viel. Nach 72 Minuten brandete dann doch einmal Jubel im grün-weißen Anhang auf. Der eingewechselte Claudio Pizarro hatte getroffen, doch Schiedsrichter Frank Willenborg (Osnabrück) hatte bei der Ballannahme des Peruaners ein Handspiel gesehen. Somit blieb es beim 0:4. Zumindest kurz. Jean-Philipp Mateta legte noch das fünfte Mainzer Tor nach (82.).

Einsam statt gemeinsam

Florian Kohfeldt ertrug das bittere Schauspiel auf dem Platz fast völlig versteinert. Der sonst so agile Trainer sparte sich an diesem Abend weitgehend große Gesten und laute Ansagen, ließ allenfalls das Kaugummi mit kräftigen Bissen durch den Mund rotieren. Zum nun schon wiederholten Male waren die Spieler seinen deutlichen Worten während der Vorbereitung auf ein Spiel nicht gefolgt. Gebetsmühlenartig hatten alle Beteiligten im Vorfeld betont, wie sehr sie vom gemeinsamen Weg überzeugt sind und dass sie alle an einem Strang ziehen. Im Moment wirkt es allerdings eher so, als stünde der Coach recht einsam da. Allzu überzeugend erscheint der gepriesene interne Zusammenhalt nicht, dafür war dieser Auftritt viel zu schlecht. Es muss also schnell ein anderer, weil besserer Weg her, um aus der Krise zu kommen. Daran werden sich die Spieler messen lassen müssen. Und auch Florian Kohfeldt.

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