Nouri vor Saisonstart optimistisch

Bis ans Limit - und noch viel weiter

Werder-Trainer Alexander Nouri sieht seine Mannschaft für das Pokalspiel gegen die Würzburger Kickers gerüstet.
10.08.2017, 21:07
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Bis ans Limit - und noch viel weiter
Von Malte Bürger

Alexander Nouri kennt diese Situation, allerdings aus einer anderen Perspektive. Als Werders heutiger Coach noch Spieler war, durfte er im DFB-Pokal gleich mehrere Überraschungen feiern. Mit dem VfL Osnabrück schaltete er einst Borussia Mönchengladbach aus, im Trikot des KFC Uerdingen wurde Energie Cottbus bezwungen – und später sogar Werder Bremen. Im November 2001 war das, durch ein 5:4 nach Elfmeterschießen überstanden Nouri und Co. die zweite Runde. Inzwischen sind die Seiten gewechselt, aus dem Herausforderer ist ein klarer Favorit geworden. Folglich will Nouri einen Strauchler nun natürlich vermeiden, wenn er als Coach eines Bundesligisten am Sonnabend (Anpfiff: 20.45 Uhr) in Offenbach gegen die Würzburger Kickers aus Liga drei gefordert ist.

Wiedergutmachung für das Erstrundenaus im Vorjahr

Eben jene Zwei-Klassen-Rechnung wirft Alexander Nouri allerdings über Bord: "Wir wissen, dass da kein Drittligist auf einen Bundesligisten wartet", sagte er während der offiziellen Pressekonferenz am Donnerstag, "sondern da zwei Mannschaften aufeinandertreffen, die mit aller Macht gewinnen wollen." Da interessiert es dann auch wenig, dass die Würzburger nach ihrem Abstieg aus der 2. Bundesliga nicht wirklich gut gestartet sind und eine Etage tiefer mit zwei Zählern aus vier Partien nur Tabellenplatz 15 belegen. Zudem dürfen sie gegen die Bremer nicht einmal in ihrem eigenen Stadion spielen, weil es wegen der späten Anstoßzeit sonst Probleme mit dem Lärmschutz gäbe. Also eigentlich könnte alles für Werder sprechen. Eigentlich. Der Pokal und seine eigenen Gesetze – da war doch was. "Jeder geht in solchen Spielen über sein Limit. Auch die Würzburger werden über sich hinauswachsen wollen, aber genau das müssen wir erwarten. Es kann ein sehr schwieriges Spiel werden", warnte Nouri.

Es sind Sätze, die zuletzt in ähnlicher Form nahezu jeden Sommer vor Werders Pokalspielen gefallen sind. Thomas Schaaf sprach sie, danach Robin Dutt und dann Viktor Skripnik. Wenige Tage später mussten die jeweiligen Trainer dann allesamt erklären, warum es letztlich doch wieder nicht gegen den Außenseiter geklappt hatte. Das mindert nicht eben den Druck für die jetzige Prüfung in Hessen, zumal allein die unschönen Ereignisse aus dem Vorjahr noch präsent sind. Werder spielte nicht nur schwach und verlor gegen die Sportfreunde Lotte mit 1:2, es verletzte sich obendrein Neuzugang Max Kruse, der daraufhin wochenlang fehlte. Zudem sah Fin Bartels wegen einer Tätlichkeit in der Schlussphase die Rote Karte, weshalb er nun gegen die Würzburger Kickers nur Zuschauer ist.

Baumann: "Der kürzeste Weg, einen Titel zu gewinnen"

Auch Sportchef Frank Baumann erinnert sich selbstverständlich noch an das bis dato letzte Pokal-Aus. Angst vor einer neuerlichen Schmach hat er jedoch nicht. "Mit dem negativen Fall, mit einer Niederlage, möchte ich mich nicht beschäftigen, sondern eher das Positive herausstellen", sagte er. Und die Vorteile liegen für ihn klar auf der Hand. "Es ist der kürzeste Weg, einen Titel zu gewinnen und international zu spielen. Man kann da viel für sein Renommee tun als Klub, als Mannschaft. Deswegen ist das für uns ein wichtiger Wettbewerb und es ist ein klares Ziel, dass wir im Pokal lange dabei bleiben." Netter Nebeneffekt: Neben den guten sportlichen Nachrichten würde ein starkes Abschneiden auch rein wirtschaftlich für zufriedene Gesichter sorgen.

Der Traum von Berlin, von einer Teilnahme am großen Endspiel, er existiert in Bremen weiterhin. Trotz der erlittenen Pokal-Blamagen. Trotz vieler schwacher Leistungen. Andererseits hat Werder erst 2015 zuletzt im Halbfinale gestanden und dort durchaus unglücklich gegen Bayern München verloren. Es gibt sie also noch, die Ergebnisse, die Mut machen. Auch Werders Aufsichtsratsboss Marco Bode hatte unter der Woche im Interview mit dem WESER-KURIER erklärt, dass er einen Pokalsieg der Bremer durchaus für realistisch halte. Frank Baumann sieht es ähnlich. "Wir haben die Typen, die solche K.-o.-Spiele gut bestreiten können", sagte er. Allerdings erklärte Baumann auch: "Es ist durchaus möglich, wenn auch nicht einfach. Damit sollten wir uns aber noch nicht beschäftigen. Das Spiel am Samstag gegen Würzburg wird schwer genug, das werden mindestens 90 Minuten harte Arbeit."

Erste Antworten auf viele Fragezeichen

Eben jene ersten 90 Pflichtspielminuten der Saison werden allerdings auch zeigen, ob und in welche Richtung sich Werder entwickelt hat. Ist es Alexander Nouri während der rund sechswöchigen Vorbereitung wirklich gelungen, der Mannschaft mehr Stabilität in der Abwehr zu verleihen? Hat er es gleichzeitig geschafft, einen gewinnbringenden und ansehnlichen Plan für die Offensivbewegung zu entwerfen? Ist es vielleicht am Ende gar nicht so eminent wichtig, dass Werder auf dem Transfermarkt noch einmal aktiv wird und einen Innenverteidiger und einen Mittelstürmer verpflichtet? All diese Fragen möchten die Verantwortlichen nach dem Pokalduell sicherlich nur zu gern mit einem Ja beantworten. Trainer Nouri traut seiner Mannschaft logischerweise einen guten und überzeugenden Auftritt am Sonnabend zu, doch er fordert gleichzeitig: "Es hängt viel damit zusammen, wie wir dieses Spiel angehen, mit welcher Einstellung", sagte er. "Wir müssen vom Aufwand, von der Konzentration alles aufs Feld bringen. Jeder Spieler muss vom Kopf her so weit sein, dass er bereit ist, alles aus sich herauszuholen. Dann sind wir optimistisch, dass wir einfach dann auch die bessere Mannschaft sind."

Nicht unbedingt die bessere Mannschaft war Werder vor knapp zwei Jahren. Damals begegneten sich beide Vereine schon einmal in der ersten Runde, dank zweier Treffer von Anthony Ujah und Fin Bartels gewannen die Bremer nach Verlängerung. Eine etwas souveränere Wiederholung ist durchaus erwünscht. "Grundsätzlich hat Werder im Pokal eine große Historie, auch wenn die letzten Jahre nicht immer optimal waren", sagte Frank Baumann. "Aber das wollen wir dieses Jahr ändern. Es ist wichtig, dass wir sofort unsere bestmögliche Leistung zeigen."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+