Werder Bremen Bis zur Winterpause droht Absturzgefahr

Bremen. Nach dem 0:5 bei Borussia Mönchengladbach läuft Werder Gefahr, den bislang sehr ordentlichen Eindruck nach der Katastrophensaison 2010/11 aufs Spiel zu setzen. Bis zur Winterpause warten noch hochkarätige Gegner auf Werder.
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Bis zur Winterpause droht Absturzgefahr
Von Marc Hagedorn

Bremen. Enttäuschungen gehören zum Sport dazu, entscheidend ist, wie man mit ihnen umgeht. Ein typischer Reflex von Profisportlern in der Stunde der Niederlage ist der Blick nach vorn: auf die nächste Chance, auf das nächste Spiel. Diese Strategie schützt davor, sich nach Rückschlägen zu lange selbst zu quälen. Also sprach Werders Verteidiger Sokratis nach dem 0:5 gegen Borussia Mönchengladbach: "Ich bin nicht besorgt. Es war nur ein Spiel, und wir haben auch schon viele gewonnen. Ich denke, wir landen zur Winterpause unter den ersten vier Mannschaften."

Wie viel Zweckoptimismus, wie viel Sorglosigkeit oder wie viel wahres Selbstbewusstsein in diesen Sätzen steckt, werden die letzten 360 Bundesligaminuten des Jahres verraten. Der Trend ist aber beunruhigend. Werder hat alle seine 23 Punkte gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte geholt. Gegen die Teams ab Platz acht aufwärts lautet die Bilanz: vier Spiele, vier Niederlagen. "Hoffenheim ist für mich auch ein starker Gegner - und da haben wir schließlich gewonnen", sagt Tim Wiese. Hoffenheim ist Neunter. "Jede Mannschaft in der Bundesliga ist gut, da gibt es kein top oder nicht-top", sagt Marko Arnautovic. Torwart Wiese und Stürmer Arnautovic halten sich ans Sokratis-Prinzip: Sie suchen nach dem Positiven.

In Mönchengladbach gab's da nichts zu finden. Werder fehlt die Dominanz und das spielerische Element. Früher war Werder immer für zwei, drei Tore gut. Früher konnten die Bremer dem Gegner ihr rasantes Offensivspiel aufzwingen. Wenn das heute nicht funktioniert und der Gegner gut organisiert und clever auftritt wie Leverkusen (0:1), Dortmund (0:2) oder Gladbach (0:5) in dieser Saison, dann hat Werder ein großes Problem. Im Borussia-Park geschah Seltenes: Die Heimmannschaft konterte den Gast aus, der naiv und ohne Absicherung nach vorne in sein Verderben rannte. Obwohl alle Welt seit Wochen von Marco Reus schwärmt, schaffte Werder es nicht, ihn zu doppeln beziehungsweise die Pässe zu verhindern, die Reus immer wieder in Szene setzten. Eine Frage der Qualität?

Oder liegt es an der Mentalität? "Wenn Bequemlichkeit eintritt, dann findet man sich in dieser Liga ganz schnell unten wieder", sagte Klaus Allofs. Der Verdacht, früh zufrieden zu sein, steht nach den vielen unterhaltsamen und spektakulären Werder-Spielen mit Happy End im Raum. "Bequemlichkeit ist menschlich", führte Allofs weiter aus, "aber dafür hat man ja einen Chef, der das verhindern soll." Der Chef heißt Thomas Schaaf, aber der wusste gegen das Debakel auch kein Rezept. Anders als gegen Köln, als Werder ebenfalls früh mit 0:2 zurücklag, reagierte er diesmal erst zur Pause mit Auswechselungen. "Nach dem 0:2 haben wir aufgehört, an uns zu glauben", sagte Tim Wiese, "darüber müssen wir reden. Es ist an der Zeit."

Natürlich: Stuttgart, die Bayern, Wolfsburg und Schalke warten. Zunächst der VfB Stuttgart, der aus einer ähnlichen Situation wie Werder kommt: im Sommer fast abgestiegen, jetzt auf dem Weg der Konsolidierung. Dann in gut zwei Wochen muss Werder zu den Bayern, die gemeinsam mit Meister Dortmund das Maß aller Dinge in der Liga sind. Zum letzten Heimspiel des Jahres reist Wolfsburg, soeben 4:1-Sieger über Hannover, ins Weserstadion. Schließlich geht's für die Bremer nach Schalke, das einen unfreiwilligen Trainerwechsel ebenso gut weggesteckt hat wie die schwere Verletzung des Stammtorwarts.

Auf die Frage, ob ihm angst und bange werde mit Blick auf die letzten Spiele des Jahres, sagte Allofs: "Wenn wir so wie in Mönchengladbach spielen, muss einem immer bange werden." Sein Verteidiger Sokratis hatte diesen Satz nicht gehört. "Wir haben 23 Punkte", sagte der Grieche, "und demnächst haben wir 26 Punkte." Fragt sich nur, wann genau "demnächst" ist.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+