Kohfeldts großer Wunsch

Bloß nicht wieder Scooter

Als Assistent von Viktor Skripnik erlebte Florian Kohfeldt bereits Spiele in Mönchengladbach. Die Erinnerungen des heutigen Werder-Trainers sind dabei mit einem speziellen Song verbunden.
28.02.2018, 19:29
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Bloß nicht wieder Scooter
Von Christoph Bähr

Wenn Florian Kohfeldt an Spiele bei Borussia Mönchengladbach denkt, dann hört er im Kopf plötzlich wieder diese wummernden Technobässe – und die Stimme von H.P. Baxxter. Immer wenn die Borussia zu Hause ein Tor schießt, läuft nämlich Scooters Mitgröl-Hit "Maria, I like it loud". Und die Bremer kamen in den vergangenen Jahren ziemlich häufig in den zweifelhaften Genuss, dieses Musikstück zu hören.

Um genau zu sein, mussten sie in den letzten sechs Auswärtspartien im Borussia-Park 23 Mal Baxxters Geschrei über sich ergehen lassen. Daran wird deutlich: Werders Bilanz in Mönchengladbach ist ziemlich mies. Nur einen Punkt aus sechs Spielen holten die Bremer zuletzt, bei einem Torverhältnis von 5:23. Ob Kohfeldt etwas für Scooters Musik übrig hat, ist nicht bekannt. Für den Werder-Trainer steht aber fest: "Diesen Torjingle wollen wir dieses Mal nicht so häufig hören."

Fünf der sechs wenig erfolgreichen Partien in Mönchengladbach hat Zlatko Junuzovic auf dem Platz miterlebt. "Die Borussia hat eben Qualität", stellte Werders Kapitän mit Blick auf die schwache Bilanz lapidar fest. Mehr wollte er am Mittwoch bei der Pressekonferenz nicht dazu sagen und blickte lieber auf das anstehende Duell am Freitagabend (20.30 Uhr): "Was vergangen ist, ist vergangen. Es ist ein neues Spiel, ein neuer Tag, und wir werden schauen, dass wir an diesem Tag bereit sind."

Konter als gewinnbringendes Element

Junuzovic hält es durchaus für realistisch, dass Werder mal wieder drei Punkte vom Niederrhein mitbringt. "Wir werden versuchen, dort jeden Raum auszunutzen", betonte der Mittelfeldspieler. Tatsächlich ist zu erwarten, dass sich Werder in Mönchengladbach deutlich mehr Räume bieten als zuletzt gegen destruktive Hamburger (1:0) und Freiburger (0:1). Kohfeldt jedenfalls spekuliert darauf und machte eine vielsagende Andeutung: "Der Konter wird für uns in dem Spiel ein Element, das nicht zu unterschätzen ist."

Der HSV und Freiburg standen so tief, dass die Bremer kaum einmal kontern konnten. Das schnelle Umschalten, das Überbrücken des Mittelfeldes mit zwei, drei Pässen – diese Situationen, die besonders Max Kruse liegen, gab es nur selten. Stattdessen wurde Kruse phasenweise in Manndeckung genommen. Sein Trainer dachte direkt nach dem Nordderby sogar daran, seinem wichtigsten Offensivspieler eine neue Rolle zuzuteilen. Aktuell sind diese Pläne inzwischen aber nicht mehr, zumindest nicht mit Blick auf das Gladbach-Spiel. "Ich glaube nicht, dass sich Borussia Mönchengladbach mit dieser Qualität dermaßen nach uns richtet wie die letzten beiden Gegner", unterstrich Kohfeldt.

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Es wird also interessant, wie sich Werder im Borussia-Park auf die veränderte Ausgangslage einstellt. Sogar Schalke hatte gegen die Bremer in der eigenen Arena ausgesprochen defensiv agiert, in Mönchengladbach wartet nun mal wieder ein Gegner, der das Heft selbst in die Hand nehmen will. "Die Borussia macht ihr eigenes Spiel und kommt über das Kombinationsspiel, was ich sehr sympathisch finde. Sie haben spielstarke Spieler wie Stindl und Hazard im vorderen Bereich. Ihre Innenverteidiger versuchen immer wieder, das Spiel zu eröffnen", schilderte Kohfeldt. Da die Gladbacher früh attackieren, sei die Genauigkeit im Spiel von zentraler Bedeutung. "Wir müssen eine hohe Sicherheit haben in der Ballzirkulation und müssen unsere Abläufe sehr präzise durchspielen", forderte der Coach.

Rückenwind aus dem Derby

Auf eines will er dabei nicht hoffen: darauf, dass die Gladbacher schwächeln. Der Tabellensiebte hat trotz des jüngsten 1:0-Erfolgs in Hannover einige Probleme. In den sieben Partien nach der Winterpause setzte es fünf Niederlagen. Kohfeldt weiß diese Bilanz jedoch einzuordnen: "Sie haben unfassbar viele Verletzte. Sie zeigen durchgehend gute Auftritte, haben sich nur nicht immer mit den Punkten belohnt. Ich mache mir keine Hoffnungen, dass wir auf eine Mannschaft treffen, die nicht stabil ist."

Dennoch lässt sich festhalten: Die Stimmung ist in Bremen derzeit besser als in Mönchengladbach. Elf Punkte aus den sieben Werder-Spielen nach der Winterpause können sich sehen lassen. Der Derbysieg habe zusätzlich für "Rückenwind" gesorgt, betonte Junuzovic. Dazu sind alle Spieler fit. Auch Philipp Bargfrede, der zuletzt mit dem Training aussetzte, und Jiri Pavlenka, der die Einheit am Mittwoch früher beendete, können laut Kohfeldt spielen. Die Voraussetzungen für einen Erfolg in Gladbach sind aktuell also besser als in den vergangenen Jahren.

Als die Bremer zum bislang letzten Mal im Borussia-Park gastierten, hieß der Trainer noch Viktor Skripnik. In der Startelf standen am 17. September 2016 Spieler wie Sambou Yatabaré, Fallou Diagne oder Ulisses Garcia. Junuzovic musste Mittelstürmer spielen, und nach der ernüchternden 1:4-Pleite wurde Skripnik mitsamt seinen Assistenten Torsten Frings und Kohfeldt entlassen. Das alles erscheint mittlerweile wie eine Episode aus einer ganz anderen Werder-Zeit. Für ihn sei dieses Spiel heute kein Thema mehr, sagte Kohfeldt. Er erinnert sich lieber an den 4:3-Sieg im Pokal-Achtelfinale im Dezember 2015. Damals hatte er ein Erlebnis, das sogar noch einprägsamer war als der Torjingle im Borussia-Park. "Janek Sternberg hat ein Tor geschossen", sagte Werders Trainer schmunzelnd. "Das ist immer noch in meinem Kopf drin."

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