Werder nach der Niederlage gegen Augsburg Blutleer in den Abstiegskampf

Bremen. Im Spiel gegen Augsburg hat Werder auf ganzer Linie enttäuscht. Folglich ging das Spiel mit 0:1 verloren. Sokratis, der einzige Bremer in Normalform, geht mit seiner Mannschaft hart ins Gericht.
03.03.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Blutleer in den Abstiegskampf
Von Thorsten Waterkamp

Bremen. Mit einer enttäuschenden Vorstellung hat sich Werder gegen den FC Augsburg die dritte Niederlage in Folge eingehandelt. Beim 0:1 gegen den Drittletzten ließ die Bremer Mannschaft alles vermissen, was sie sich vorgenommen hatte: Willen, Mut, Einsatz. Jetzt müssen sich die Grün-Weißen auf den Abstiegskampf einrichten.

Eine Viertelstunde vor Schluss blieb auch das Flehen der Fans unerhört. "Wir woll’n euch kämpfen seh’n", sang der Bremer Anhang in der Ostkurve, doch auf dem Platz kam das nur bei den Gästen an. Der FC Augsburg rackerte und arbeitete, während Werder – weniger mit Mut als mit Verzweiflung – dem 0:1-Rückstand vergeblich hinterher lief. Von all den guten Vorsätzen, nach dem 1:6 beim FC Bayern so vieles besser machen zu wollen (und zu müssen): nichts zu sehen. Von einem echten Aufbäumen gegen die dritte Niederlage in Folge: nichts zu sehen. "Unbefriedigend und frustrierend", nannte Trainer Thomas Schaaf gestern Abend das verstörende 90-minütige Erlebnis, das Werder in die Abstiegszone geführt hat.

Es war weniger die Tatsache, dass Werder auch im vierten Anlauf in Folge auf einen Bundesligasieg gegen den FC Augsburg wartet, die Schaaf zu Fundamentalkritik veranlasste. Es war die Art und Weise des Bremer Auftritts. Er war blutleer, kläglich und in allen Mannschaftsteilen defizitär. "Das ist eine Situation", stellte Schaaf klar, "die wir so nicht akzeptieren können. Es fehlte uns die Verbissenheit." Nach dem Augsburger Treffer, den Tobias Werner bereits nach 29 Minuten erzielt hatte, besaßen die Bremer zwar insgesamt die größeren Spielanteile. Aber defensiv fehlte Werder Stabilität, im Mittelfeld mangelte es an jedweder Idee, im Angriff herrschte Harmlosigkeit. Lediglich die Einwechslung von Eljero Elia, der nach der Pause für einen enttäuschenden Mehmet Ekici kam, brachte etwas mehr Leben in Werders Spiel – für eine Wende aber war auch das zu wenig.

Gute und Erfolg versprechende Bremer Szenen blieben deshalb Mangelware. Marco Arnautovic brachte nach einem Solo nur eine Art Rückgabe zustande, die FCA-Torwart Mohamed Amsif dankbar aufnahm (18.). So geriet ein 18-Meter-Schuss von Kevin De Bruyne in der Nachspielzeit der ersten Hälfte zur einzig ernsthaften Prüfung Amsifs. Nach der Pause scheiterte Aaron Hunt unmittelbar vor seiner Auswechslung, als er den Ball auf die Latte setzte (68.), ehe mit Sokratis ausgerechnet ein Abwehrspieler per Volleyschuss (84.) und per Kopf (87.) erst an Amsif und dann am Pfosten scheiterte.

Nur Sokratis in Normalform

Der griechische Innenverteidiger war tatsächlich der einzige Werderaner, der erstens Normalform erreichte und zweitens das Versprechen einlöste, das die ganze Mannschaft nach der Pleite von München gegeben hatte. Er kämpfte, er warf sich Mal um Mal in die Zweikämpfe, er trieb an – vergeblich. Niemand ließ sich mitziehen von dem 24-Jährigen, der wegen seiner fünften Gelben Karte nächste Woche in Mönchengladbach gesperrt sein wird. "Unser Problem ist es, dass wir nicht als Team zusammenarbeiten", rügte Sokratis gestern, "wir müssen alle 100 Prozent geben."

So verteidigte der FC Augsburg mit einfachen Mitteln seinen dürftigen Vorsprung relativ problemlos – für Werder reichte es gestern. "Wir haben mit Glück und Geschick und Herz die drei Punkte festgehalten", urteilte Trainer Markus Weinzierl. Seine Mannschaft hat mit dem Sieg in Bremen bereits den dritten Erfolg der Rückrunde gelandet und mit zwölf Punkten nach sieben Spielen die eigene Hinrundenbilanz von neun Zählern bereits übertroffen. Zwar sind die Augsburger weiterhin Drittletzter, haben den Relegationsplatz aber gegenüber 1899 Hoffenheim stabilisiert.

Werder wiederum wird durch die gestrige Pleite in den Abstiegskampf gezogen. Der Vorsprung auf Augsburg ist auf sieben Punkte geschrumpft. Man sei durchaus in dem Bewusstsein nach Bremen gekommen, dass es mit Werder gegen einen Konkurrenten um den direkten Klassenerhalt gehe, behauptete nach dem Spiel FCA-Innenverteidiger Jan-Ingwer Callsen-Bracker. Und so spielten die Gäste auch: "Jeder sieht, dass die Mannschaft den Klassenerhalt will", sagte Callsen-Bracker.

Lesen Sie auch

Von Werder dagegen war nicht zu sehen, dass die Mannschaft ihre Lehren aus den vielen schwachen Vorstellungen der Rückrunde gezogen hat. Thomas Schaaf wirkte ein Stück weit ratlos. "Wir müssen aktiver sein", analysierte der Trainer, "wir haben den Gegner laufen lassen, ihm den Raum gegeben – das dürfen wir uns nicht erlauben. Ich glaube, man muss sich anders wehren."

Im Prinzip hatten es die Fans also schon ganz gut auf den Punkt gebracht eine Viertelstunde vor Schluss. Pfiffe von den Rängen gab es gestern, als das Bremer Schicksal nach 93 Minuten besiegelt war, übrigens nicht.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+