Promis und Experten fiebern und fühlen mit

„Werder würde der Liga fehlen“

Werder Bremen bewegt die Menschen, auch weit über die Region hinaus. Wir haben uns vor dem Saisonfinale in der Fußballbranche umgehört - und sehr warmherzige Aussagen über Werder erhalten.
27.06.2020, 11:45
Lesedauer: 4 Min
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Von Jean-Julien Beer, Christoph Sonnenberg und Mathias Sonnenberg
„Werder würde der Liga fehlen“

Werder bewegt, auch hier vor dem Saisonfinale am Weserstadion.

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Günter Netzer (Weltmeister 1974)

„Bundesliga ohne Werder Bremen, das ist nur schwer vorstellbar. Der Verein war viele Jahre der Beweis, dass guter Fußball auch mit eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten erfolgreich gespielt werden kann. Otto Rehhagel hat das als Trainer gezeigt, später Thomas Schaaf. Beide Trainer haben eine unvergessliche Ära geprägt. Ich bin immer gerne in Bremen im Weserstadion gewesen, früher als Spieler, später als Manager des Hamburger SV und auch als normaler Besucher. Es gibt viele Werder-Spiele, die unvergessen bleiben und den Verein zu einer echten Marke gemacht haben. Sollte Werder jetzt wirklich absteigen, muss der Verein versuchen, diese Marke, dieses Besondere weiter zu pflegen. Das Ziel könnte dann nur lauten, sofort wieder zurück in die Bundesliga zu kommen. Aber wir alle wissen, wie schwierig das ist.“

Reiner Calmund (Manager-Legende)

„Ich bin mir sicher: In diesen Tagen leidet jeder neutrale Fan in Deutschland mit Werder Bremen. Denn der Verein hat sich in den letzten Jahren so viele Sympathien erspielt, auch dadurch, dass Werder den deutschen Fußball lange Zeit sehr gut im Europacup vertreten hat. Noch ist der Abstieg nicht passiert, ich glaube fest an die kleine Restchance. Wenn es doch passiert, kann Werder den Kopf oben behalten: Die Fans sind erstklassig, das Weserstadion auch, und ich bleibe dabei, dass auch die Vereinsführung gut aufgestellt ist. Marco Bode ist weit über Bremen hinaus ein anerkannter Denker und Lenker, Klaus Filbry ist ein sehr guter Geschäftsführer, und bei Frank Baumann hat mir gefallen, dass er eben nicht dem Trainer die Schuld in die Schuhe geschoben hat. Ich würde mir wünschen, dass Florian Kohfeldt bleibt und alle gemeinsam wieder aufsteigen. Wer so ein Tal gemeinsam durchschreitet, der ist gerüstet für die Zukunft. Müsste man doch den Trainer wechseln, dann würde ein ganzer Bus mit willigen Kandidaten in Bremen vorfahren, denn der Verein hat weiter diese positive Strahlkraft.“

Lotto King Karl (langjähriger Stadionsprecher des HSV)

„Werder ist ein Klub, bei dem die Menschen – nicht nur als Hamburger – sofort etwas vor Augen haben: Tolle Spieler, große Trainer, Meisterschaften, Pokale, Werder hat viel gewonnen. Jeder in Deutschland weiß, dass sie grün-weiß sind. Jeder weiß sofort, was das ist: Werder. Bei Vereinen wie Leipzig oder Hoffenheim ist das nicht so, die stehen nicht für ein klares Bild. Mit Werder würde der Bundesliga ein Stück Tradition fehlen. Ein Klub der den Mut hat, Dinge auch mal anders zu machen. Der mit einer etwas schlankeren, nahbareren Führung sein Ding durchzieht. Hat nicht immer geklappt, aber oft schon. Welcher Klub hat zwei langjährige und erfolgreiche Trainer wie Otto Rehhagel und Thomas Schaaf? Aber die Bremer sollten nicht so pessimistisch sein, sie sollten an die Relegation glauben. Es ist noch alles drin!“

Reinhold Beckmann (TV-Moderator)

„Mit einem Abstieg von Werder Bremen würde die Bundesliga ein großes Stück ihrer Geschichte verlieren. Bei allem Respekt vor Vereinen wie Mainz, Augsburg oder Freiburg – der Name Werder hat im deutschen Fußball einen ganz anderen Klang. Es wäre ein sehr schmerzhafter Verlust, und wieder würde ein großer Name in der Bundesliga verschwinden. In der zweiten Liga müsste sich Werder auf eine ganz neue Welt einstellen. Das ist nicht mehr die Liga von früher, als Volker Finke mit Freiburg einfach wieder aufgestiegen ist. Freitagabend in Osnabrück, an der engen Bremer Brücke, oder die berühmte Haue in Aue – das sind Fußballwelten, die ein Erstligaprofi gar nicht gewohnt ist. Es ist kein Wunder, dass sich der Hamburger SV oder der VfB Stuttgart dort lange Zeit nicht zurechtgefunden haben. Mit einem völlig neuen Kader muss Werder dann hart daran arbeiten, wieder ein Stück seiner alten Identität zu erlangen. Die ersten Wochen nach dem Abstieg würden sehr entscheidend, denn da kann man ganz viel falsch machen, was man dann nicht mehr korrigieren kann.“

Olaf Thon (Weltmeister 1990)

„Werder greift am Wochenende nach dem letzten Strohhalm, und auch ich schaue da mit Emotionen hin. Seit ich als junger Schalker damals in die Bundesliga kam, spielte Werder dort, ich kenne das gar nicht anders. Man kann sich die Liga ohne Werder auch nicht vorstellen, aber das ging uns beim HSV auch so. Es ist eine andere Zeit geworden, und durch die Corona-Krise sind einige Traditionsvereine besonders unter Druck geraten. Aber was sind das für große Werder-Erinnerungen! König Otto, der Kutzop-Elfer, Lemke gegen Hoeneß. Das hat man alles im Kopf. Sollte Werder absteigen, aber die Ruhe bewahren – was ich bei Leuten wie Bode, Baumann und Kohfeldt glaube und erwarte – dann könnte Bremen in naher Zukunft zurück in der ersten Liga sein, erneut dauerhaft. Und zwar schneller und erfolgreicher als der HSV.“

Klaus Allofs (langjähriger Werder-Manager)

„Ein bedeutendes Mitglied der letzten 40 Jahre Bundesliga würde dann fehlen. Ein Klub, der eine lange und ruhmreiche Geschichte geschrieben hat. Der viele Jahre dafür gesorgt hat, dass es einen Konkurrenten zu Bayern München gab. Ein Klub, der bundesweit unheimlich große Beliebtheit besitzt. Und der aufgrund seiner etwas anderen Art immer eine besondere Stellung in der Bundesliga eingenommen hat. Das ist etwas, das der Liga absolut fehlen würde. Wenn es passiert, müsste der Blick nach vorne gerichtet werden. Es wäre zunächst aber ein Zurücksetzen der Ambitionen und Möglichkeiten, selbst wenn es nur ein Jahr in der 2. Liga wäre. Ein Abstieg verändert die gesamte Situation. Es können aber auch Momente sein, in denen man einen neuen Weg einschlägt. Besser ist aber, man verhindert das.“

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