Luca Caldirola Ein Tag zwischen Bremen und Buffon

Luca Caldirola spielte sowohl für Werder als auch für Darmstadt. Der 30-Jährige fiebert dem Duell seiner beiden Ex-Clubs entgegen. Sein Glück hat er inzwischen in seiner Heimat gefunden hat.
15.10.2021, 19:22
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Von Daniel Cottäus

Gut möglich, dass es am Sonntagmittag, irgendwo im dichten Stadtverkehr von Parma, hier und da zu irritierten Blicken im Teambus des AC Monza kommt. Luca Caldirola jedenfalls rechnet fast ein wenig damit. Denn mit dem, was er sich während der Anfahrt zum altehrwürdigen Stadio Ennio Tardini auf seinem iPad ansehen wird, dürften nur die wenigsten seiner Mitspieler etwas anfangen können.

Darmstadt 98 gegen Werder Bremen, 2. Liga aus Deutschland – oder eben ein Fußballspiel, das in weiten Teilen Italiens, sagen wir, vermutlich weniger polarisiert, oder besser: herzlich egal ist. Nur Caldirola eben nicht. Schließlich hat der 30-Jährige schon für beide Vereine gespielt, hat mit ihnen Höhen und Tiefen erlebt und ihre Fans für sich eingenommen. Anruf also bei einem doppelten Publikumsliebling, der sein Glück inzwischen in der Heimat gefunden hat.

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„Sehr gut, danke, wirklich sehr gut.“ Schon Caldirolas Antwort auf die kurze Einstiegsfrage, wie es ihm denn so gehe, zwei Jahre, nachdem er Bremen im Sommer 2019 verlassen hat, macht klar: Die Deutschkenntnisse dieses Mannes sind eher noch besser denn schlechter geworden. Gerade eben, da hatte er in Monza mit seiner neuen Mannschaft noch auf dem Trainingsplatz gestanden, eine intensive Einheit, aber das muss auch so sein – schließlich geht es für den Verein, der Italiens Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi gehört, um nicht weniger als den völligen Fehlstart in die Serie B abzuwenden. „Wir sind leider nicht so gut reingekommen“, sagt Caldirola, was in Zahlen Tabellenplatz 13 nach sieben Spieltagen entspricht und freilich viel zu wenig ist für einen Club, der in dieser Saison unbedingt in die erste Liga aufsteigen will.

„Das ist das klare Saisonziel“, betont Caldirola, der deshalb im Sommer als neuer Abwehrchef verpflichtet wurde, nun aber erstmal, quasi zum Reinkommen ins Gespräch, über die ereignisreichen alten Zeiten in Bremen und Darmstadt sprechen möchte. Gegen Ende dann, klar, noch einmal der Bogen zurück ins Jetzt, nach Italien, genauer: nach Seregno, 20 Autominuten von Monza entfernt, wo Caldirola einst aufwuchs, heute wieder inmitten seiner kompletten Familie lebt und seine drei Monate alte Tochter aufwachsen sieht. „Es ist einiges passiert“, lacht der 30-Jährige, ehe er beinahe unvermittelt zum 7. Mai 2016 zurückspringt – und damit mitten hinein in die brodelnde Partyhölle namens Berliner Olympiastadion.

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Dank eines 2:1-Erfolgs gegen Hertha BSC, herausgeschossen von Sandro Wagner in der 82. Spielminute, ist es am vorletzten Spieltag amtlich: Aufsteiger Darmstadt bleibt in der Bundesliga. Spieler in knall-orangenen Trikots, die mit dem Schlusspfiff in Richtung Fankurve strömen, die sich umarmen und ihr Glück kaum fassen können. „Es war unglaublich. Die Party nach der Rückkehr nach Darmstadt ging bis sechs Uhr morgens“, schwärmt Caldirola, der in der legendären Lilien-Saison 2015/16 als Werder-Leihspieler nur eines von 37 Pflichtspielen verpasst hatte und zum Liebling der Fans geworden war. Zurück nach Bremen wollte der Verteidiger trotzdem, „denn ich wollte allen zeigen, dass ich es auch bei Werder schaffen kann“.

2013, im Alter von 22 Jahren, war Caldirola als Kapitän des italienischen U 21-Nationalteams von Inter Mailand nach Bremen gewechselt, schaffte es unter Trainer Robin Dutt auf Anhieb zum Stammspieler – büßte diese Rolle in der Saison 2014/15 aber wieder ein. Deshalb im Sommer der Schritt nach Darmstadt, von wo aus sich Caldirola nach dem Klassenerhalt ein ganz spezielles Erinnerungsstück zurück mit nach Bremen nahm: einen weißen Smart, der Kleinste unter den Kleinwagen, der am Osterdeich zwischen den dicken Karren der anderen Profis stets auffällig unauffällig wirkte. „Ich liebe dieses Auto und fahre es bis heute jeden Tag“, berichtet Caldirola. Auch in Monza sei er schon mehrfach darauf angesprochen worden.
Weil es für den Abwehrspieler auch im zweiten Anlauf bei Werder – unter anderem wegen einer langwierigen Knöchelverletzung – nicht besser wurde, entschied er sich 2019 zu gehen.

Benevento Calcio, Serie B, zurück in Italien, ein neuer Anfang. „Ich habe bei Werder zuletzt nur noch in der U 23 gespielt und brauchte die Veränderung, um wieder glücklich zu sein“, sagt Caldirola. Ein Plan, der aufging. Mit Benevento stieg er prompt als Meister in die Serie A auf, war also erstmals in Italiens Fußball-Oberhaus angekommen – und traf gleich im ersten Spiel gegen Genua doppelt. Am Ende ging es für das Team zwar wieder runter, für Caldirola in diesem Sommer aber die Tür nach Monza auf. Gezögert hat er nicht lange, inmitten seiner Liebsten für den Club aus der Heimatregion spielen, der darüber hinaus auch noch große Ambitionen hat – „da war schnell klar, dass ich das machen will“.

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In der Mannschaft von Trainer Giovanni Stroppa soll Caldirola als Leitfigur für die jüngeren Kollegen dienen. An den ersten sieben Spieltagen stand er sechs Mal als zentraler Verteidiger der Dreierkette in der Startelf. Nur die Partie gegen Pordenone Calcio verpasste er, weil er im Spiel gegen Pisa vom Platz geflogen war. Es folgte ein bitteres 0:3 gegen Lecce, das nun am Sonntag mit einem Sieg in Parma vergessen gemacht werden soll.

Zuvor, während der Anfahrt im Bus, wird Caldirolas Aufmerksamkeit aber dem Duell zwischen Darmstadt und Werder gehören. „Es tat mir sehr weh, dass Werder abgestiegen ist“, sagt er. Und: „Auch Darmstadt wünsche ich die Rückkehr in die Bundesliga.“ In etwa bis zur Pause dürfte er das Spiel seiner Ex-Vereine verfolgen können. Dann wird er notgedrungen ausschalten müssen, um sich auf seine eigene Aufgabe vorzubereiten. Erstmals in seiner Karriere trifft Caldirola in Parma auf Italiens Torwart-Heiligen Gianluigi Buffon. Und das hat ja durchaus auch was.  

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