Werder Bremen heute gegen 1. FC Nürnberg Bremer Serie beim "Club" auf dem Prüfstand

Bremen. Vor ziemlich genau einem halben Jahr hat Werder Bremen 3:1 gegen den 1. FC Nürnberg gespielt. Heute um 15.30 Uhr (bei uns im Liveticker) muss Schaafs Mannschaft wieder gegen die Franken antreten - doch vieles hat sich geändert.
17.09.2011, 05:00
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Bremer Serie beim
Von Oliver Matiszick

Bremen. Wer in etwa erahnen möchte, was in den vergangenen Wochen mit Werder Bremen geschehen ist, der muss den Blick gar nicht so lange zurückrichten. Vor ziemlich genau einem halben Jahr, da spielte die Mannschaft: in Nürnberg. Der Mann der Partie hieß Sandro Wagner, zwei sicher verwandelte Elfmeter des Stürmers sicherten den wichtigen 3:1-Sieg der schwer abstiegsbedrohten Bremer. Nun, da es wieder gegen den "Club" geht (heute, 15.30 Uhr bei uns im Liveticker), ist Sandro Wagner erst gar nicht mitgefahren nach Nürnberg; er hat stattdessen ein Heimspiel gegen Chemnitz, mit Werders U23 und zwei Ligen tiefer. Was für eine Entwicklung.

Sie betrifft nicht nur die Personalie Wagner, sondern das komplette Erscheinungsbild der Profimannschaft. Aus der Startelf beim Sieg von Nürnberg im März werden heute noch vier Mann auf dem Platz stehen - sofern der am Freitag noch immer angeschlagene Marko Marin denn mitwirken kann. Ohne ihn wären es mit Tim Wiese, Clemens Fritz und Claudio Pizarro noch drei Mann. Dass es sich bei diesem Trio zugleich um die drei ältesten und erfahrensten Werder-Profis handelt, ist kein Zufall. Sie geben der neuen Werder-Elf auch nach dem vollzogenen Umbruch weiterhin die nötige Stabilität: der konstant gute Nationaltorwart Wiese, der vielseitige Kapitän Fritz, der in jeder Lebenslage treffsichere Pizarro. Und drumherum Spieler, die aus der zweiten Reihe endgültig aufgerückt sind (Prödl), ihre Form wiedergefunden haben (Hunt, Arnautovic) oder als Neuzugänge auf Anhieb nach Wunsch funktionieren (Sokratis, Wolf). So kann ein Höhenflug funktionieren.

Allein: Es klingt zu einfach, um wahr zu sein. Und so trauen sie dem eigenen Erfolg auch noch nicht recht über den Weg. "Luftschlösser" nennt es Innenverteidiger Sebastian Prödl: "Wir müssen nach dem 5. oder 6. Spieltag nicht rumspinnen und von der Tabellenführung reden. Dafür haben bis jetzt die richtig großen Gegner auch gefehlt." Doch die Gnade eines wohlwollenden Spielplans hat sie tatsächlich in die Lage versetzt, etwas zu schaffen, was seit Jahren keiner Werder-Mannschaft mehr gelungen ist: am Ende eines Spieltags auf Platz eins zu stehen. Dieses Gefühl kennt aus der aktuellen Mannschaft sogar nur noch einer: Clemens Fritz, der dabei war, als es am 19. Spieltag der Saison 2006/07 letztmals gelang. Doch selbst, wenn der momentan überragende FC Bayern morgen Abend auf Schalke für klare Verhältnisse sorgen sollte - den Teilerfolg als Tabellenführer für einen Tag könnten die Bremer in Nürnberg heute allemal sicherstellen.

Tabellenplatz für Allofs Nebensache

Es ist ein Anreiz, den Werders Klubchef Klaus Allofs erst einmal hintenan stellt. Schon nach dem Sieg im Nordderby gegen den HSV hatte er betont, dass man sich in Bremen in erster Linie als Punkte-, nicht als Bayern-Jäger betrachtet. Vor der Reise nach Nürnberg bekräftigt er dann auch noch einmal: "Wir spielen am Wochenende nicht um die Tabellenführung - sondern darum, 15 Punkte zu haben." Und das, ahnt Sebastian Prödl, wird "brutal schwer".

Er ahnt es nicht nur mit Blick auf den Gegner, der trotzig gut auf den Verlust von Leistungsträgern der Vorsaison (unter anderem Mehmet Ekicki an Werder) reagiert hat und nach einem äußerst passablen Start nun mit den Bremern nach Punkten gleichziehen könnte. Sondern Prödl ahnt es auch in Bezug auf die eigene Elf. "Im Spiel sind wir noch zu inkonstant", sagt er. Tatsächlich hatte jede der bisherigen fünf Partien ihren ganz eigenen Charakter. Der Auftaktsieg gegen Kaiserslautern: gut, aber nicht begeisternd. Die Niederlage in Leverkusen: mau. Das Freiburg-Spiel: offensiv ein Fest, defensiv ein Albtraum. Der Erfolg in Hoffenheim: clever. Das gewonnene Nordderby: eine Positivmischung aus allem zuvor. Und genau daran gilt es nun anzuknüpfen. "Wir sind in der Verfassung, dass wir sagen können: Wir fahren nach Nürnberg, um dort zu gewinnen", findet Mittelfeldspieler Aaron Hunt.

Weshalb auch nicht? Im März ist es ihnen ja auch gelungen. Damals verhinderte der Sieg doch nur den Sturz auf Rang 15. Wie sich die Zeiten ändern. Sandro Wagner würde es vermutlich bestätigen.

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