Das Comeback von Fin Bartels bei Werder

Von 17 auf 17 in zwei Jahren

Ende einer Leidenszeit: Erstmals seit Dezember 2017 stand Fin Bartels wieder in Werders Startelf. Auch wenn er das Spiel nicht entscheiden konnte, gab er dem Team wichtige Impulse.
04.06.2020, 12:08
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Jean-Julien Beer
Von 17 auf 17 in zwei Jahren

Ein typischer Bartels: Ein schöner Schlenzer um Frankfurts Hinteregger. Doch letztlich konnte Torwart Trapp den Ball festhalten.

gumzmedia/nordphoto

Bei diesem freudigen Anlass lief sogar Schiedsrichter Patrick Ittrich beim Aufwärmen im menschenleeren Weserstadion einen kleinen Bogen und begrüßte Fin Bartels persönlich. Zwar ohne den sonst üblichen Handschlag, der in Coronazeiten verboten ist, aber dennoch sehr herzlich. Schließlich sollte der Bremer Angreifer erstmals seit Dezember 2017 wieder in der Startelf stehen, damals war ihm bei Werders 2:1-Sieg in Dortmund die Achillessehne gerissen – eine Verletzung, die Fußballer zurecht fürchten. Zu jener Zeit war Neven Subotic beim BVB noch sein Gegenspieler und der kriselnde Borussen-Trainer Peter Bosz sollte bald von Peter Stöger ersetzt werden. Es sind Geschichten aus einer anderen Epoche.

Den überraschenden Startelf-Einsatz seines inzwischen 33 Jahre alten Routiniers hatte Trainer Florian Kohfeldt nach eigenen Angaben bereits seit ein paar Tagen im Hinterkopf. Gegen Frankfurt schien die Gelegenheit doppelt günstig, weil die sonst gesetzten Offensivspieler Milot Rashica und Leonardo Bittencourt zunächst angeschlagen auf der Bank bleiben mussten, um größere Verletzungen zu vermeiden. „Die Entscheidung ist auch dadurch gereift, dass Fin in den letzten Wochen im Training, aber auch in seinen Kurzeinsätzen immer wieder sehr gute Ansätze hatte und körperlich jetzt deutlich stabiler war“, erklärte Kohfeldt nach dem Spiel, „das war sein erster Startelf-Einsatz seit zwei Jahren. Er hat im Grunde im März des letzten Jahres gegen Schalke sein Comeback nach dem Achillessehnenriss begonnen und dann über ein Jahr gebraucht bis jetzt nach Corona, um wieder seinen Rhythmus zu finden. Jeder Fußballer weiß, du brauchst in etwa so lange, wie die Verletzung war.“

Schlechter Start ins Spiel

Einen Bartels-Bonus gab es für Bremen gegen Frankfurt jedoch nicht, ganz im Gegenteil. Schon nach drei Minuten sah Werders Routinier im Angriff eine extrem frühe Gelbe Karte nach einem harten Foul an Mijat Gacinovic. „Er ist unglücklich ins Spiel gekommen durch die erste Aktion“, sagte der Trainer, „dadurch war er in seinem aggressiven Anlaufverhalten kurzfristig etwas gehemmt und hatte auch den ein oder anderen blöden Ballverlust. Danach hat er der Mannschaft aber das gegeben, was ich mir von ihm erhoffe. Er hat die Räume gut besetzt und sich gut gelöst. Er ist in der Tiefe noch nicht so in die Aktionen gekommen, wie wir es wollten. Das wird kommen, wenn er jetzt mehr Spiele hat.“

Seine Rolle rechts hängend hinter der einzigen Spitze Davie Selke füllte Bartels bei seinem Startelf-Comeback mit einem großen Laufpensum aus, er bedrängte die Frankfurter im Pressing und eroberte mit seiner Cleverness und Erfahrung auch tiefer in der eigenen Hälfte wichtige Bälle. Sein schöner Torschuss kurz vor der Pause, der für Werder die Führung hätte bedeuten können, sah in seiner Entstehung wunderbar aus und zeugte von Bartels nicht verlernter Eleganz: Ein kleiner Haken an der Strafraumgrenze und dann ein schöner Schlenzer um den Gegenspieler herum – doch der Ball fiel dem wartenden Frankfurter Torwart Kevin Trapp genau in die Arme.

Keine Luft nach der Pause

Nach der Pause zeigte sich schnell, dass auch ein Startelf-Comeback noch nicht bedeutet, dass man ein Spiel auf Bundesliga-Niveau durchhalten kann. Bartels ging nun zunehmend die Luft aus, was nach der langen Pause für ihn völlig normal ist. Doch so blöd das auch klingen mag: Dadurch zeigte sich nur noch mehr sein Wert bis dahin im Spiel. Auch Kohfeldt sah das so: „Sein Defensivverhalten war in der ersten Halbzeit sehr gut. Er gehörte zu den Spielern, die das Pressing für uns sehr gut angelaufen haben, dadurch hatten wir das Spiel in der ersten Halbzeit unter Kontrolle. Das hat uns in der zweiten Halbzeit gefehlt.“

Nach 61 Spielminuten war für Bartels Schluss. Unmittelbar nach der Frankfurter 1:0-Führung durch Silva wurde er durch Milot Rashica ersetzt und konnte sich dennoch halbwegs zufrieden auf die Tribüne setzen. Auch sein Trainer zog wenigstens aus dieser Personalie ein positives Fazit an diesem sonst so enttäuschenden Abend der 0:3-Niederlage: „Ich hoffe, dass Fin das Spiel körperlich gut verkraftet und erhoffe mir, dass er uns seine individuelle Klasse und auch die Tiefe in seinem Spiel in den letzten Spielen dieser Saison noch öfter geben kann. Er hat sein Spielgefühl wiedergefunden, das brauchte einfach nach so einer langen Zeit.“

Als Bartels letztmals in der Startelf stand, in jenem Dezember 2017, steckte Werder in der Tabelle auf Platz 17 fest. Genau wie jetzt. Die Situation wirkt wie eingefroren. So gesehen musste er sich im Kopf wenigstens nicht umstellen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+