Kommentar zu den Bundesligaprofis

Es sind Menschen

Die positiven Corona-Fälle in Köln und das gefühllose Handeln des Vereins führen der Bundesliga weiteren Schaden zu, kommentiert Chefreporter Jean-Julien Beer. Spieler sind eben keine Maschinen.
04.05.2020, 13:47
Lesedauer: 2 Min
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Von Jean-Julien Beer
Es sind Menschen

Im Fall Verstraete fehlte dem ruhmreichen 1. FC Köln jedes Fingerspitzengefühl.

dpa

Der 1. FC Köln hat schon ruhmreichere Zeiten erlebt als diesen Sonntag, an dem der Verein seine Unterwürfigkeit gegenüber einem extrem in die Kritik geratenen Fußballsystem demonstrierte. Nach drei positiven Corona-Tests in der Mannschaft und im Betreuerstab hatte der Kölner Profi Birger Verstraete in seiner belgischen Heimat ein Interview gegeben, mit dem er vielen Bundesligaprofis aus der Seele sprach: Es ging um die Angst vor Ansteckung, selbst beim Training in Kleingruppen. Verstraete hatte mit den Infizierten engen Kontakt, seine Lebensgefährtin aber ist herzkrank und gehört zur Hochrisikogruppe.

Der devote 1. FC Köln versuchte das Thema zu bereinigen, als gehöre das zum gepriesenen Hygiene-Konzept der Liga. Der Profi musste zum Rapport. Danach hieß es: Alles laufe prima, Teile des Interviews seien falsch übersetzt worden. Eine fast schon dreiste Darstellung. Verstraetes Freundin wurde sicherheitshalber trotzdem aus dem Land gebracht.

Das Konzept ist ein Kartenhaus

Die Vorgänge von Köln zeigen, woran der engstirnige Kampf der Bundesliga scheitern könnte, wieder zu spielen: an Menschen. Die Profis, Trainer und Betreuer sind keine Maschinen. Sie haben Familien und Sorgen. Das medizinische Konzept der Liga wirkt wie ein wackeliges Kartenhaus, das bei weiteren positiven Tests kippen könnte. Corona-Fälle in den Teams zeigen eben nicht nur, wie gut die Überwachung funktioniert. Sondern auch, dass noch kein Mannschaftssport betrieben werden sollte – wenn man die Eindämmung des Virus für wichtig hält.

Die Fans wurden schon zur Seite geschoben. Ohne Spieler aber wird der Fußball auch nicht funktionieren. Weiterhin scheint Geduld gefragt. Irgendwann wird der Ball schon wieder rollen. Wenn die Bundesliga bis dahin abspecken muss, befindet sie sich in diesen Zeiten in guter Gesellschaft.

Seifert sollte nach Köln schauen

Und sollte Liga-Chef Christian Seifert wirklich wissen wollen, was der Fußball angesichts seines enormen Imageproblems falsch gemacht hat, muss er gar nicht in der Vergangenheit wühlen oder eine Zukunfts-Taskforce bemühen. Er braucht jetzt nur nach Köln zu schauen, wo das gefühllose Handeln des Vereins bundesweit ein verheerendes Echo auslöste. In Köln kann Seifert live erleben, wie Selbstherrlichkeit und abgehobenes Auftreten das Image einer ganzen Branche zerkratzen.

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