Werder sieht sich auf Augenhöhe mit Union

Ein besonderes Kräftemessen

Die gute Nachricht für Werder: Max Kruse fällt noch aus. Die schlechte: Union Berlin ist auch ohne ihn stark. Die Bremer sehen sich trotzdem auf Augenhöhe mit Union und wollen das auf dem Feld auch beweisen.
01.01.2021, 17:18
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Ein besonderes Kräftemessen
Von Jean-Julien Beer

Schon allein die Tatsache, dass Werder an diesem 2. Januar gegen Union Berlin spielen darf, haben die Bremer nur einem zu verdanken: nämlich Union Berlin. Nur weil der damals noch freche Aufsteiger am letzten Spieltag der vergangenen Saison so nett war, Werders Konkurrenten Fortuna Düsseldorf zu besiegen, konnte sich die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt in die Relegation retten und sich dort letztlich sieglos gegen Heidenheim zum Klassenerhalt zittern. Geschenke dürfe der Hauptstadtklub nun aber nicht dafür erwarten, sagt Werders Manager Frank Baumann, schließlich hätten sich die Bremer Fans schon mit ein paar Kisten Bier bedankt.

Inzwischen ist aus dem frechen Aufsteiger ein ziemlich etablierter Erstligist geworden, der sein Weihnachtsfest in den Europacup-Rängen der Tabelle feiern durfte. Union hat sich bereits sieben Punkte mehr erspielt als Werder und rangiert gleich hinter Borussia Dortmund, das Team schoss auch sehr viel mehr Tore als Bremen und ließ weniger Gegentore zu. „Union spielt eine sehr gute Saison“, lobt Florian Kohfeldt mit ehrlichem Respekt, „aber wir wollen unbedingt gewinnen, nachdem wir durch den Sieg in Mainz ins Mittelfeld der Tabelle gesprungen sind. Ich glaube, das kann gegen Union wirklich so ein Spiel sein, wo du dich danach sehr stabil in der Tabelle platzieren kannst.“ Auch wenn Union einen gehörigen Abstand habe und auf einem sechsten Tabellenplatz stehe, „der für uns überhaupt nicht realistisch wäre“, sehe man diese Mannschaft von der individuellen Qualität her auf Augenhöhe.

Das ist eine mutige Aussage des Bremer Trainers, und ob er sie auch so getätigt hätte, wenn Max Kruse am Sonnabend für Union auflaufen würde, ist spekulativ. Fakt ist: Der frühere Werder-Kapitän Kruse, ein Schlüsselspieler der Berliner, fehlt Union weiterhin wegen einer muskulären Verletzung. „Einerseits finde ich es schade, dass wir uns nicht sehen“, meint Kohfeldt, der sicher gerne am ersten Spieltag nach den Weihnachtstagen mit Kruse die Kräfte gemessen hätte, „andererseits würde ich lügen, wenn ich behaupte, dass ich ihn sportlich bei Union in der Startelf vermisse. Es ist schon okay für uns, dass er nicht spielt. Ich wünsche ihm aber natürlich eine schnelle Rückkehr.“ Kruse habe bei Union seine außergewöhnliche Qualität eindrucksvoll gezeigt, und das habe bei Werder niemanden überrascht.

Mit dem Training nicht zufrieden

Solch wärmende Worte bekamen seine Spieler in dieser Woche nicht durchgehend zu hören. Zwar freute sich Kohfeldt auf der Pressekonferenz am Neujahrstag sehr über die Knallerfrage, ob sein Team denn trotz des in Bremen geltenden Böllerverbotes gegen Union ein Feuerwerk abbrennen werde. Eine ebenbürtige Antwort konnte er aber nicht geben, er verwies nur auf den „positiven Trend“, den seine Mannschaft durch die Siege in Mainz und Hannover kurz vor Weihnachten gezeigt habe. Die Unterbrechung durch die freien Festtage war danach zwar kurz, aber offenbar lang genug, um den ein oder anderen Spieler vom Kurs abzubringen. Das zeigte sich beim Training in dieser Woche. Besonders die Einheit einen Tag vor Silvester gefiel dem nach eigener Aussage derzeit „sehr wachsamen“ Kohfeldt überhaupt nicht, wie er berichtet, „und das habe ich der Mannschaft auch deutlich gesagt“. Denn, so warnt der Trainer: Werder dürfe sich nicht den geringsten Spannungsabfall erlauben. Sonst könnten alle Anstrengungen, diesen Kader stabil in der Bundesliga zu halten, doch wieder durch nervenaufreibenden Abstiegskampf erschwert werden. „Bis auf den ersten Spieltag gegen Hertha war die Mannschaft in dieser Saison immer da“, meint Kohfeldt, „und das werden wir auch gegen Union sein. Da bin ich mir sicher. Das Training am nächsten Tag war schon völlig anders.“

Das Spiel gegen Union wird aber nicht nur deshalb wichtig, weil ein Sieg im ersten Spiel des neuen Jahres einen weiteren Schub geben kann und es auch fürs eigene Image ziemlich gut wäre, wenn man auf dem Platz beweisen könnte, dass Kruses neuer Herzensklub nicht so viel besser ist, wie die Tabelle es vermuten lässt. Es geht auch darum, den gerade erst durch den Sieg in Mainz hart erarbeiteten Abstand zu den Abstiegsplätzen nicht frühzeitig wieder herzugeben.

Was bringen die Wechsel in Schalke und Mainz?

Zumal sich tief unten im Tabellenkeller einiges getan hat über die Feiertage: Die beiden Schlusslichter der Tabelle, Schalke und Mainz, haben ihre Trainer gewechselt und wollen in den verbleibenden 21 Spielen alles versuchen, um Konkurrenten wie Werder doch noch einzuholen. Derzeit sind die Bremer acht Punkte von den Abstiegsplätzen entfernt, vor dem Duell mit den frechen Berlinern. „Wir haben das natürlich mitbekommen“, sagt Werders Manager Frank Baumann zu den Veränderungen auf Schalke (neuer Trainer) und Mainz (neuer Vorstand, neuer Sportdirektor und neuer Trainer). Man können aber heute „noch nicht sagen, welche Auswirkungen das bei diesen Vereinen hat“, erklärt Baumann, „das werden erst die nächsten Wochen und Monate zeigen. Es gab schon Fälle, wo solche Veränderungen eine positive Wirkung hatten. Es gab aber auch Beispiele, wo das nicht den kurzfristig erhofften Effekt brachte“. Werder sei jedenfalls gut beraten, so Baumanns Neujahrsbotschaft, „nicht so viel auf die anderen zu schauen, sondern mehr auf uns“. Genau das ist seit zwei Jahren der sehr erfolgreiche Weg von Union Berlin.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+