Werder-Stürmer holt in der Vorbereitung auf

Torschützenkönig Selke greift an

Dass ausgerechnet er in der Vorbereitung so gut treffen würde, war nicht abzusehen: Davie Selke hat in den Testspielen geliefert und drängt im Pokal gegen Jena in die Startelf. Das hat Gründe...
08.09.2020, 09:29
Lesedauer: 2 Min
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Torschützenkönig Selke greift an
Von Jean-Julien Beer
Torschützenkönig Selke greift an

Erledigt seinen Job ernsthaft und gut: Werder-Stürmer Davie Selke, hier im Luftkampf im Strafraum gegen St. Pauli.

nordphoto

Es gab keinen Jubelschrei. Noch nicht mal eine Siegerfaust. So cool wie zuvor bei seinem Elfmeterschuss blieb Davie Selke auch im Moment seines persönlichen Triumphs: Mit dem Treffer zum 7:0 gegen den Regionalligisten BSV Rehden hatte sich der Angreifer gerade zum Torschützenkönig der Bremer Saisonvorbereitung gekürt, allein gegen Rehden gelang ihm ein Dreierpack. Doch statt großer Gesten lässt Selke seit Wochen lieber Taten sprechen, oder besser: Tore. Fünf Treffer gelangen dem Mittelstürmer bei seinen Testspieleinsätzen, in der internen Wertung rangiert er damit vor Johannes Eggestein (4) und Neuzugang Tahith Chong (3).

Selke weiß, dass er nach seinem enttäuschenden ersten halben Jahr liefern muss. Kein einziges Bundesligator hatte er zu Werders Klassenerhalt beigesteuert, obwohl er im Winter als vermeintlicher Retter von Hertha BSC ausgeliehen worden war. Gegen Ende der Rückrunde spielte er kaum noch eine Rolle. So blieb sein frühes Tor im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Dortmund der einzige Höhepunkt nach seiner Rückkehr, damals wurde der Treffer noch von den Fans im Hexenkessel Weserstadion gefeiert.

Auch mal mit Flanken

Inzwischen gibt es wegen Corona keine Zuschauer mehr. Dafür erlebt Werder nun mehr Selke-Tore. Das liegt nicht nur an einer spürbaren Ernsthaftigkeit des Stürmers auf dem Feld, sondern auch an einer veränderten Bremer Spielanlage. Trainer Florian Kohfeldt lobte nach dem 7:0 gegen Rehden „die gute Mischung aus Kombinationsspiel aber auch einfachem Spiel in den Strafraum“. Seine Mannschaft sei sich nicht zu schade gewesen, „mal durch eine gute Flanke von der Seite eine Aktion im Strafraum zu haben, und eben nicht bis zur Grundlinie durchzuspielen und den Ball ins Tor tragen zu wollen“.

Das sei eine Spielweise, „die Davie Selke als Strafraumstürmer zugutekommt“, weiß Kohfeldt, „er ist ein Boxspieler, er setzt sich da gut durch. Er positioniert sich im Strafraum und kommt gut zu Kopfbällen, ähnlich wie Josh Sargent und Niclas Füllkrug. Diese Art von Spielertypen müssen wir nutzen“. Damit zählte der Trainer auch gleich mal die ärgsten Konkurrenten auf für Selke, der sich als Herausforderer einen Platz im Angriff erkämpfen muss und mit seinen Toren die besten Argumente liefert. Auf solche Treffer hatte Werder auch deshalb gehofft, weil der Verein den Stürmer nach der neuen Saison kaufen muss, für eine Ablöse von etwa zwölf Millionen Euro – eine Summe, die noch vor Corona festgeschrieben wurde und deren Wirksamkeit nur ein Bremer Abstieg verhindern könnte. Mit jedem Tor erhöht Selke seinen Stellenwert und seinen Marktwert.

Jena sagt nichts über Hertha aus

Nach dieser Vorbereitung hat der 25-Jährige gute Chancen, zum Pflichtspielauftakt gegen Jena zur Startelf zu gehören. Zumal auch dieser Gegner wie Rehden aus der Regionalliga kommt und dem großen Selke (1,92 Meter) wenig entgegenzusetzen hat. Eine Einsatz-Garantie zum Bundesligastart gegen Hertha würde aber auch ein erneuter Dreierpack nicht bedeuten, betont Kohfeldt allgemein: „Wenn man gegen Jena in der Startelf steht und drei Tore macht, heißt das noch lange nicht, dass man auch gegen Hertha in der Startelf steht.“ Dafür sei der Konkurrenzkampf zu groß. Immerhin: Anders als in der Rückrunde dürfte Selke diesmal gegen Hertha dabei sein, die ängstliche Spielverbots-Klausel aus den Berliner Klinsmann-Zeiten galt nur für ein Spiel. Etwas anderes hatten die Beteiligten auch nie gesagt.

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