Fans feiern Werder, Klaassen will den HSV

Mit Getränk und Gesang

Es waren Szenen wie von einer Meisterfeier draußen vor dem Weserstadion. Die Spieler ließen sich trotz ihres 6:1-Sieges aber nicht von der Euphorie anstecken: Sie haben nun noch zwei weitere Endspiele vor sich.
27.06.2020, 19:28
Lesedauer: 2 Min
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Von Jean-Julien Beer und Christoph Sonnenberg
Mit Getränk und Gesang

Nach dem Abpfiff vor dem Weserstadion: Die Fans feierten draußen das Erreichen der Relegation.

gumzmedia/nordphoto

Es war ein paar Minuten nach Schlusspfiff, da wurde bei Werder schon gesungen. Aus dem VIP-Bereich der Nordgerade des Weserstadions, dort also, wo die Führungsetage der Bremer das Spiel gegen Köln verfolgt hat, war klassisches Liedgut zu hören: „Schenket ein, schenket ein, es zahlt der Verein." Die Erleichterung, mit der Relegation zumindest ein kleines Zwischenziel erreicht zu haben, war zu hören. Und sie macht offenbar durstig.

Draußen vor dem Stadion sah es nicht anders aus, trotz Corona-Pandemie. Bei schweißtreibenden 30 Grad und nach einem heißen Nachmittag fanden sich schnell mehr als 2000 Fans ein, mit Fahnen, Bier, guter Laune und - auch hier - schönem Liedgut. Von „Wunder gibt es immer wieder“ bis zu „So ein Tag, so wunderschön wie heute“: Es herrschte pure Erleichterung nach diesem 6:1-Sieg. Zwischenzeitlich musste der Verein seine Fans über die sozialen Medien auffordern, trotz aller Begeisterung bitte nicht zum Stadion zu kommen. Schließlich soll ein reguläres Saisonende nicht durch Verstöße gegen die wichtigen Coronaregeln gefährdet werden.

Werder hat zunächst Heimrecht

Denn auch wenn alles vor dem Stadion wie eine kleine Meisterfeier wirkte, hat Werder eigentlich noch gar nichts zu feiern. Klar, der direkte Abstieg wurde vermieden, womit eine Menge Ballast abfällt. Aber den endgültigen Klassenerhalt muss Werder nun in den beiden Relegationsspielen gegen den Tabellendritten der zweiten Liga sichern, der erst am Sonntag feststeht: entweder der 1. FC Heidenheim oder tatsächlich der große Rivale Hamburger SV. Das Hinspiel ist am Donnerstag, 2. Juli (20.30 Uhr) im Weserstadion, das Rückspiel folgt am Montag, 6. Juli (ebenfalls 20.30 Uhr) beim Zweitligisten. Davy Klaassen sagte: „Es gibt noch zwei Finals. Beide Mannschaften fangen dann wieder von Null an. Ich habe noch kein Derby gegen den Hamburger SV gespielt, vielleicht wäre das eine schöne Sache.“ Niclas Füllkrug, der erstmals seit seinem Kreuzbandriss wieder von Beginn an spielte und ein wichtiges Tor zum 3:0 schoss, brachte es nüchtern auf den Punkt: "Mir ist egal, gegen wen wir spielen. Wichtig ist nur, dass wir gewinnen.“

Vogt fehlt im ersten Spiel

Entsprechend kühl ging es nach dem Spiel im Kabinentrakt zu. Wer auf gröhlende und feiernde Werder-Profis wartete, der wurde enttäuscht. Denn gleich nach dem Erfolg gegen Köln richtete sich alle Konzentration auf die Relegationsspiele. Recht unbemerkt verschwanden die Spieler einzeln vom Ort des Geschehens, durch eine Tiefgarage an der Seite des Weserstadions. Ob per Taxi oder im Dienstwagen – kaum jemand achtete auf die 6:1-Sieger, weil zeitgleich die 1:6-Verlierer in den Kölner Mannschaftsbus stiegen, unter Applaus der Werder-Fans und lautstarken „Scheiß-Fortuna!“-Gesängen, mit denen der Kölner Rivale Düsseldorf gemeint war, der nun statt Bremen auf Platz 17 direkt abstieg.

Mit Blick auf die Relegationsspiele gibt es für Werder schlechte und gute Nachrichten: Kevin Vogt fällt für das erste Duell wegen einer Gelbsperre aus, er sah nach einem taktischen Foul gegen Köln die fünfte Gelbe Karte. Dafür sind andere Leistungsträger genau zum richtigen Zeitpunkt wieder in Form gekommen: Nicht nur Füllkrug und Yuya Osako bestätigten gegen Köln ihre zuletzt schon gute Verfassung, auch der zuvor angeschlagene und glücklose Milot Rashica machte ein starkes Spiel und will sich offensichtlich mit dem Klassenerhalt aus Bremen verabschieden.

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