Trotz 1:1 bei Bayer droht Kohfeldt dem Team Werder an einem besonderen Punkt

Mit dem Punktgewinn beim Topteam könnte man zwar zufrieden sein, aber Florian Kohfeldt will mehr: Der Trainer erwartet nach der schwachen Leistung gegen Union, dass es keinen Rückfall in alte Muster gibt.
10.01.2021, 15:45
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Knips

Wenn ein Tabellen-14. bei einem Spitzenteam ein 1:1 erkämpft, dann sollte der Trainer des Außenseiters eigentlich sehr zufrieden sein. War Florian Kohfeldt aber nicht. Zwar freute er sich über die gute Defensivleistung seines SV Werder und den Punktgewinn bei Bayer Leverkusen, monierte aber auch das schwache Offensivspiel und bohrte noch einmal tief in der längst noch nicht abgeheilten Wunde, die das 0:2-Desaster in der Woche zuvor gegen Union Berlin hinterlassen hat. Werder steht nach dem 1:1 in Leverkusen an einem besonderen Punkt in dieser Saison – und an dem will Kohfeldt seine Spieler besonders energisch anpacken, um im Abstiegskampf zu bestehen.

„Ich könnte es mir heute einfach machen und sagen: Wir sind zufrieden“, meinte Kohfeldt. Doch er habe eine andere „Botschaft“ an seine Mannschaft: „Jetzt kommt Augsburg, und da müssen wir genauso scharf sein – das werden die Spieler die Woche über merken.“ Die Trainingseinheiten würden wegen der Witterungsbedingungen zwar etwas kürzer, „aber schärfer“, wie der Coach ausdrücklich betonte und gab noch einen Einblick in seine Arbeit: „Ich war in der Woche nach dem Union-Spiel nicht richtig laut. Ich habe auch keine Zweikämpfe trainieren lassen. Denn ich habe darauf gesetzt, dass auch so eine Reaktion von der Mannschaft kommen wird.“

Mit Erfolg, die Reaktion konnte sich sehen lassen. Jedenfalls in der Defensive traten Theodor Gebre Selassie und Co. wesentlich bissiger auf, waren eng bei den Gegenspielern, gewannen 56 Prozent der Zweikämpfe und gestatteten Bayer nur zwei echte Torchancen. Die zweite nutzte Patrik Schick zum Ausgleich (70.) und egalisierte damit die Führung von Ömer Toprak (52.). Doch dieser Auftritt seines Teams reicht Kohfeldt längst noch nicht als Wiedergutmachung. „Es ist wichtig, dass wir das auch nächste Woche wieder so machen – und auch noch in acht Wochen, wenn alle Union Berlin wieder vergessen haben. Aber ich werde Union Berlin nicht vergessen, das kann ich versprechen“, prophezeite der Coach und fügte fast schon drohend mit Blick auf das Training in dieser Woche an: „Ich werde jetzt da sein!“

Es wird dabei nicht allein um die angesprochene Schärfe gehen. Es gibt schließlich noch andere Baustellen. Vorneweg das Offensivspiel. „Damit bin ich nicht zufrieden“, meinte der Coach, verteidigte zunächst aber die wohl deutlichste Mauertaktik, seit er vor gut drei Jahren den Cheftrainerposten bei Werder übernommen hat. Vor einer Fünferkette hatte Kohfeldt gleich drei Sechser installiert – und auch die beiden Stürmer agierten überwiegend tief in der eigenen Hälfte. Werder kam so nur auf 27 Prozent Ballbesitz. „Ich liebe es, vorne drauf zu gehen, den Ball zu haben und Kombinationsfußball zu spielen. Es bleibt auch das Ziel, es irgendwann wieder zu spielen“, versprach Kohfeldt zwar. Aber gegen eine Mannschaft mit so viel Kreativität im Mittelfeld und vor allem so schnellen Außenstürmern wie Moussa Diaby und Leon Bailey „ist es für uns nicht drin, höher anzulaufen“.

Eine Bremer Qualitätsfrage also – vor allem im Mittelfeld und im Angriff. Mit dem einsatzfähigen Personal lässt sich kaum Druck auf einen Gegner wie Leverkusen ausüben, in der BayArena fiel ja schon das Kontern schwer. Dazu passt eine gruselige Statistik: Werder spielte nur 264 Pässe, von denen auch nur 153 ankamen, das macht eine erschreckende Passquote von 58 Prozent. Bei Leverkusen sah das mit 708 Pässen und einer Quote von 87 Prozent ganz anders aus. Trotzdem war Werder in Führung gegangen – passenderweise durch ein Tor nach einer Standardsituation. Mehr echte Torchancen gab es nicht. „Wir hatten so viele Möglichkeiten, nach vorne etwas zu entwickeln. Die Positionen auf dem Platz waren gut, die individuellen Entscheidungsfindungen aber wieder nicht“, haderte Kohfeldt.

Kaum ein Angriff wurde ausgespielt, weil eben immer wieder ein Fehlpass dazwischenkam. Das galt ganz besonders für Tahith Chong, aber auch für Kevin Möhwald, Maximilian Eggestein und Josh Sargent. Später auch für die eingewechselten Davie Selke und Romano Schmid, der immerhin sehr frech agierte. Damit fiel er genauso positiv auf wie Niclas Füllkrug, der allein schon mit seiner Präsenz mentalen Druck auf den Gegner ausübt.

Darauf ruhen nun auch Kohfeldts Hoffnungen. Füllkrug soll Werder nach seiner Verletzungspause vorne wieder gefährlicher machen. Gleiches gilt für Milot Rashica, der gegen Augsburg endlich wieder dabei sein soll. Gegen das Team aus dem Tabellen-Mittelfeld will Kohfeldt wieder mehr den Ball haben – und natürlich würde nun auch das Spielerische auf dem Trainingsplan stehen. „Aber wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, dass wir es in sieben Tagen schaffen, es hinzubekommen, Augsburg spielerisch auseinanderzunehmen“, hob Kohfeldt hervor.

In der Saison nach dem Fast-Abstieg bleibt es bei kleinen, mühsamen und nicht immer sonderlich ansehnlichen Schritten dieser Mannschaft. „Einsatz, Mentalität und Disziplin waren top. Um den Abstand nach unten stabil zu halten, dafür ist der Punkt Gold wert. Unsere Gesamtsituation hat sich leicht verbessert“, urteilte der Coach. Nur zufriedengeben darf sich damit niemand – ansonsten bekommt er es mit Kohfeldt zu tun.

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