Die Bundesliga-Kolumne von Lou Richter Es darf gerne etwas prickeln

Werder steht im DFB-Pokal Viertelfinale und einige Fans träumen schon von dem Finale in Berlin. Auch Lou Richter hat Visionen zum weiteren Turnierverlauf für die Bremer.
20.02.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Lou Richter

Wer Visionen hat, der sollte zum Arzt gehen, stellte Altkanzler und Hochleistungsraucher Helmut Schmidt lapidar fest. Hallo, Herr Doktor, ich habe folgende Vision: 2. März, Viertel­finale DFB-Pokal, Werder spielt bei Jahn Regensburg. Die Nachfahren des Turnvaters können dabei einen Rekord aufstellen: Noch nie hat es ein Verein geschafft, nacheinander in vier Runden des DFB-Pokals jeweils ins Elfmeterschießen zu kommen. Da spielt Werder mal mit, Straf-Stoß ist Spaß-Stoß, so werden die wackeren Domspatzen aus dem laufenden Betrieb entfernt. Halbfinale.

Ein Heimspiel, wie vor zwei Jahren, aber diesmal kommt nicht Bayern München, sondern Holstein Kiel, das sich souverän beim tapferen Regionalligisten in Essen durchsetzte. Ebenso abgezockt rupfen die Bremer die Störche dank eines Füllkrug-Hattricks und – taataaa – ziehen zum ersten Mal seit zwölf Jahren wieder in’s Berliner Finale ein. Der Gegner ist die Leipziger Betriebssportgruppe eines Brauseherstellers, sie nennen sich stolz die Roten Bullen (Bulle: sächsisch für Flasche). In einer heroischen Abwehrschlacht verteidigen die Grün-Weißen ihr Gehäuse wie Superman Metropolis, es kommt zum Showdown im Elfmeterschießen. Wie damals 1999 triumphiert Werder und wird Pokalsieger 2021. So, was ist jetzt, Herr Doktor? Aha, unheilbar gesund?! Toll. Dankeschön.

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Dummerweise blüht da noch ein Strauß an weniger fröhlichen Visionen. Wie wär’s damit: Florian Kohfeldt erliegt dem Lockruf der Fohlen, ein neuer Coach muss her. Steht eigentlich irgendwo in der Werder-­Satzung, dass dann der Trainer der U 23 befördert wird? So war es bei den letzten drei Wechseln, aber welches Kunststück kann Konrad Fünfstück? Will man Ole Werner von der Förde an die Weser lotsen? Muss Bruno Labbadia überall da, wo er als Spieler knipste, auch als Trainer wirken? Am liebsten wär es mir, Kohfeldt bliebe.

Dann schwurbelt konsequenterweise diese Vision: Werder spielt weiter einen Fußball, der so erfreulich ist wie Verlautbarungen des Robert-­Koch-Instituts. Fußball nach der Devise: pragmatisch, torarm, ohne Mut, also wenig von dem, was Kohfeldt ursprünglich etablieren wollte. Das lässt sich aber angesichts der Fähigkeiten des Kaders anscheinend kaum umsetzen. Stabilität first, ja, okay, seh’ ich ein … Aber wie weit hätten es Brad Pitt oder Heidi Klum gebracht, wenn ihre hervorstechendste Qualität wäre, „stabil“ zu sein? Es darf gerne etwas prickeln. Lustfeindlich ist da, wenn auf dem Transfermarkt eher kassiert als investiert wird, wenn der Kurs wegen Corona heißt: Wir müssen sparen, koste es, was es wolle!

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Und dann ist da ja allgemein die Horrorvision von noch lange währenden Geisterspielen. Und die von der galoppierenden Entfremdung zwischen Profi-Blase und Fan-Basis … Ich hör’ schon auf. Das Spiel wurde erfunden, um Freude zu machen. Das Spiel ist wichtiger als jeder Verein, und der ist wichtiger als alle Spieler, Trainer, Funktionäre. Die Vision muss sein: Ähm …hier fügen Sie bitte selber ein, was Sie vom Fußball erwarten. Hoppla, hier kommt gerade noch ’ne Vision rein: Auswärtssieg in Hoffenheim – meint mein Doktor.

Info

Zur Person

Lou Richter (60) wurde durch die Moderation der Sat.1-Sport-sendung „Ran“ bekannt. Im wöchentlichen Wechsel mit Jörg Wontorra, Christian Stoll und Daniel Boschmann schreibt er in unserer Zeitung, was ihm im Bundesliga-Geschehen aufgefallen ist.

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