Die Bundesliga-Kolumne von Daniel Boschmann

Die erste souveräne Arschbombe

Mit einer guten Punkteausbeute ist Werder in die Saison gestartet, die ganz große Freude bricht bei den Fans aber nicht aus. Unser Kolumnist Daniel Boschmann hat jedoch überhaupt keine Lust auf Miesmacherei.
17.10.2020, 10:34
Lesedauer: 2 Min
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Von Daniel Boschmann
Die erste souveräne Arschbombe

Unser Kolumnist Daniel Boschmann hat keine Lust auf Miesepeter.

WESER-KURIER

Machen wir uns nichts vor, ein ästhetischer Genuss mit überbordender Dominanz waren die Bundesliga-Spiele bislang eher nicht. Das ist mir ehrlich gesagt aber sehr egal. Wenn Leipzig, Augsburg, Frankfurt, München, Dortmund und Hoffenheim nicht gewinnen, ist am Wochenende sogar die Tabellenspitze drin! So muss man das mal sehen!

Geneigte Werder-Enthusiasten, wir haben uns hier versammelt, um das Wochenende zu planen. Mit der Feststellung, dass diese Nations League wirklich zum Abgewöhnen ist und bis auf Corona-Souvenirs überhaupt nichts bringt, widmen wir uns dem Fußball, der uns tatsächlich interessiert. Bundesliga. Auswärtsspiel im Breisgau. Ab nach Freiburg. Ich habe mich wieder umgehört, umgelesen und umgesehen und bemerke weiterhin eine hartnäckige Skepsis unter den Grün-Weißen. Gegen Schalke gewinnt sogar meine Oma, Bielefeld muss man schlagen, was war das gegen die Hertha und wieso spielen die nur 45 Minuten mit? So richtig glücklich scheint niemand zu sein, obwohl wir schon zwei Siege bejubeln durften. Jede Analyse beginnt mit „Ja, aber ...“. Ich verstehe das nicht. Wenn ich mich jetzt nicht mal freuen kann, wann dann? Nur, wenn wir 2004er-Cirque-Du-Soleil-Fußball spielen?

Wie früher im Freibad

Werders Hinrunden-­Start ist doch wie früher im Freibad. Die letzte Saison war so, als ob fiese Jungs uns den ganzen Sommer untergetaucht und uns permanent die Pommes geklaut haben. Da kommst du am nächsten Tag auch eher vorsichtig zurück und bist froh, wenn sie Dir nicht vor allen die Badehose runterziehen. Werder schwimmt sich langsam frei und jetzt am Wochenende kommt die erste souveräne Arschbombe und allen nicken uns wohlwollend zu. Der Rest ist wie in der Schule.

Milot Rashica ist der coole Oberstufenschüler, der eigentlich ein Highschool-Jahr in Amerika machen wollte, aber jetzt doch hier bleibt, weil die Austauschfamilie abgesprungen ist. Erst mal peinlich, aber nach zwei Keilereien in der Raucherecke auch wieder vergessen. Zwei Köpper vom Zehner und alle jubeln wieder.

Talentiert, aber vergesslich

Jahrgangssprecher Davy ist von der Schule geflogen, fällt aber keinem auf, weil Manu Mbom, auf den jetzt alle stehen, gleich ein paar Ansagen gemacht hat. Tahith Chong aus der Theater-AG ist zwar mega talentiert, vergisst aber gerne seinen Text und muss erst mal die Nebenrolle spielen. Die Lehrer hatten sich die Ferien auch ein bisschen anders vorgestellt. Die Projektoren sind immer noch kaputt und Geld für neue Laptops gibt‘s auch nicht. Nur neue Auflagen vom Land. Und wir, die Fans, sitzen als Mamas uns Papas zu Hause und fragen uns, warum im Vokabeltest aktuell immer nur ‚ne Drei rausspringt. Viel zu wenig! Lernen die bei dem Lehrpersonal überhaupt was?

Vorschlag: Wir machen weniger auf Helikopter-Eltern und lassen die anderen ihre Hausaufgaben machen. Aus den letzten drei Duellen mit dem SC Freiburg hat Werder sieben Punkte mitgenommen. In 40 Bundesligaduellen ist Bremen 23 Mal als Sieger nach Hause gefahren und nur neunmal mit leeren Händen. Mir gibt das ein gutes Gefühl.

Info

Zur Person

Daniel Boschmann (40)

ist Moderator des „Sat.1-Frühstücksfernsehens“. Er ist Werderfan seit Kindertagen. Im wöchentlichen Wechsel mit Jörg Wontorra, Lou Richter, Christian Stoll und Peter Gagelmann schreibt er in unserer Zeitung, was ihm im Bundesliga-Geschehen aufgefallen ist.

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