Werder-Profi war erstmals seit November dabei

Langkamp: „Ich war selbst überrascht“

Nach dem wichtigen Sieg auf Schalke freut sich Sebastian Langkamp, dass Werder alles wieder in der eigenen Hand hat. Die zuletzt guten Ergebnisse liegen für ihn auch in der Corona-Pause begründet.
31.05.2020, 11:58
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Von Jean-Julien Beer
Langkamp: „Ich war selbst überrascht“

Erstmals in dieser Rückrunde für Werder am Ball: Innenverteidiger Sebastian Langkamp.

nordphoto

Sebastian Langkamp hat in seiner Karriere mehr als 200 Spiele in der ersten und zweiten Bundesliga bestritten, deshalb kann einen Routinier wie ihn eigentlich nicht mehr viel überraschen. Doch am Sonnabend in Gelsenkirchen begann der Tag für den 32-jährigen Innenverteidiger dann doch mit einer Überraschung. Langkamp hatte gerade mit der Mannschaft das Frühstück eingenommen, als es auf einen gemeinsamen Spaziergang ging. „Da hat mit der Trainer die Nachricht überbracht, dass ich gegen Schalke in der Startelf stehe“, erzählte Langkamp.

Es sollte sein 187. Spiel in der 1. Liga werden, aber erst das erste in dieser Rückrunde und überhaupt das erste für Werder seit seiner schwachen Leistung im November bei der 1:2-Heimniederlage gegen, na klar, Schalke. Seine Reaktion beim Morgenspaziergang? „Ich bin nicht hochgesprungen, das wäre wahrscheinlich auch das falsche Signal gewesen“, berichtete Langkamp am Sonntag im Talk von „WerderStrom“, aber innerlich habe er sich gefreut: „Ich war auch selbst ein bisschen überrascht, es gab ja auch andere Alterativen.“

Nicht schwer für neue Spieler

Von der Fitness her sei der unerwartete Einsatz kein Problem gewesen. „Körperlich fühle ich mich ganz gut, wir haben in der Coronazeit individuell sehr gut gearbeitet und konnten sehr viel aufholen. Auch ich hatte vorher ja einige Zeit der Saison durch Verletzungen verpasst.“ Zudem sei es in der derzeitigen guten Verfassung der Bremer Mannschaft kein Proble­m, ins Team zu rutschen: „Es ist gerade nicht so schwer, als neuer Spieler in den Mannschaftsverbund zu kommen, wenn man mal ran darf, weil die Mannschaft in der letzten Spielen gerade sehr gut funktioniert.“

Die drei Spiele ohne Gegentor zuletzt gegen Freiburg, Gladbach und nun Schalke seien ein Beleg für eine gute Defensivleistung: „Und das ist die Basis für Erfolg. Die Wahrscheinlichkeit steigt, ein Spiel zu gewinnen, wenn man kein Gegentor bekommt. Das ist wohl jedem bewusst. Das ist ein Qualitätsmerkmal unserer Mannschaft in den letzten drei Spielen gewesen. Denn: Egal, wer gespielt hat, die defensive Stabilität war immer gegeben.“

Jetzt sind ganz andere Wege möglich

Trotz der schwierigen Saison habe auch der Teamgeist immer gestimmt, auch wenn es Probleme auf dem Feld gab. „Wir müssen uns eingestehen, dass wir vor Covid-19 individuell nicht in der Lage waren, nach 60 oder 70 Minuten noch Vollgas zu spielen“, sagte Langkamp, „ich glaube, die Laufkilometer der letzten Spiele sprechen für sich. Das ist die Basis dafür, dass wir jetzt ganz andere Wege gehen können. Auch die Trainingsintensität und der Konkurrenzkampf steigen dadurch, zumal es nun weniger Verletzte bei uns gibt. Das sind alles so kleine Rädchen, die jetzt ineinander greifen und die uns hoffentlich zum Klassenerhalt führen.“

Die Gelegenheit ist nach den sieben Punkten aus den letzten drei Spielen zumindest wieder so gut wie seit Monaten nicht mehr. „Die Tabellenkonstellation ist so, dass wir es mit dem Nachholspiel gegen Frankfurt jetzt zumindest wieder in der eigenen Hand haben“, erklärte Langkamp, „deshalb war der Sieg auf Schalke wichtig, wir mussten das Spiel gewinnen. Wir waren froh und erleichtert, dürfen es aber auch nicht zu hoch hängen. Wir haben am Mittwoch gegen Frankfurt die Chance, Punkte nachzuholen und uns eine sehr gute Ausgangsposition für die restlichen Spiele erarbeiten.“

„Am Saisonende reflektieren“

Sehr viel Mit mache gerade jetzt auch, „wie wir Spiele jetzt gewinnen und auch über die Zeit bringen können“, betonte der Abwehrspieler, „das war bis dato nicht gegeben. Es muss aber allen bewusst sein, dass es noch Nachholbedarf gibt. Wenn wir es am Ende der Saison geschafft haben, dann freuen wir uns – dann müssen wir aber auch alle selbst reflektieren, was schief gelaufen ist.“

Dass man sich auch als Routinier im Kopf auf neue Situationen einstellen kann, beweisen die aktuellen Wochen der Bundesliga mit den vielen Geisterspielen in kurzer Zeit. „Vor Covid-19 hätte man sich gar nicht vorstellen können, so viele englische Wochen nacheinander spielen zu können“, sagte Langkamp, „aber dadurch, dass wir jetzt ganz intensiv trainiert haben in dieser Phase, macht uns das umso stärker. Deshalb sind viele Spieler jetzt in der Lage, viele Partien hintereinander zu bestreiten. Auch das spricht für unser Fitness-Level."

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