Werders Startelf zeichnet sich bereits ab

Nur ein Neuer in der Stammformation

Auch wenn es vor allem in der Defensive bei Werder Veränderungen gibt: Eine Stammformation mit vielen Neuzugängen ist nicht zu erwarten. In allen Mannschaftsteilen zeichnet sich das Personal bereits ab.
26.08.2020, 15:19
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Jean-Julien Beer und Christoph Sonnenberg
Nur ein Neuer in der Stammformation

Große Auswahl, klarer Plan: Florian Kohfeldt vor der neuen Saison mit Werder Bremen.

dpa

Es ist ein beliebtes Spiel in jedem Sommer, über die mögliche Stammformation der Bundesliga-Mannschaften zu diskutieren. Welcher Neuzugang schafft es ins Team? Wer setzt sich durch? Auch bei Werder stehen diese Fragen an, und nach den Eindrücken aus dem Trainingslager im Zillertal sind sie in großen Teilen beantwortet. Wenn man davon ausgeht, dass der von allen Seiten gewollte Transfer von Milot Rashica noch über die Bühne geht, kristallisiert sich eine Bremer Stammformation heraus, in der vorerst nur ein Neuzugang stehen dürfte: Patrick Erras, der aus Nürnberg gekommene Mittelfeldhüne.

Doch die Namen sind Trainer Florian Kohfeldt nicht wichtig, ihm geht es um Prinzipien. „Für mich ist wichtig, dass die Achterräume und die Flügel besetzt sind“, erklärt er. „Den Rest richten wir dann nach dem Gegner aus.“ Ein 4-3-3-System ist eine mögliche Variante und wurde in der Vorbereitung bisher oft gespielt, doch auch ein 4-4-2 ist jederzeit möglich mit Yuya Osako als Zehner hinter zwei Spitzen. Hier der Blick in die einzelnen Mannschaftsteile:

Die Torhüter:

Anders, als man zu Beginn der Vorbereitung vermuten konnte, gibt es offenbar keine Veränderung. Durch die Corona-Krise ist der Transfermarkt derart schwierig, dass Werder für Jiri Pavlenka und Stefanos Kapino keine Abnehmer findet und erneut mit diesem Duo in die Saison geht. Dass Pavlenka dabei die klare Nummer eins bleibt, steht für Kohfeldt fest: „Jiri Pavlenka ist sehr fit und sehr fokussiert auf seine Aufgabe. In der Kombination mit Stefanos Kapino würde ich mich sehr wohlfühlen, wenn wir so in die Saison gehen. Klar ist, dass Pavlenka einen deutlichen Vorsprung hat. Da muss schon viel passieren, damit er nicht spielt.“ Ursprünglich wollte der selbstbewusste Kapino gerne den Sprung zur Nummer eins schaffen – bei Werder oder bei einem anderen Verein. „Dass er spielen will, ist völlig legitim“, sagt der Trainer. „Durch seine Leistungen in anderthalb Bundesliga-­Spielen und Testspielen hat er gezeigt, dass er ein sehr guter Torwart ist. Ich würde mich auch mit ihm als Nummer eins wohlfühlen, aber ich sehe Pavlenka aktuell noch einen Tick besser, was vielleicht auch an der Spielerfahrung liegen kann.“

Die Abwehr:

Auf den defensiven Außenbahnen bleibt alles wie gewohnt: Rechts geht Routinier Theodor Gebre Selassie in seine letzte Werder-Saison, links ist Ludwig Augustinsson gesetzt, der ebenfalls keinen größeren Verein als neuen Arbeitgeber anschleppen konnte. Bei den Innenverteidigern hingegen deutet alles auf einen kompletten Wechsel hin: Der genesene Ömer Toprak und der inzwischen etablierte Marco Friedl dürften erste Wahl sein und statt Niklas Moisander und Milos Veljkovic in die Saison starten, die beide zuletzt angeschlagen einige Trainingseinheiten verpassten. Kohfeldt lobte nach dem intensiven Trainingslager im Zillertal: „Ömer Toprak macht körperlich einen sehr guten Eindruck und hat drei Wochen lang alles gemacht, was geplant war. Ich bin sehr froh, dass uns Ömer jetzt in dem Zustand zur Verfügung steht.“ Auch Friedl habe ein gutes Trainingslager absolviert, so Kohfeldt. Der Trainer hält den 22-jährigen Österreicher aber mit beiden Füßen auf dem Boden: „Trotzdem ist Niklas Moisander ein gestandener Spieler bei uns, und das über Jahre. Da ist es schon so, dass Marco an ihm erst einmal vorbei muss.“ Doch der Zeitpunkt scheint nun gekommen, wenn sich Friedl weiter auf gutem Niveau stabilisiert.

Das Mittelfeld:

Mit dem ablösefrei vom Zweitligisten 1. FC Nürnberg verpflichteten Patrick Erras ist der Trainer „sehr zufrieden, er hat sich unglaublich schnell eingefügt, spielt von seiner Position viele Achter- und Zehnerräume an. Defensiv ist er unauffällig, aber trotzdem immer da. Er fängt Bälle ab, gewinnt Bälle. Er macht kaum einen Fehler. Er löst das Pressing aus und könnte irgendwann die Rolle von Theo als am meisten unterschätzter Spieler übernehmen.“ In gewisser Weise erinnere Erras damit an den jungen Frank Baumann; der heutige Manager war einst ebenfalls aus Nürnberg nach Bremen gekommen. Erras, der mit 1,96 Metern auch die dringend benötigte Größe bei Standardsituationen einbringt, hat sich in dieser Vorbereitung in Werders Stammformation gespielt. Als Achter werden vor ihm Maximilian Eggestein und Davy Klaassen spielen. Der Niederländer soll seine Knieverletzung bis zum Saisonstart überstanden haben, sagen sie bei Werder.

Der Angriff:

Bleiben also noch drei freie Plätze für die Offensive, wobei man Yuya Osako auch als offensiven Mittelfeldspieler einstufen könnte, wenn Werder mit einer Raute agiert. Fakt ist: In der offensiven Zentrale machte der Japaner seine besten Spiele. Es wäre fahrlässig, ihn wieder zu versetzen. Bei entsprechender Fitness ist auch Niclas Füllkrug im Sturm gesetzt, um ihn herum könnten Josh Sargent oder der wieder aufblühende Johannes Eggestein agieren – wobei Sargent sich durch unermüdlichen Einsatz und einige Tore einen leichten Vorsprung erarbeitet hat. Neuzugang Tahith Chong wäre hier ebenfalls eine Alternative, er dürfte aber vor allem in der Startelf stehen, wenn neben dem zentralen Füllkrug auf den Flügeln zwei Außenstürmer agieren. In seinen ersten Tagen zeigte der von Manchester United ausgeliehene Angreifer, dass er ein gutes Tempo in Werders Offensive einbringen kann.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+