Die Legende verabschiedet sich aus Bremen

Pizarro: „Ich kann nur dankbar sein“

Zwei Tage nach seinem Karriere-Ende sprach Claudio Pizarro in Bremen über seine Zeit bei Werder und über seine Zukunft. Dabei machte er deutlich, weiterhin keinerlei Anfrage von Werder über einen Job zu haben.
09.07.2020, 10:49
Lesedauer: 4 Min
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Von Jean-Julien Beer
Pizarro: „Ich kann nur dankbar sein“

Abfahrt am Weserstadion: Mit Mundschutz, warmem Getränk und seinem Smartphone verließ Claudio Pizarro das Vereinsgelände.

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Zum Abschied wählte Claudio Pizarro höfliche und ehrliche Worte. „Werder Bremen wird immer eine Heimat von mir sein, ich bin sehr gut aufgenommen worden, als ich 1999 hier ankam. Insgesamt bin ich dann noch vier Mal gekommen, das zeigt, dass Bremen für mich sehr speziell ist“, sagte Werders Torjäger-Legende am Mittwoch in einer Medienrunde am Weserstadion, „ich kann den Fans, der Stadt und dem Verein nur dankbar sein für alles. Ich bleibe jetzt noch zwei Wochen in der Stadt, ich muss noch viele Leute treffen und mich verabschieden.“

Im Alter von 41 Jahren hatte Pizarro am Montagabend beim Relegationsrückspiel in Heidenheim seine außergewöhnliche Karriere beendet. Wie es in seinem Leben nun weitergeht, ist noch ziemlich offen, erklärte Pizarro, es gebe nur eine Konstante: den Fußball. „Ich habe meine Karriere viele Jahre verlängert. Jetzt werde ich die Zeit mit meiner Familie genießen und in Ruhe überlegen, was nun kommen soll. Aber ich werde auf jeden Fall im Fußball bleiben. Es ist das, was mich glücklich macht und es wird deshalb die Hauptsache in meinem Leben bleiben.“ Was genau er im Fußball machen werde, wisse er aber noch nicht.

Bayern-Anfrage liegt vor

Eine Anfrage des FC Bayern hat er seit vielen Monaten vorliegen. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge möchte den verdienten Angreifer gerne als Repräsentanten und Botschafter an den Münchner Rekordmeister binden. Pizarro selbst, der mit der Familie künftig in seinem Haus in München wohnen möchte, sagte dazu am Mittwoch: „Ich habe immer gesagt, dass ich das Angebot interessant finde, beim FC Bayern etwas zu machen. Aber ich wollte darüber nicht konkret sprechen, während ich noch Spieler war und die Saison noch lief. Jetzt ist die Zeit, darüber nachzudenken. Ich werde dabei auch prüfen, was das Beste für meine Familie ist.“ Vor einigen Monaten hatte Pizarro durchblicken lassen, dass er eine vergleichbare Offerte von Werder Bremen leider nicht habe. Auf konkrete Nachfrage wiederholte er das nun erneut: „Nein, von Werder gibt es noch gar keine Anfrage, hier etwas zu machen. Ich hatte mit beiden Klubs und mit beiden Städten immer eine gute Verbindung. Sie sind beide für mich sehr wichtig.“

Mit Bayern gewann Pizarro das Triple, mit Werder den DFB-Pokal. „Beides werde ich immer im Kopf haben“, sagte der Peruaner, der übrigens nicht der Meinung ist, letztlich eine Saison zu lange gespielt zu haben: „Viele sagen mir das, im letzten Jahr wäre ein guter Zeitpunkt gewesen, um aufzuhören. Aber ich hatte noch Lust, Fußball zu spielen. Auch wenn es eine schwierige Saison war, bereue ich das nicht. Ich konnte einigen jüngeren Spielern auch noch etwas beibringen, das war mir ebenfalls wichtig. Sie werden viel aus so einer schwierigen Saison lernen.“

„Die Erleichterung wurde gefeiert“

Jedoch sei dieses letzte Jahr bei Werder Bremen nicht einfach gewesen, insbesondere die letzten Wochen und Monate seiner Karriere verbucht Pizarro als „nicht gut“, denn: „Es war in den vergangenen Wochen keine einfache Situation. Am Ende haben wir das Ziel erreicht, in der Liga zu bleiben. Das war aber nicht einfach, nur zwei Unentschieden gegen Heidenheim, das war nicht so gut. Zum Glück konnten wir in der Liga bleiben. Es gab eine Feier in Heidenheim, aber eigentlich war es keine richtige Feier. Es war mehr die Erleichterung, die gefeiert wurde. Es war ein stressiges Jahr für uns.“

In seiner langen Karriere mit den Stationen Alianza Lima, Werder Bremen, FC Bayern, FC Chelsea, 1. FC Köln immer wieder Werder habe es somit „sehr gute und sehr schlechte Momente gegeben“, fasste Pizarro zusammen, „aber mehr gute als schlechte. Ich bin sehr zufrieden, was ich im Fußball erreicht habe. Jetzt werde ich die Zeit haben, das im Rückblick zu genießen.“

Keine Vorbereitung mehr!

Dabei wird er sich auch das Magazin des WESER-KURIER über seine einzigartige Karriere zur Hand nehmen und den Film der ARD über sich anschauen, verriet er. „Ein bisschen was habe ich davon schon gesehen. Aber ich hatte noch nicht die Zeit, alles genau zu lesen und den Film komplett anzusehen. Aber das werde ich jetzt nachholen. Ich kann mich nur bedanken bei allen, die meine Karriere so gewürdigt haben.“

Mit Blick auf die nächsten Wochen stellte Pizarro erleichtert fest: „Ich muss keine Vorbereitung mehr machen! Aber ich werde immer noch Sport machen, keine Sorge, weil mir das wichtig ist.“ Zunächst ist aber Handarbeit gefragt, denn sein Smartphone quillt fast über vor lauter Nachrichten zu seinem Karriere-Ende: „Ich habe zuletzt viele Nachrichten bekommen, ich muss also Gutes getan haben in meiner Karriere. Das freut mich.“ Auf die Frage, in welcher Stadt er denn lieber ein Pizarro-Denkmal hätte, antwortete er schon so diplomatisch wie ein Botschafter: „Ein Denkmal könnte man doch in beiden Städten aufbauen, das wäre schön.“

Abschiedsspiel in Bremen

Nur eine Stadt aber soll sein Abschiedsspiel erleben, nämlich Bremen. „Das wird auf jeden Fall im Weserstadion stattfinden“, sagte Pizarro, „aber der Zeitpunkt ist noch unklar. Wir müssen jetzt einfach die Pandemie abwarten.“

Am Ende ging es dann noch mal um Heidenheim, diesen kleinen Ort, an dem die große Karriere endete. Ober er sauer sei, dass der Trainer ihn zum Abschied nicht mal einwechselte? „Sauer bin ich nicht, aber natürlich wollte ich noch einmal für Werder spielen“, antwortete Pizarro, „ich habe mit der Zeit aber gelernt, dass es wichtiger ist, an die Mannschaft zu denken.“ Das hätte der junge Pizarro ganz sicher nicht so formuliert. Er hat also eine Menge gelernt. Und muss nun abwarten, ob außer der Anfrage des FC Bayern noch andere Offerten bei ihm eingehen.

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Das 100 Seiten starke Sonderheft des WESER-KURIER über Claudio Pizarro war zwischenzeitlich ausverkauft, doch es wurde eine zweite Auflage gedruckt. Es gibt das Magazin zur Würdigung der Werder-Legende also wieder bequem per Klick in unserem Online-Shop, in den Kundencentern des WESER-KURIER, auch in Werders Fanshop und Online-Shop sowie in den Zeitschriftenregalen in Bremen und Umgebung. Viel Spaß damit!

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