Starke Bremer spielen nur 0:0 gegen Gladbach

Ein Pünktchen Hoffnung

Was für ein Spiel! Das wäre ein packender Abend für die Fans im Weserstadion geworden. Unter Flutlicht zeigte Werder ein weiteres starkes Lebenszeichen und hatte beim 0:0 Pech mit einer Elfmeter-Szene.
26.05.2020, 22:58
Lesedauer: 4 Min
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Von Jean-Julien Beer und Christoph Bähr
Ein Pünktchen Hoffnung

Spektakuläre Flugshow: Der erneut starke Jiri Pavlenka im Bremer Tor.

nordphoto/poolfoto

Der nächste große Befreiungsschlag im Abstiegskampf gelang Werder zwar nicht, doch mit einer starken Leistung und einem 0:0 gegen Spitzenklub Borussia Mönchengladbach erarbeitete sich die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt wenigstens ein weiteres Pünktchen Hoffnung im Kampf um den Klassenerhalt. Damit endete auch eine schwarze Serie: Zuvor sieben Heimniederlagen in der Bundesliga in Folge waren ein bitterer Negativrekord in Werders Vereinsgeschichte. Nach dem Auswärtssieg am Wochenende in Freiburg (1:0) reichte der neue Bremer Elan nun erstmals wieder zu einem Heim-Unentschieden, bei dem sogar ein Sieg von den Chancen her möglich gewesen wäre.

Werder zeigte von Beginn an, dass man den spielstarken Gästen nicht das Feld überlassen wollte und präsentierte sich schon über weite Strecken der ersten Halbzeit als gleichwertiger Gegner - mit guten Eckbällen im Angriff, kernigen Zweikämpfen gegen den Ball, aber auch mit ungenauen Zuspielen in Situationen, die zu einer guten Torchance für Bremen hätten führen können. Der zuletzt unverzichtbare Kevin Vogt hatte es nach seiner in Freiburg erlittenen Hüftprellung nicht in den Kader geschafft, für ihn durfte erstmals seit dem 20. Spieltag (damals verlor Bremen mit 1:2 in Augsburg) wieder U23-Kapitän Christian Groß mitwirken – und machte das so entschlossen und einsatzfreudig, als wäre er nie aus der Stammelf geflogen.

Strittige Elfmeterszene

Ein prägnantes Duell der ersten Hälfte hieß Neuhaus gegen Pavlenka: Drei Schüsse gab Borussias Mittelfeldspieler ab, aus kurzer Distanz und aus der Ferne, aber Werders Torhüter parierte sie alle sicher.

Das zweite wichtige Duell hieß Kramer gegen Klaassen, hier aber mit einem weniger erfreulichen Ausgang für Werder: Deutschlands Weltmeister von 2014 traf Klaassen im Strafraum am Fuß, und Werders Vize-Kapitän ging in dieser 18. Minute auch sofort zu Boden. Weil die Szene im normalen Spielablauf harmlos aussah, gab Schiedsrichter Manuel Gräfe aber keinen Elfmeter für Werder. Bitter: Auch der Kölner Keller griff hier nicht ein, obwohl die Zeitlupe belegte, dass ein Strafstoß für Bremen hier die richtige Entscheidung gewesen wäre. „Das hat ganz Deutschland gesehen!“, fluchte Kohfeldt am Spielfeldrand. Aber auch damit konnte er natürlich nichts ändern. Das Spiel ging ohne Elfmeter weiter.

Nur vier Minuten später hielten alle bei Werder die Luft an: Der beim Sieg in Freiburg so starke Pavlenka kam bei einem Konter von Thuram weit aus seinem Tor, ging aber etwas unglücklich zur Sache und prallte mit beiden Händen gegen den muskelbepackten Bauch des Angreifers. Pavlenka schrie vor Schmerzen und ging zu Boden, konnte dann aber – zum Glück für Bremen – weiterspielen.

Sperre für Veljkovic

In den folgenden Minuten bis zur Pause zeigte sich eindrucksvoll, warum Werder in der Offensive derzeit eher harmlos unterwegs ist. Rashica, engagiert und willig, versuchte es aus zu weiter Distanz und eher harmlos, sein Sturmkollege Sargent hingegen rannte sich bei seinen wenigen Aktionen oft in vier oder fünf Gegnern fest und konnte so natürlich weder sich, noch den Ball behaupten. So gingen die Teams mit einem 0:0 in die Pause, nach einer temporeichen und taktisch anspruchsvollen ersten Hälfte. Übrigens: Niklas Moisander und Milos Veljkovic absolvierten bei diesem Geisterspiel jeweils ihre 100. Bundesligapartie, alle im Trikot von Werder Bremen. Veljkovic wird auf Schalke am Wochenende jedoch nicht sein 101. Spiel machen. Nach einem taktischen Foul sah er schon in der ersten Halbzeit seine insgesamt fünfte Gelbe Karte und muss nun für ein Spiel gesperrt zuschauen.

Nach dem Seitenwechsel ging es gleich mit einem Knaller weiter: Rashica hämmerte einen Freistoß aus knapp 20 Metern – nachdem er sich in Ruhe die Schuhe geschnürt hatte – mit voller Wucht aufs Tor, doch Gladbachs Schlussmann Sommer kam noch irgendwie an den Ball; den Abpraller drosch Friedl aus nächster Nähe aufs Tor, aber auch hier konnte Sommer mit seinem Körper abwehren. Rashica, in dieser Rückrunde noch torlos, schien nun an scharfen Schüssen Gefallen gefunden zu haben. Nur wenige Minuten später versuchte er es aus dem Spiel heraus von fast gleicher Stelle, doch wieder war Sommer nicht zu überwinden. Klaassen drosch den Ball in dieser Bremer Drangphase knapp drüber (57.).

Offener Schlagabtausch

Das sah alles deutlich besser, engagierter und stabiler aus als beim vorherigen Bremer Geisterheimspiel gegen Leverkusen, das mit 1:4 derbe verloren ging. Doch das Bremer Nebelhorn hatte nun nichts zu melden. Den gefährlichsten Mönchengladbacher Angriff zu Beginn der zweiten Hälfte klärte der ebenfalls deutlich verbesserte Moisander in höchster Not zur Ecke. Glück hatte Werder in der 64. Minute: Klaassen brachte Ginter im Strafraum mit beiden Händen zu Fall. Auch hier entschieden Gräfe und der Kölner Keller aber: Spielt ihr mal schön weiter!

Die Borussen, für die es um die wertvollen Plätze in der Champions League geht, wurden nun etwas stärker und drängten auf den Sieg. Doch die besten Chancen bekam zunächst mal Werder: Der eingewechselte Bittencourt bedrängt den dribbelnden Sommer im Strafraum und eroberte so den Ball, doch Sargent kam im anschließenden Getümmel nicht sauber zum Abschuss. Kurz darauf verfehlte Bittencourt mit einem tollen Weitschuss nur sehr knapp das Tor (77.). Im direkten Gegenzug zirkelte Neuhaus den Ball hauchdünn am Tor vorbei. Das volle Weserstadion wäre in so einer Phase unter Flutlicht zum Tollhaus geworden, so aber blieb die Stimmung natürlich unangemessen nüchtern für so einen offenen Schlagabtausch mit vielen Abschlüssen auf beiden Seiten. In der 89. Minute zum Beispiel lief der eingewechselte Davie Selke nach einem Pass von Klaassen alleine aufs Tor zu, doch wieder war Sommer nicht zu überwinden.

Ein Fall für Jauch

Der Siegtreffer wollte keiner der beiden Mannschaften mehr gelingen. So bieten sich die Eckdaten des letzten Bremer Bundesligaheimsieges demnächst mal für die Millionenfrage bei Jauchs „Wer wird Millionär?“ an: Der zudem auch noch einzige Liga-Heimsieg in dieser Saison datiert vom 1. September, es war der dritte Spieltag. Durch Tore von Osako, der sogar doppelt traf, und Sargent gewann Werder damals mit 3:2 gegen den FC Augsburg.

Welche Auswirkungen das Ergebnis gegen Mönchengladbach nun für Werder genau in der Tabelle haben wird, zeigt sich erst am Mittwochabend. Dann trifft Keller-Konkurrent Fortuna Düsseldorf auf den kriselnden FC Schalke 04.

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