Vize-Kapitän vor seinem letzten Werder-Spiel?

Warum Klaassen auf der Bank landete

Normalerweise ist Davy Klaassen bei Werder so gesetzt wie wenige andere Spieler. Aber was ist in diesen Tagen schon normal? Florian Kohfeldt nahm ihn gegen Heidenheim früh runter und erklärte das nun.
03.07.2020, 16:04
Lesedauer: 2 Min
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Von Jean-Julien Beer und Christoph Bähr
Warum Klaassen auf der Bank landete

Standen gemeinsam in Bremen im Regen: Davy Klaassen und Trainer Florian Kohfeldt.

gumzmedia/nordphoto

Das waren schon merkwürdige Szenen. Statt durch kluge Pässe oder gewonnene Zweikämpfe auf dem Feld zu helfen, verfolgten der Kapitän und der Vizekapitän von Werder Bremen die Schlussphase des trostlosen, aber sehr wichtigen Relegations-Hinspiels gegen Heidenheim als Zuschauer. Niklas Moisander, der Kapitän, wegen seiner gelb-roten Karte vom Kabinengang aus. Davy Klaassen, sein Stellvertreter, nach seiner Auswechslung von der Tribüne aus.

Dort saß Klaassen überraschend lange. Des Trainers Führungsfigur im Werder-Mittelfeld musste schon nach 65 Minuten vom Feld, als noch keiner wusste, wie sich dieses zähe 0:0 bis zum Schlusspfiff entwickeln würde. Florian Kohfeldt erklärte seine Auswechsel-Entscheidung später so: „Davy ist einer der wenigen Spieler bei uns, die nahezu jedes Saisonspiel gemacht haben. Man merkt, dass in manchen Sequenzen die Spritzigkeit, die ihn sonst auszeichnet, nicht da ist. Ich habe Alternativen und hatte das Gefühl, dass ein frischer Spieler noch etwas bewegen kann.“

Im Rückspiel gesetzt

Diesen Eindruck konnte man gegen Heidenheim zwar durchaus gewinnen, doch das galt für mindestens zehn seiner Mitspieler an diesem Abend ebenso. Vor wenigen Wochen erst, beim 5:1-Sieg in Paderborn, war Klaassen der überragende Mann auf dem Platz gewesen. Mal wieder auswärts, nicht in einem Heimspiel. Mit Blick auf die Partie in Heidenheim stellte Kohfeldt bereits klar: „Davy wird aber am Montag wieder ein ganz wichtiger Spieler für uns sein und ist absolut gesetzt.“

Klaassen wird in Heidenheim sogar noch etwas wichtiger werden als im Hinspiel. Denn dann führt er die Bremer Mannschaft statt Moisander (Gelb-Rot-Sperre) als Kapitän in das alles entscheidende Spiel, an dem Werders Zukunft hängt. Und er sollte dann tunlichst so spielen, dass der Trainer erst gar nicht auf die Idee kommt, ihn auszuwechseln.

Letztes Spiel für Werder?

Derweil ebben die Gerüchte um eine Rückkehr des früheren niederländischen Nationalspielers zu seinem Heimatklub Ajax Amsterdam nicht ab. Klaassen selbst hatte vor den letzten Spielen der Bundesliga erklärt, dass er derzeit keine Gespräche mit Ajax führe. Ob er bei Werder bleibt, wird sich vielleicht schon am Montag klären: Bei einem Abstieg würde er den Gang in die zweite Liga sicherlich nicht mitmachen, zudem wäre Werder in diesem Fall rein wirtschaftlich auf einen Klaassen-Verkauf angewiesen. Doch auch bei Klassenerhalt deutet viel darauf hin, dass sich Klaassen eine größere Herausforderung suchen könnte als Werder, um seine eigene - einst sehr verheißungsvolle - Karriere wieder in Schwung zu bringen. Gut möglich also, dass er in Heidenheim zum letzten Mal das Bremer Trikot tragen wird.

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