1:1! Diesmal konnte Bayern nicht gewinnen

Ein starkes Werder wird endlich belohnt

Die bittere Niederlagenserie ist Geschichte, Werder hat gegen den FC Bayern endlich wieder gepunktet. In München gelang der Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt sogar ein richtig gutes Spiel.
21.11.2020, 17:27
Lesedauer: 3 Min
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Von Jean-Julien Beer und Christoph Bähr
Ein starkes Werder wird endlich belohnt

Tor für Werder: Maximilian Eggestein überwindet Manuel Neuer zur Führung für Bremen.

nordphoto

Was für ein Nachmittag für Werder! Nach 22 Pflichtspiel-Niederlagen in Folge gegen den Rekordmeister gab es für die Bremer gegen Bayern endlich wieder Grund zur Freude, nach einer starken Leistung erreichte Werder am Sonnabend in München ein sehr verdientes 1:1. Und auch wenn es das nunmehr fünfte 1:1 in der Liga hintereinander war: Die Leistung war in allen Mannschaftsteilen richtig gut und überhaupt nicht zu vergleichen mit den eher tristen vorherigen Auftritten. Sogar ein Sieg wäre für die Mannschaft von Florian Kohfeldt möglich gewesen, so viele gute Chancen wurden vergeben. Doch auch so konnte sich Werders Trainer in seinem 100. Bundesligaspiel freuen. Seine Mannschaft wurde für einen mutigen Auftritt gegen Bayern München endlich belohnt.

Werder spielte in München eine richtig gute erste Halbzeit, ging nach verhaltenem Beginn mit Schwung in die Zweikämpfe und eroberte dadurch viele wichtige Bälle. Die Folge: Gegen eine Münchner Mannschaft, die auf sonst gesetzte Stars wie Serge Gnabry oder Leroy Sané zunächst verzichtete, kamen die Bremer im Laufe des Spiels zunehmend zu guten Torchancen. Nach 16 Minuten wäre die Führung schon möglich und auch verdient gewesen, doch sowohl Josh Sargent als auch Ludwig Augustinsson scheiterten bei einer Doppelchance am überragenden Manuel Neuer im Bayern-Tor.

Werder wurde dadurch noch mutiger und gelangte immer wieder gefährlich vors Tor. So hatte Leonardo Bittencourt in der 24. Minute Pech, als er eine Hereingabe des diesmal deutlich verbesserten und engagierten Milot Rashica knapp neben das Tor schoss. Zwischenzeitlich musste Bayern-Verteidiger Lucas Hernandez mit einer Rückenverletzung vom Feld, er war unglücklich mit Theo Gebre Selassie zusammengestoßen.

Pizarro saß auf der Tribüne

Bremen blieb selbstbewusst und leidenschaftlich, was sich auch in der Körpersprache ausdrückte. In der Abwehr klärte der richtig starke Ömer Toprak einige wichtige Situationen, unter anderem gegen Kingsley Coman und den erst 17-jährigen Jamal Musiala, bevor es hätte gefährlich werden können. Und im defensiven Mittelfeld überzeugte das Duo Kevin Möhwald/Maximilian Eggestein durch Übersicht und schnelles Umschaltspiel. Belohnt wurde Werder dafür kurz vor dem Pausenpfiff: Nach einem Einwurf auf der rechten Seite sprintete Sargent in den Strafraum und legte den Ball zurück, an der Strafraumkante lauerte Eggestein und schob den Ball mit dem linken Fuß und viel Gefühl zum 0:1 ins lange Ecke; Neuer streckte sich diesmal vergeblich. Auf der Tribüne saß der neue Bayern-Botschafter Claudio Pizarro, ob die Werder-Legende auf dem Sitzplatz schräg hinter Vorstand Oliver Kahn grinste, war hinter der Mund-Nasen-Maske nicht zu erkennen.

Es ging also mit einer Führung und einem guten Gefühl in die Pause, und sicherlich auch mit der Erwartung wütender Bayern-Angriffe in der zweiten Hälfte. Stattdessen rannte schon in der 46. Minute Rashica ganz allein aufs Bayern-Tor zu, zögerte dann aber im Strafraum mit dem Torschuss, weshalb Jerome Boateng in allerletzter Sekunde hineingrätschen und klären konnte. Es war die Riesenchance zur 2:0-Führung für Bremen. Jiri Pavlenka hingegen erlebte bis dahin einen überraschend langweiligen Nachmittag, erst in der 50. Minute musste er bei einem abgefälschten Ball mal wieder ernsthaft eingreifen.

Ausgleich aus dem Nichts

Bayern drückte nun auf den Ausgleich, Douglas Costa knallte den Ball nach gefühlt 100 Stationen mit einem Fernschuss an die Latte, von dort setzte der Ball kurz vor der Torlinie auf – Glück für Werder. Der zu diesem Zeitpunkt verdiente Ausgleich fiel dann aber eher aus dem Nichts: Eine sehr lange Flanke von Leon Goretzka segelte quer durch den Strafraum, am langen Pfosten verschätzte sich Gebre Selassie - und Coman konnte völlig überrascht zum 1:1 ins Tor köpfen (62.).

Prompt schickte Hansi Flick in seinem 50. Pflichtspiel als Bayern-Trainer die Weltstars Gnabry und Sané aufs Feld, was den Druck auf Werder noch einmal enorm erhöhte, zumal mit Maxim Choupo-Moting noch ein weiterer Stürmer kam. Nach 70 Minuten fehlte auf Bremer Seite dem viele Monate verletzten Möhwald die Kraft für weitere Aktionen, für ihn kam nach einer ordentlichen Leistung Manuel Mbom ins Spiel.

Doch erneut bekam Werder bei einem Konter die riesige Chance zum Führungstreffer: Sargent schlug dann aber im Strafraum einen Haken zu viel, diesmal war es Goretzka, der in höchster Not für Bayern klärte. Im Gegenzug vergab Coupo-Moting die Chance zum 2:1 für Bayern. In der 86. Minute tauchte Sargent wieder frei vor Neuer auf, der den Schuss aber zur Ecke abwehren konnte. So war der Punkt fast schon zu wenig für Werder. Was für ein Nachmittag!

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