Werder spielt in Leverkusen 1:1

Topraks Tor reicht zum Punktgewinn

Da wäre sogar mehr drin gewesen für Werder: Lange führte die Mannschaft von Florian Kohfeldt in Leverkusen mit 1:0, am Ende gab es beim 1:1 immerhin einen weiteren Zähler für den erhofften Klassenerhalt.
09.01.2021, 17:36
Lesedauer: 3 Min
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Von Carsten Sander
Topraks Tor reicht zum Punktgewinn

Der Torjubel für Werder: Theo Gebre Selassie beglückwünscht Ömer Toprak zur 1:0-Führung.

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Wiedergutmachung geglückt: Mit einem 1:1 (0:0) bei Bayer Leverkusen hat sich Werder Bremen am Samstag für die extrem schwache Vorstellung beim 0:2 gegen Union Berlin eine Woche zuvor rehabilitiert. Spielerisch war es zwar erneut eine überhaupt nicht überzeugende Vorstellung, den Punkt verdiente sich der Tabellen-14. aber mit aufopferungsvoller Abwehrarbeit. Ömer Toprak hatte den SV Werder nach 52 Minuten in Führung gebracht, Patrik Schick glich in Minute 70 aus.

Nach dem Union-Match, das in Art und Ausgang alarmierend war, hatte Trainer Florian Kohfeldt eine Reaktion seiner Mannschaft deutlich eingefordert. „Wir waren alle zusammen richtig sauer nach diesem Spiel. Das muss man dann gegen Leverkusen auch sehen können“, hatte er gesagt und dann gezeigt, auf wen er ganz besonders sauer war: Yuya Osako. Der Japaner, gegen Union mit einer indiskutablen Leistung, fehlte im Bremer Kader. Erstmals ließ Kohfeldt den Mittelfeldmann aus freien Stücken unberücksichtigt. Erklärung: „Das ist keine Ausbootung. Yuya soll den Kopf freibekommen.“ Für Osako rückte Jean-Manuel Mbom in die Startelf. Weitere Veränderungen: Milos Veljkovic ersetzte den verletzten Christian Groß, Kevin Möhwald verdrängte Leonardo Bittencourt aus der Startelf und statt Romano Schmid kam in der Offensive Tahith Chong zum Zug. Davie Selke und Niclas Füllkrug, die beiden wiedergenesenen Mittelstürmer, nahmen zunächst auf der Bank Platz.

„Nichts für Fußball-Liebhaber“

Die elf von Kohfeldt Auserwählten formierten sich auf dem Feld zu einem defensiven 5-3-2-System, das vor allem darauf ausgerichtet war, das Leverkusener Spiel zu zerstören. An eigenen, konstruktiven Aktionen schien Werder zunächst überhaupt nicht interessiert. Es entwickelte sich in der ersten Halbzeit eine Partie, die Ex-Bayer-Torjäger Stefan Kießling am „Sky“-Mikrofon als „ziemlich zäh, nichts für Fußball-Liebhaber“ beschrieb und treffend bewertete.

Leverkusen, das nach zuletzt zwei Niederlagen in Folge genauso auf Wiedergutmachung aus war wie der SV Werder, bestimmte die Partie von Beginn an und kam zu frühen Chancen durch Moussa Diaby (2.) und Leon Bailey (9.). Werder hatte dagegen große Schwierigkeiten, den Ball strukturiert nach vorne zu tragen. Lange Bälle waren zumeist das Mittel der Wahl – und die meisten davon landeten bei den Leverkusenern, die kaum Probleme hatten, den Gegner im Griff zu behalten. Einzige Ausnahmen: Josh Sargent sprang nur knapp an einer Freistoß-Hereingabe von Ludwig Augustinsson vorbei (27.), und Kevin Möhwald wurde auf Höhe des Elfmeterpunkts gerade noch von Kerem Demirbay abgegrätscht (29.).

Dass es mit einem 0:0 in die Pause ging, entsprach absolut dem Geschehen auf dem Platz. Aber immerhin: Werder hatte hinsichtlich Zweikampfführung und Bissigkeit die Reaktion gezeigt, die Kohfeldt hatte sehen wollen. Nicht schön, aber zweckmäßig – das stand als Werder-Fazit unter den ersten 45 Minuten.

Toprak trifft gegen seinen früheren Verein

Nicht schön, aber plötzlich sogar erfolgreich – das stand dann nach sieben Minuten in der zweiten Halbzeit als Überschrift über der Bremer Vorstellung. Aus dem Nichts brachte Ömer Toprak die Gäste in Führung. Nach einem Augustinsson-Freistoß kam der Abwehrchef sechs Meter vor dem Tor frei zum Abschluss und verwandelte cool zur Bremer Führung. Für Toprak, der zwischen 2011 und 2017 203 Pflichtspiele für Bayer 04 bestritten hatte, war es der erste Treffer im Werder-Trikot und der erste in der Bundesliga seit fast vier Jahren. Zuletzt hatte er am 22. Januar 2017 getroffen – für Leverkusen beim 3:1 gegen Hertha BSC.

Und nun das Tor, das die Bremer auf eine Überraschung beim Tabellendritten hoffen ließ. Sie hofften auch noch weiter, als der Ball nach 70 Minuten im eigenen Tor lag. Patrik Schick hatte ihn dorthin befördert, Vorlagengeber Lucas Alario stand aber im Verdacht eines Handspiels. Weshalb Referee Benjamin Cortus zunächst auf Nicht-Tor entschied, sich dann aber nach minutenlanger Beratung im Kölner Videokeller umentschied. Das Tor zählte doch, und Werder war die Führung wieder los. Dass die Entscheidung schlussendlich richtig war, zeigten diverse Kameraeinstellungen. Kein Grund also für Werder, sich zu beschweren.

An der Ausrichtung der Partie änderte der Ausgleich nichts. Leverkusen machte weiter Druck, und Werder wehrte sich. Offensive Akzente setzte nur Coach Kohfeldt. Nachdem nach einer Stunde bereits Davie Selke für Chong gekommen war, ersetzten zehn Minuten vor dem Ende Niclas Füllkrug und Romano Schmid Josh Sargent und Kevin Möhwald. Frische Kräfte also für den Angriff, aber keine frischen Chancen für Bremen, das konsequent am 5-3-2 festhielt. Wenn sich Kontermöglichkeiten boten, fehlte entweder die Präzision – wie bei Schmids Pass auf Füllkrug (88.). Oder das Zutrauen – wie bei Selke, der seinen Vorstoß noch in der eigenen Hälfte aus unerfindlichen Gründen abbrach (90.). Großes Glück hatten die Bremer, dass ein Handspiel von Mbom im Strafraumgetümmel nicht geahndet wurde.

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