Saisonstart im Werder-Trikot „ist möglich“

Kohfeldt plant wieder mit Rashica

Ginge es nach Milot Rashica, wäre er jetzt nicht mit Werder im Zillertal, sondern schon in Diensten seines Wunschvereins Leipzig. Doch der Wechsel hängt. Florian Kohfeldt setzt deshalb wieder auf den Stürmer.
23.08.2020, 14:50
Lesedauer: 4 Min
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Von Jean-Julien Beer und Christoph Sonnenberg
Kohfeldt plant wieder mit Rashica

Grün steht ihm weiterhin gut: Milot Rashica im Zillertal im Werder-Training.

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Wende bei Milot Rashica: Ab sofort nimmt Werder aus sportlicher Sicht keine Rücksicht mehr auf den Wunsch des Angreifers, zum Champions-League-Verein RB Leipzig zu wechseln. Auch wenn Werder auf einen Transfererlös in Höhe von etwa 20 Millionen Euro dringend angewiesen ist, zieht sich der Wechsel inzwischen so lange hin, dass Trainer Florian Kohfeldt nun anders an die Sache herangehen muss. „Wir sind jetzt an einem Zeitpunkt der Vorbereitung, wo ich mit allen im Verein besprochen habe: Ab jetzt plane ich so mit Milot Rashica, als ob er am ersten Spieltag für uns spielt. Deshalb wird er am Montag im Test gegen Lustenau auch spielen“, erklärte Kohfedt am Sonntag im Zillertal.

Es wäre Rashicas erster Einsatz für Werder in diesem Sommer. Im ersten Testspiel gegen Braunschweig sollte eine Verletzung noch unbedingt verhindert werden, um den Verkauf nicht zu gefährden. Zuletzt gegen Linz war ein Einsatz wegen Adduktorenproblemen ohnehin nicht sinnvoll. Gegen Lustenau (Anstoß 13 Uhr, Livestream bei Werder.tv) soll Rashica nun wieder für Werder Tore schießen. Kohfeldt sagte dazu: „Wäre Linz ein Bundesligaspiel gewesen, hätten wir es hinbekommen, dass er spielt. Das hatte nichts mit einem möglichen Wechsel zu tun, sondern war Prävention, weil wir keinen langen Ausfall in der Vorbereitung haben wollten.“ Im ersten Testspiel einer Vorbereitung sei die Verletzungsgefahr immer am größten, sagte Werders Trainer, deshalb habe man wegen des im Raum stehenden Wechselwunsches das Risiko nicht eingehen wollen. „Jetzt aber sind wir seit drei Wochen im Training, Milot hat interne Trainingsspiele gehabt und ist fit. Die unterschiedliche Verletzungsgefahr ist für mich ein großer Unterschied zwischen dem ersten und dem dritten Testspiel einer Vorbereitung.“

„Milot ist gut integriert“

Zudem muss Kohfeldt, wie er betont, inzwischen auch die Möglichkeit in seine Pläne einbeziehen, dass der Wechsel am Ende gar nicht oder erst sehr spät über die Bühne geht: „Wenn die realistische Chance besteht, dass Milot am 18. September für uns in der Bundesliga spielen kann, und die besteht aktuell, dann ist jetzt der Zeitpunkt, wo ich ihn so integrieren muss, dass er auch komplett alles mitmacht.“ Ein Kopfproblem gebe es bei Rashica deshalb nicht, sagte Kohfeldt: „Er ist gut integriert in der Mannschaft und fühlt sich wohl. Das sieht man. Er hatte im Training wieder einige überragende Aktionen.“

RB Leipzig hat sein Angebot dem Vernehmen nach zwar um eine Millionen Euro erhöht, ist aber immer noch deutlich entfernt von den 20 bis 25 Millionen Euro, die Werder vorschweben. Weil die RB-Bosse genau wissen, wie dringend Werder auf die Einnahmen aus einem Rashica-Verkauf angewiesen ist, bewegen sie sich bisher keinen weiteren Millimeter.

Kein Konflikt mit Filbry

Dass Finanzgeschäftsführer Klaus Filbry durch die Corona-Krise und damit verbundene Einnahmeverluste vor riesigen Herausforderungen steht und deshalb auf einen baldigen Rashica-Verkauf hofft (für andere Werder-Spieler aus der Stammelf gibt es schließlich gar keine Interessenten), ist die andere Seite der heiklen Personalie. Konfliktpotenzial soll dadurch bei Werder aber nicht entstehen, betont Kohfeldt. Und so lächelte er die Frage, ob er sich im Fall Rashica nun gegen seinen Finanzchef positionieren müsse, gekonnt weg. „Ich habe immer eine Gesamtsicht auf die Dinge. Am Ende schaue ich auf das, was für Werder Bremen wichtig ist“, sagte der Trainer. Und weiter: „Wir alle im Verein sind ja sehr harmonisch und treffen uns häufig und besprechen alles. Aber: Die sportliche Ausrichtung und die Aufstellung bespreche ich mit Frank Baumann, meinen Co-Trainern und seit neuestem mit Clemens Fritz.“ Nicht mit Filbry, was aber ganz normal und keine Kritik sei. „Ich stehe jetzt nicht hier und sage: Wir dürfen auf keinen Fall den Spieler verkaufen“, betonte der Trainer, „aber wir sind an einem Zeitpunkt der Vorbereitung, wo man alles betrachten muss. Frank Baumann hat es ja auch gesagt: Die Möglichkeit ist absolut realistisch, dass wir am ersten Spieltag mit Milot Rashica Bundesliga spielen. Und vielleicht auch am 6. Oktober.“ Also nach Ende des Transferfensters.

Als Trainer müsse er deshalb den Spieler „nun in die Mannschaft integrieren, ohne mögliche Alternativen auf dieser Position zu verbrennen. Da herrscht Einigkeit zwischen mir und Milot und auch zwischen mir und Frank Baumann. Deshalb gehe ich auch stark davon aus, dass ich da auch mit Klaus Filbry gleicher Meinung bin“.

„Als Trainer wäre ich glücklich“

Werder sei an einem Punkt, wo Rashicas Wechsel „einfach nicht absehbar ist. Wir haben klar kommuniziert, dass es einen Zeitraum gibt, wo wir den von beiden Seiten positiv begleiteten Wunsch, bei entsprechender Entlohnung den Verein zu wechseln, auch respektieren. Jetzt bin ich an einem Punkt, wo ich als Trainer sagen muss: Wir sind am Ende der dritten Vorbereitungswoche, und der Spieler ist hier. Er ist ein Spieler, zu dem ich ein sehr enges und inzwischen langjähriges Verhältnis habe und der ja auch eine gewisse Entwicklung genommen hat bei Werder Bremen.“

Rashica nehme deshalb fortan eine Rolle ein, die zumindest die Möglichkeit erlaube, dass er am ersten Spieltag für Bremen aufläuft und Tore schießt. Kohfeldt: „Als Trainer wäre ich natürlich sehr glücklich, wenn Milot am ersten Spieltag noch hier wäre.“ In Leipzig wird man diese Aussagen und Rashicas Testspieleinsätze registrieren. Ob RB aber das Angebot noch einmal erhöht, das aktuell zwischen 15 und 17 Millionen Euro plus Nachzahlungen liegen soll, bleibt abzuwarten.

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