Geisterspiele treffen Bremen besonders hart

Werder fehlt der Faktor Fans

Auch Frankfurts Trainer Adi Hütter war überzeugt, dass es für sein Team vor vollen Rängen im Weserstadion schwieriger geworden wäre. Florian Kohfeldt würde „Luftsprünge machen“, wenn wieder Fans dabei wären.
05.06.2020, 11:32
Lesedauer: 2 Min
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Von Jean-Julien Beer
Werder fehlt der Faktor Fans

Viel los im Strafraum, aber nicht auf den Rängen: Ein Bild aus dem Bremer Geisterspiel gegen Eintracht Frankfurt.

gumzmedia/nordphoto

Vielleicht ist es gar keine so große Überraschung, dass Hertha BSC mit den Geisterspielen besonders gut zurechtkommt. Der Hauptstadtklub wird auch in normalen Zeiten nicht gerade von euphorischen Fanmassen getragen, im viel zu weitläufigen Berliner Olympiastadion bleiben in fast jedem Spiel sehr viele Plätze leer. Werder Bremen hat das selbst erlebt im letzten Spiel vor der coronabedingten Bundesliga-Unterbrechung. Vor allem auf der Gegengeraden sah es beim 2:2 der Bremer im März in Berlin in etwa so aus wie jetzt: leere Sitzreihen, keine Stimmung.

Im Vergleich dazu war das Weserstadion immer ein grün-weißes Tollhaus voller Leidenschaft und Emotionen, die sich in vielen Spielen auch auf die Mannschaft übertrugen, vor allem dann, wenn es auf dem Rasen heiß zur Sache ging. Frankfurts Trainer Adi Hütter sprach das nach dem 3:0-Sieg seiner Eintracht in Bremen offen an: „In der ersten Halbzeit mit den vielen knappen Entscheidungen wäre es für uns mit Publikum sehr unangenehm geworden. Ein Heimpublikum kann als zwölfter Mann immer große Kräfte freisetzen. Auch in Bremen, wo sie tolle Zuschauer haben, die ihre Mannschaft immer wieder unterstützen.“

Spiele auf neutralem Boden

Es sei ja auffällig, dass in Zeiten der Geisterspiele viele Mannschaften auswärts gewinnen, sagte Hütter, einen Heimvorteil scheint es nicht mehr zu geben: „Jetzt finden die Spiele quasi auf neutralem Boden statt, und auch deshalb haben wir das Spiel in Bremen gewonnen. Wir hatten den besseren Tag, das kann dann entscheidend sein.“

Zwar hat Werder Bremen auch mit Fans im Rücken in dieser Bundesligasaison nur ein Heimspiel gewonnen, mit 3:2 gegen Augsburg im September, aber daraus kann man nicht schließen, dass die Unterstützung von den Rängen keine Rolle mehr spielt, gerade in einem engen Stadion wie in Bremen. Werders Cheftrainer Florian Kohfeldt würde jedenfalls „Luftsprünge machen, wenn die Politik entscheiden würde, dass wir wieder vor Zuschauern spielen dürften“, sagte er diese Woche, „denn es ist jetzt einfach nicht dasselbe wie vorher.“

Die Politik entscheidet

In der laufenden Saison wird es dazu nicht mehr kommen, die Geisterspiele werden streng nach dem Hygienekonzept der Bundesliga abgearbeitet. Zudem lassen die gesundheitlichen Risiken derzeit noch zu wenig Spielraum für die Politik, Großveranstaltungen wie Konzerte oder Fußballspiele in vollen Stadien einfach wieder zu erlauben.

Dass es inzwischen zaghafte Gedankenspiele der ersten Ministerpräsidenten dazu gab und sich auch Bayern-Vorstand Oliver Kahn bereits mit Denkmodellen beschäftigt hat, wie man wenigstens einen Teil der Zuschauerplätze wieder besetzen könnte, hat auch Kohfeldt vernommen. Er bleibt in dieser Frage aber zurückhaltend. „Ich habe schon zu Beginn dieser Coronazeit gesagt, dass ich mich allen Entscheidungen, die die Politik trifft, ohne Murren anschließe“, betont er. Als Fußballtrainer fehle ihm hier die Expertise, um die Risiken und die Entwicklung des Virus einschätzen zu können. „Ich kann das nicht bewerten“, sagt Kohfeldt, „eine Meinung dazu, ob das realistisch ist und wann das passieren könnte, die maße ich mir nicht an.“

In welcher Liga auch immer: Das erste Bremer Heimspiel mit vollen Zuschauerrängen dürfte ein sehr besonderer Moment werden. Für alle Beteiligten.

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