Fünfte Niederlage in Serie

Werder verliert auch beim BVB

Es ging gut los für den SV Werder, Milot Rashica hatte die Bremer gegen Borussia Dortmund in Führung gebracht. Doch dann schlug die Stunde von Torjäger Erling Haaland. Unser Spielbericht.
18.04.2021, 17:29
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Knips
Werder verliert auch beim BVB

Dortmund jubelt, während Werder am Boden liegt: Gerade hat Theodor Gebre Selassie (Mitte) mit einem Eigentor das vierte Tor für den Gegner erzielt.

Friedemann Vogel

Das Zittern geht weiter: Der SV Werder Bremen hat im Abstiegskampf die Chance verpasst, die Corona bedingte Spielpause der Konkurrenz zu nutzen, um den Vorsprung auf den Relegationsplatz (vier Punkte) zu vergrößern. Beim Champions-League-Anwärter Borussia Dortmund setzte es eine 1:4- (1:3)-Niederlage. Es war die fünfte Bundesliga-Pleite am Stück, damit haben die Bremer ihren Vereinsrekord eingestellt.
Nach gutem Beginn und der Führung durch Milot Rashica (14.) ging fast alles schief, teilweise war es sogar Slapstick. Giovanni Reyna (29.), Erling Haaland (34. Elfmeter und 38.) und Mats Hummels (87.) sorgten für einen klaren Dortmunder Sieg. Für Werder kommt es nun also doch am Mittwochabend zum großen Abstiegskampf im Weserstadion gegen den FSV Mainz 05. Christian Groß wird dann nach seiner fünften Gelben Karte fehlen.

Werder-Coach Florian Kohfeldt hatte nicht nur die Rotationsmaschine angeworfen, sondern auch auf der Bank für eine große Überraschung gesorgt: Dort saß ein gewisser Philipp Bargfrede, der im Sommer noch aussortiert worden war, dann aber in die U 23 zurückgeholt wurde. Nun soll der 32-Jährige im Abstiegskampf als möglicher Ersatz des verletzten Ömer Toprak helfen. Ohnehin setzte Kohfeldt in Dortmund auf Erfahrung. Die jungen Manuel Mbom, Felix Agu, Eren Dinkci und Josh Sargent mussten im Vergleich zum Leipzig-Spiel ihren Platz in der Startelf räumen. Dafür bekam zum Beispiel Leonardo Bittencourt eine Chance, der 27-Jährige hatte zuletzt keine Rolle mehr gespielt. Insgesamt gab es sechs Wechsel – und eine nicht ganz so gute Nachricht: Anders als angekündigt hatte es für Niclas Füllkrug nach seinem Zehenbruch noch nicht für eine Rückkehr in den Kader gereicht gereicht.

Aber auch ohne den vielleicht besten Angreifer im Team hatte Werder die erste Chance: Bittencourt probierte es aus 20 Metern, scheiterte aber an BVB-Keeper Marvin Hitz (5.). Und neun Minuten später jubelte tatsächlich der Außenseiter: Maximilian Eggestein hatte Milot Rashica auf die Reise geschickt, der wie in seinen besten Zeiten erst Mats Hummels stehen ließ und dann mit einem Rechtsschuss in die lange Ecke zum 1:0 vollstreckte. Ein richtig schönes Tor!

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Werder war drin in dieser Partie, fightete in einem 5:3:2-System mit Christian Groß als Abwehrchef gegen optisch überlegene Dortmunder um jeden Zentimeter. „Bravo Grosso, friss ihn auf“, brüllte Bittencourt, als Groß BVB-Stürmer Erling Haaland gestoppt hatte. Und wer weiß, wie die Partie ausgegangen wäre, wenn die Bremer auch ihren zweiten Konter genutzt hätten. Doch Eggestein, Rashica und Yuya Osako stellten sich ziemlich ungeschickt an, als sie nur noch BVB-Verteidiger Manuel Akanji vor sich hatten. Futsch war die große Chance (25.).

Das sollte sich schnell rächen. Giovanni Reyna gelang mit einem unhaltbaren Gewaltschuss von der Strafraumgrenze der Ausgleich (29.). Da steckte offenbar der ganze Dortmunder Frust drin, der sich gegen bis dahin gut verteidigende Bremer aufgebaut hatte. In der Szene waren allerdings Marco Friedl, Kevin Möhwald und Groß nicht aufmerksam genug gewesen.

Möhwald verursacht Elfmeter

Bei Möhwald wurde es noch eklatanter. Erst unbeholfen, dann ungeschickt ging er im Strafraum gegen Marco Reus zu Werke und brachte ihn dabei klar zu Fall. Schiedsrichter Bastian Dankert entschied auf Elfmeter, Haaland vollstreckte sicher zum 2:1 (34.). Ungewöhnlich: Zwischen Foul und Strafstoß war Bittencourt, der sich Minuten zuvor bei einem Zweikampf mit Jude Bellingham verletzt hatte, vom Platz gehumpelt, für ihn kam Romano Schmid.

Die Bremer Unglücksminuten gingen aber noch weiter – und wie! Eine Hereingabe von Reyna fälschte Groß so unglücklich ab, dass Möhwald die Kugel unfreiwillig zu Haaland beförderte – und der Norweger nahm das Geschenk zum 3:1 vor dem leeren Tor gerne an (38.). Zur Wahrheit des Tores gehörte aber auch, dass sich Friedl, diesmal als Linksverteidiger im Einsatz, vorher einen ziemlich schlimmen Fehlpass geleistet hatte und Niklas Moisander gegen Reyna chancenlos gewesen war.

Und genauso schlimm ging es aus Bremer Sicht weiter. Niemand fühlte sich im Strafraum für Bellingham zuständig, immerhin reagierte Keeper Jiri Pavlenka glänzend (42.). Der Pausenpfiff war wie eine Erlösung für die Gäste.

Werder erneut mit Eigentor

In Halbzeit zwei sah es zunächst danach aus, als gehe es den Bremern nur noch um Schadensbegrenzung, um nicht auch noch die Tordifferenz im Abstiegskampf zu verschlechtern. Doch nach knapp einer Stunde reagierte Kohfeldt, brachte frisches Personal für die Offensive. Davie Selke und Josh Sargent ersetzten Osako und Möhwald. Und siehe da: Werder hatte endlich mal wieder eine Chance, eine richtig gute sogar. Eggesteins Schuss klatschte an den Pfosten (63.). Das machte offenbar Mut, Werder wagte sich endlich mehr nach vorne – und Sargent hatte in der 73. Minute gleich zwei Mal den Anschlusstreffer auf dem Fuß. Ihm fehlte im Abschluss aber einfach die Klasse, ähnlich erging es wenig später Selke (79.).

Den Dortmundern erging es da besser – auch dank der Bremer. Denn Hummels Kopfball klatschte an den Körper von Theodor Gebre Selassie und von dort zum 4:1-Endstand ins Tor. Es war das I-Tüpfelchen auf einen gebrauchten Bremer Nachmittag.

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