Warum das Team jetzt erfolgreicher spielt Werder: Aufschwung mit System

Nach ein paar Wochen des Probierens hat Werder offenbar eine geeignete Grundordnung gefunden. Das Spiel gegen den Ball wirkt stabil, und auch in der Offensive zeigen sich zaghafte Verbesserungen.
25.11.2020, 12:51
Lesedauer: 2 Min
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Von Stefan Rommel

Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen, für individuelle Freiheiten bleibt dann nur in seltenen Fällen noch Platz. Das ist auch bei Werder so. Maximilian Eggestein zum Beispiel ist ein überdurchschnittlich qualifizierter Achter und mit den geeigneten Mitspielern um sich herum sicherlich einer der besseren Spieler in der Bundesliga. Allerdings verträgt das Bremer Spiel derzeit nicht den Luxus, sich zwei Achterpositionen im Halbraum zu leisten und muss stattdessen anderen Weisungen folgen.

Etwa der, aus einem vergleichsweise Überangebot an Innenverteidigern und einer eher überschaubaren Zahl an verlässlichen Mittelfeldspielern ein tragfähiges Konstrukt zu basteln, das eine gewisse defensive Sicherheit garantiert, aber auch einer schrittweisen Entwicklung der Offensive nicht im Wege steht. Nach ein paar Spieltagen des Probierens scheint Werders Trainerteam einen ersten wichtigen Konsens gefunden zu haben: In einer 5-2-2-1-Grundordnung lässt es sich ganz solide verteidigen, drei Innenverteidiger, zwei Sechser und zwei verkappte Zehner davor verriegeln das Zentrum und die Halbräume, der Gegner darf sich indes in den eher ungefährlichen Randgebieten austoben.

Das Konstrukt ist stabil

Der Vorteil: Es bleibt in den wichtigen Zonen immer sowohl genug Personal als auch Absicherung und - ganz wichtig - die Möglichkeit, zu jeder Zeit wirklich aktiv gegen den Ball zu arbeiten und die etwas tiefere Anordnung im Mittelfeldpressing nicht als vermeintlich sichere Ausgangsposition zu begreifen und in eine fatale Passivität zu verfallen. Damit kann man auch der besten Offensive der Welt bis auf ganz wenige Ausnahmen standhalten - wenngleich dort die beiden Zehner gegen den Ball eher in der Breite aushalfen in einem 5-4-1.

Nicht erst bei Werders Auftritt in München fügten sich die beiden Grundideen im Spiel gegen den Ball zu einem harmonischen Gesamtbild: Die Fünferkette in der letzten Linie plus zwei Sechsern davor. Und auch im eigenen Ballbesitz hatte Werder einige gute Lösungen. Wobei man für die letzten beiden Spiele konstatieren muss, dass die Gegner doch sehr extrem und nicht besonders repräsentativ waren: Werder wird in dieser Hinrunde auf keine andere Mannschaft mehr treffen, die so destruktiven Sicherheitsfußball spielt wie Köln. Und keinen Gegner mehr vorfinden, der so hoch und riskant verteidigt wie die Bayern.

Eggestein bekommt mehr Freiheiten

Gegen den Rekordmeister nutzte Werder den Vorteil der Gewaltenteilung zwischen den Sechsern unter anderem beim Führungstreffer. Einem Einwurf an der Mittellinie und dem Durchbruch des Mitspielers über den Flügel so nachzugehen und dann zehn Meter vor dem gegnerischen Tor aufzutauchen, hätte sich Eggestein als alleiniger Sechser wohl eher nicht zugetraut. Mit einem Kollegen als Absicherung geht das aber. Auch im geordneten Aufbau kann sich Eggestein in anderen Räumen positionieren und verändert damit die Staffelung der Mannschaft entscheidend.

Nach zuletzt mehreren Partien in dieser Grundordnung kann man wohl konstatieren, dass das ehemals erprobte 4-3-3 für diesen Kader und diese Ausgangslage - mit einer durch Corona verzerrten Vorbereitung und bis heute schwierigen Rahmenbedingungen - aktuell nur noch als Plan B gelten darf. Die Fünferkette mit zwei Sechsern davor hat sich etabliert.

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