Interview mit Werders Co-Trainern Buric: "Wir sind ein Team"

Bremen. Am Mittwoch stellten sich auf Norderney der neue Co-Trainer Damir Buric sowie der neue Torwarttrainer Marco Langner den Fragen der Reporter. Olaf Dorow hat mitgefragt und das Gespräch aufgezeichnet.
04.07.2013, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Bremen. Die Neuzugänge steigen erst später ein. Neue Gesichter gibt es trotzdem bei Werder. Gestern stellten sich auf Norderney der neue Co-Trainer Damir Buric sowie der neue Torwarttrainer Marco Langner den Fragen der Reporter. Olaf Dorow hat mitgefragt und das Gespräch aufgezeichnet.

Wie haben Sie und Robin Dutt denn zueinandergefunden?

Buric: Wir kennen uns schon länger. Beim Trainerlehrgang vor acht Jahren in Köln haben wir intensiv gesprochen. Es war der 50. Lehrgang der Weisweiler-Akademie in Köln. Wir haben uns oft abends privat getroffen. Und haben gemerkt, dass wir fußballerisch auf einer Wellenlänge sind. Ich war schon Co-Trainer unter Volker Finke in Freiburg und habe dann mit Robin Dutt weitergearbeitet.

Wie merkt man, dass man fußballerisch auf einer Wellenlänge liegt?

Buric: Wenn man über Spielphilosophien spricht. Wie wollen wir spielen? Was wollen wir machen, wenn wir den Ball haben? Wie zirkuliert der Ball, geht er in die Breite? In die Tiefe? Und dann sitzt dir jemand gegenüber, der genauso redet wie du.

Herr Langner, wie war das bei Ihnen?

Langner: Robin war Trainer bei den Stuttgarter Kickers, ich Spieler beim SSV Reutlingen. Regionalliga Süd. Wir waren regelmäßig Gegner und haben uns auch in den Trainingslagern immer wieder getroffen. Außerdem habe ich in Stuttgart gewohnt. Eines Tages hat er in Freiburg unterschrieben, ich habe ihm gratuliert. Da sagt er: ,Geh doch mit‘.

Robin Dutt spricht mit hoher Wertschätzung von Ihnen. Was muss passieren, dass Sie sich mal streiten?

Langner: Also, da gibt’s schon große Diskussionen, speziell was Damir und Robin angeht. Auch bei den Leistungen der Torhüter kann man mal unterschiedlicher Auffassung sein. Aber wir haben dieselbe grundsätzliche Auffassung vom Fußballspielen. Er geht sehr kollegial mit uns um.

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Dutt hat Sie als sehr detailversessen beschrieben. Wie viele Stunden am Tag fachsimpeln Sie denn miteinander?

Buric: Freie Tage sind nicht immer freie Tage. Ich will so vorbereitet sein, dass ich meinen Spielern gute Infos geben kann. Also braucht man sehr viel Zeit. 24 Stunden am Tag sind schon fast zu wenig.

Machen Sie auch privat Unternehmungen mit Robin Dutt?

Buric: Ja, machen wir schon. Unsere Familien sind nicht da, da werden wir jetzt gemeinsam die Bremer Restaurants testen.

Langner: Wir spielen auch mal eine Runde Tennis oder gehen mal Fahrradfahren. Wir verbringen schon eine Menge Zeit miteinander, nicht nur auf dem Sportplatz.

War es von vornherein klar, dass Sie mitgehen nach Bremen?

Buric: Wir sind ein Team. Ein Austausch findet immer statt. Austausch findet am meisten mit demjenigen statt, zu dem du das größte Vertrauen hast. Werder ist übrigens ein sehr intakter Verein, bisher ist für uns hier alles reibungslos verlaufen. Ich hoffe, dass es so weitergeht.

Sie haben mal Bundesliga gespielt, Robin Dutt allerdings nicht. Warum ist jetzt eigentlich Dutt der Cheftrainer und Sie der Co-Trainer?

Buric: In Deutschland geht’s immer um die Chefrolle. Ich muss aber sagen: Mit einem Trainer wie Robin macht mir das Spaß. Mit einem anderen würde ich das vielleicht nicht aushalten. Er ist mein Chef. Aber es ist auch eine Freundschaft. Wir können auch kontrovers diskutieren. Aber wir gehen immer mit einer Meinung nach draußen.

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Sind Sie ganz froh, dass Robin Dutt Ihnen das abnimmt?

Buric: Bis jetzt habe ich sehr gute Erfahrungen mit ihm gemacht. Das ist einfach so. Warum soll ich das verändern? Ich bekomme immer wieder die Wertschätzung durch ihn. Und das ist mir wichtig.

Sie sind sich nicht zu schade, „nur“ Assistent zu sein?

Buric: Ich setze auf das Team. Da ist dann nicht nur ein Buric. Da ist ein Langner, da ist Reinhard Schnittker, der Athletiktrainer, da sind die Physiotherapeuten, da sind alle dabei. Das ist unglaublich wichtig. Wir leben das vor. Die Jungs sollten das genauso umsetzen.

Woran lag es aus Ihrer Sicht, dass es bei Werder zuletzt nicht mehr lief?

Buric: Du spielst in dreizehn sieglosen Spielen sechsmal unentschieden. Wenn du es schaffst, zweimal zu gewinnen, dann gehst du mit einem anderen Selbstvertrauen an die Sache heran. Dann bist du vor dem Tor etwas cooler. Etwas ruhiger. Du brauchst ein Erfolgserlebnis für deine tägliche Arbeit.

Es lag am gesunkenen Selbstvertrauen?

Buric: Wir haben jetzt über eine Negativserie gesprochen. Ein einzelnes Spiel genau zu analysieren, da in die Tiefe zu gehen, das ist Kunst. Das ist schwer, das ganz genau zu erkennen.

Haben Sie sich mit ihren Vorgängern in Bremen ausgetauscht?

Buric: Wolfgang Rolff war mit mir zusammen beim A-Lizenz-Lehrgang. Wir kennen uns gut. Ich habe ihn angerufen aber nur mit unterdrückter Nummer. Da ist er nicht rangegangen. Ich kann‘s kaum erwarten, wieder mit ihm zu reden und mich mit ihm auszutauschen.

Wie läuft die Arbeit mit den Werder-Profis bislang? Gab es Überraschungen für Sie?

Buric: Mich haben die jungen Spieler überrascht, sie sind wirklich sehr aufmerksam und voller Freude. Sie wollen etwas erreichen. Solange sie diese Gier am Fußball haben, kannst du auch etwas erreichen.

Ist das eine Art persönliches Ziel von Ihnen: Junge Spieler herauszubringen?

Buric: Versprechen kann ich nichts. Es hat aber auch viel mit Glück und Timing zu tun. Es muss so viel passen und ein Rädchen ins andere greifen. Ein junger Spieler kann leichter schwimmen, wenn es in der Mannschaft gut läuft.

Herr Langner, Sie waren noch Spieler, als Robin Dutt sie ins Team holte. Gab es keine anderen Berufsvorstellungen?

Langner: Ich hätte noch weiterspielen können. Ich war 36. Jens Lehmann hat auch bis 39 gespielt. Wahrscheinlich wäre ich irgendwann in Reutlingen ins Marketing oder Management eingestiegen.

Sie haben wie Robin Dutt zuletzt beim DFB gearbeitet. Wie hat es Ihnen dort gefallen?

Langner: Ich war bei der U16. Da gibt‘s viele Lehrgänge, viele Länderspiele. Aber irgendwann hat mir das Tagesgeschäft gefehlt. Wenn du mal da oben bist in der Bundesliga, dann willst du da auch bleiben. Bevor Robin mich wegen Werder gefragt hat, war ich auch noch bei einem anderen Klub im Gespräch. Aber für mich war immer klar: Bundesliga mit Robin und Damir, das ist mein Ding.

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