Nach dem Pokalaus für Werder Bremen Busblockade: "Fans wollten ein Zeichen setzen"

Bremen. Nach der bitteren Niederlage der Grün-Weißen gegen den Drittligisten Heidenheim haben Fans den Mannschaftsbus blockiert. Fanbetreuer Till Schüssler hat schlichtend eingegriffen. Wie er das gemacht hat, schildert er dem WESER-KURIER.
01.08.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Busblockade:
Von Marc Hagedorn

Bremen. Seit August 2010 ist Till Schüssler offizieller Fanbetreuer bei Werder. Er ist bei Heim- und Auswärtsspielen an den Wochenenden steter Begleiter und Ansprechpartner, unter der Woche arbeitet er zum Beispiel in der preisgekrönten Antidiskriminierungs-AG von Werder. Am Sonnabend hat er sein Jobprofil um eine Facette erweitert: Till Schüssler war derjenige, der bei der Busblockade das Gespräch mit den Fans suchen musste und damit quasi Vermittler zwischen Trainer und Mannschaft auf der einen sowie den Anhängern auf der anderen Seite war. Kein angenehmer, aber ein wichtiger Auftrag. Der 26-jährige Student brauchte nur kurz, dann erhoben sich die Fans und machten dem Bus Platz.

Dem WESER-KURIER schilderte er den Verlauf der Aktion: "Viele Fans warteten in der Nähe des Busses, es gab zunächst keine Zickereien. Erst als der Bus losfahren wollte, haben sich so cirka 50 bis 60 Leute hingesetzt. Es waren nicht nur Ultras, sondern auch Mitglieder anderer Fanclubs. Einige Fans, die sich in dem Bereich aufgehalten haben, waren angetrunken, und es gab dann auch ein paar Rufe, die aggressiv rüberkamen: ,Allofs raus' zum Beispiel.

Es flog eine Bierdose gegen den Bus. Ich habe die Situation aber nicht als gefährlich empfunden, keine Gewaltbereitschaft gespürt. Die Polizei hat eine sehr passive Rolle gespielt. Ich bin dann in Absprache mit Thomas Schaaf ausgestiegen und habe den Fans erklärt, weshalb Spieler und Trainer jetzt nicht aussteigen wollen. Thomas Schaaf hatte mir gesagt, dass er zuerst mit der Mannschaft über alles reden wolle. Das haben die Fans akzeptiert und in zwei, drei Minuten war alles vorbei."

Von der Vehemenz des Protestes war Schüssler schon ein wenig überrascht, nicht aber vom Zeitpunkt; so früh in der Saison, noch vor dem ersten Bundesliga-Spieltag. "Ich habe mit vielen Fans darüber gesprochen", sagt Schüssler, "ich denke, das sollte ein ,Hallo-wach-Zeichen' an die Mannschaft sein. Viele Fans sind nach der letzten Saison mit einem dicken Fell in die Sommerpause gegangen, haben trotz großer Befürchtungen die Ruhe bewahrt, dem Verein Ruhe gegeben und gehofft, dass in der neuen Saison alles besser wird."

Umso so größer war nun der Schreck, war die Enttäuschung, war der Frust nach einem Pokalspiel, das an die vielen schwachen Auftritte der Vorsaison erinnerte. Schüssler sagt: "Die Fans sind realistisch. Sie wissen, dass Werder in diesem Jahr nicht mehr die finanziellen Möglichkeiten hat. Deshalb geht der Protest nach meiner Einschätzung auch nicht gegen die Sportliche Leitung, sondern in erster Linie an die Adresse der Mannschaft.

Die Fans haben die Gesamtleistung gesehen. Sie erwarten bedingungslosen Einsatz." An eine dauerhafte Schädigung des Verhältnisses zwischen Fans und Mannschaft glaubt Schüssler nicht. "Die Aktion war vielleicht nicht schön. Aber was die Fans erreicht haben, ist, dass jeder Spieler gezwungen ist, sich mit der Situation auseinanderzusetzen."

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