Werders Innenverteidiger Caldirola träumt von Nationalelf

Bremen. Am Freitag spielt Deutschland gegen Italien. Luca Caldirola, Werders Italiener, träumt davon eines Tages selber für Italiens A-Nationalmannschaft zu spielen.
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Caldirola träumt von Nationalelf
Von Thorsten Waterkamp

Am Freitag spielt Deutschland gegen Italien. Luca Caldirola, Werders Italiener, träumt davon eines Tages selber für Italiens A-Nationalmannschaft zu spielen.

Am Freitag ist es mal wieder so weit. In Mailand wird – ein gutes halbes Jahr vor der nächsten WM – der Fußball-Klassiker Italien gegen Deutschland angepfiffen (20.45 Uhr). Seit nunmehr 43 Jahren warten die Deutschen auf einen Sieg gegen den Nachbarn bei einem großen Turnier. Werders italienischer Verteidiger kann sich auch nicht so recht erklären, warum Deutschland stets verliert – und träumt davon, selbst einmal Nationalspieler zu werden.

Gary Lineker war ein großer Fußballer und ein noch größerer Fußballphilosoph. Ihm hat die Welt einen der bemerkenswertesten Sätze dieses Sports zu verdanken: „Fußball“, erkannte Lineker einst, „ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“ Nur hat dieser englische Stoßseufzer einen dicken Schönheitsfehler: Gerät der kickende Teutone an die Squadra Azzurra, ist es in der Regel schnell vorbei mit deutscher Herrlichkeit.

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Bei Luca Caldirola sorgt der Vergleich für italienische Heiterkeit. Werders Innenverteidiger lacht herzlich angesichts der Vorstellung, das Lineker-Zitat auf sein Land zu übertragen. Und am Ende gewinnen immer die Italiener... Klingt gut, auch wenn Caldirola bei der Ursachenforschung passen muss. „Keine Ahnung, warum das so ist“, sagt er und schüttelt schmunzelnd den Kopf. Vergleiche fallen schwer, denn „man kann die Spielweisen nicht miteinander vergleichen. Italien spielt ein bisschen defensiver, Deutschland sehr offensiv“.

Das ist jetzt keine Erkenntnis, nach der man die Geschichte des Fußballs neu schreiben muss. Aber vielleicht mag Caldirola ja auch den Schlüssel des ständigen Erfolgs einfach nur nicht preisgeben und verraten, was das Geheimnis des italienischen Fußballs ist. Fakt jedenfalls ist: 22 Männer können rennen und schießen und spielen, wie sie wollen – in wichtigen Spielen hat immer noch Italien die Nase vorn gehabt.

Die Serie der deutschen Pleiten gegen Italien begann mit dem Jahrhundertspiel 1970, dem WM-Halbfinale in Mexiko (3:4 nach Verlängerung). Die Fortsetzung gab’s 1982 im WM-Finale von Madrid (1:3), Teil drei folgte im WM-Halbfinale 2006 in Dortmund (0:2) – und finito bei der EM 2012 war für die DFB-Elf dann wieder im Halbfinale (1:2). Die Deutschen haben nach nunmehr 43 Jahren noch nie ein Turnierspiel gegen die Squadra Azzurra gewonnen.

Caldirola glaubt nicht an seine WM-Teilnahme

Zweimal also kam Caldirola, erst 22 Jahre jung, in den Genuss, den historischen Reigen selbst in Augenschein zu nehmen. Wobei der Lombarde eigentlich ja viel lieber selbst mitspielen würde, so wie vor zwei Jahren mit der U21, als er in Kassel auf den deutschen Nachwuchs traf. Ein Testspiel übrigens, das Italien nicht gewann, wie sich Caldirola ziemlich präzise erinnert. „Die Tore für Deutschland hat Lewis Holtby geschossen, und für Italien waren es Manolo Gabbiadini und Fabio Borini“, weiß er noch.

Zwei andere seiner ehemaligen Kollegen aus der italienischen U21, die im Sommer Vize-Europameister wurde, sind heute Abend gegen Deutschland mit dabei: Mittelfeldspieler Alessandro Florenzi von AS Rom und der nur 1,63 Meter kleine Angreifer Lorenzo Insigne vom SSC Neapel. „Nationalmannschaft, das ist mein größter Traum“, träumt Caldirola zurzeit noch vergeblich. Italiens Trainer Cesare Prandelli hat sich bislang noch nicht bei ihm, dem Kapitän eben jener Vize-Europameistermannschaft, gemeldet. Weshalb, glaubt Caldirola, auch Brasilien 2014 weit weg ist: „Ich glaube, dass der WM-Kader schon weitgehend steht.“

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Robin Dutt, sein Trainer in Bremen, sagt über eine mögliche Nationalmannschaftskarriere seines Verteidigers: „Ein 22-jähriger Stammspieler bei Werder Bremen sollte nicht ganz chancenlos sein.“ Und wenn Caldirola Kapitän der U21 gewesen sei, dann wäre er ja nicht weniger als das Toptalent im Defensivbereich in Italien gewesen. „Also gehe ich davon aus, dass er in irgendeinem Notizbuch stehen wird“, vermutet Dutt.

Heute wird Luca Caldirola aber nur zuschauen, wenn in Mailand die neueste Auflage eines Fußball-Klassikers angepfiffen wird. Bei aller Liebe zum neuen Lebensmittelpunkt Bremen: Die Daumen drückt er natürlich seinem Land. Einzige Reminiszenz an die neue Heimat wird das Getränk sein, das sich der Werderaner heute Abend beim Fernsehgucken gönnen möchte: „Birra della Germania – ein deutsches Bier.“

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